Umfragen starten in Hamburg und Berlin Bremen setzt auf Olympia in Hamburg

Das Rennen um die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 geht in die entscheidende Phase. Meinungsforscher befragen in Hamburg und Berlin das Volk. Auch in Bremen fände man Olympia in Hamburg gut – es darf nur nichts kosten.
21.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Das Rennen um die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 geht in die entscheidende Phase. Seit gestern befragen Meinungsforscher in den Kandidatenstädten Hamburg und Berlin das Volk, um auszuloten, ob die Bürger etwaige Spiele in ihrer Stadt befürworten. Die Hamburger, das zeichnet sich ab, stehen dem Vorhaben eher aufgeschlossen gegenüber. Und auch in Bremen fände man Olympia in Hamburg gut – es darf nur nichts kosten.

„Feuer und Flamme“ sollen sie sein, die Hamburger, heiß auf Olympia, sie sollen brennen für die Idee, die Olympischen Spiele 2024 in ihre Stadt zu holen. Gemessen an dem Menschenauflauf gestern Abend in der Hamburger Innenstadt ließe sich durchaus behaupten, dass die Stadt reif ist für das Großereignis. Tausende kamen am Abend an die Binnenalster, um mit Fackeln und Laternen ein „Olympisches Alsterfeuer“ zu entfachen. Dabei entstand ein eindrucksvolles Bild – und ein im wahrsten Sinne des Wortes flammendes Plädoyer dafür, dass es eben Hamburg sein soll, das sich für die Spiele bewirbt. Und nicht Berlin.

Aber reicht das aus? Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der am 21. März entscheiden will, welche der beiden Städte er in das internationale Bewerbungsverfahren schickt, will sich nicht von derartigen Werbeaktionen blenden lassen. Deshalb hat er das Forschungsinstitut Forsa damit beauftragt, in beiden Städten repräsentative Umfragen auf die Beine zu stellen.

Jeweils 1500 Menschen in Hamburg und Berlin sollen sich dabei entscheiden: Sind sie für oder gegen Olympische Spiele in ihrer Stadt? Das Ergebnis, das laut DOSB-Vorstand Michael Vesper am 10. März bekannt gegeben werden soll, spielt für die Entscheider natürlich eine wichtige Rolle: „Wir wollen nirgendwo hingehen, wo die olympische Bewegung nicht willkommen ist“, sagt Vesper, betont aber zugleich: „Die Umfrage ist wichtig, aber nicht alles entscheidend.“

Vertraut man ersten Stimmungstests, stehen die Menschen in den beiden Metropolen den Spielen vor der eigenen Haustür durchaus wohlwollend gegenüber. Berlins Sportsenator Frank Henkel (CDU) rechnet nach eigener Aussage mit einer Zustimmung von deutlich über 50 Prozent in seiner Stadt. In Hamburg ergab eine Vorabumfrage der Meinungsforscher von Emnid in diesem Monat, dass sogar 68 Prozent der Menschen in der Hansestadt sagen: Ja, wir wollen Olympia!

Wäre es tatsächlich Hamburg, das sich vom 21. März nicht mehr mit Berlin, sondern mit internationalen Bewerberstädten wie Boston, Rom oder Paris vergleichen lassen müsste, geriete auch im benachbarten Bremen wohl einiges in Bewegung. Denn die Hansestadt an der Weser könnte einer der Profiteure von Olympischen Spielen in Hamburg sein. Der Weg an die Alster ist nicht weit, und so hoffen viele Menschen darauf, dass ein Teil der vielen Tausend Olympia-Besucher aus aller Welt in Bremen unterkommen könnte – sei es, um dort zu übernachten, oder auch nur, um die Stadt zu besichtigen und auch mal eine Bratwurst zu essen.

Möglicherweise könnte in Bremen auch richtiger Sport stattfinden – so die Bedingungen es denn zulassen. Schon jetzt ist die Spannung angesichts dieser Frage gegenwärtig: „Ich bin hochgradig euphorisch“, sagt Peter Rengel, der Chef der ÖVB-Arena, im dritten Teil unserer Serie „Fünf Ringe für Bremen“. Die Halle hat ein Fassungsvermögen von weit mehr als 10 000 Zuschauern und käme im Falle einer Hamburger Bewerbung als Austragungsort für einzelne Wettkämpfe infrage.

Mit dieser Vorfreude ist Rengel keineswegs allein, auch andere frohlocken schon und sehen die Chancen, die sich hinter den Spielen in Hamburg für Bremen auftun. „Weltweite Werbung“ verspricht sich etwa die Wirtschaftsförderung Bremen, auf volle Hotels hofft die Touristikzentrale. Doch es gibt auch Widerstand: Müsste man städtisches Geld in die Hand nehmen, um die Braut Bremen mit ihrer Infrastruktur noch ein bisschen schöner zu machen, schlüge die Begeisterung schlagartig in Ablehnung um. „Wir haben im Moment kein Geld dafür, um hier für Olympia etwas auf- oder nachzurüsten“, sagt Petra Krümpfer, die sportpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Und auch der Grüne Mustafa Öztürk stellt klar, dass man in Bremen sicher kein Geld für Olympia ausgeben werde: „Wir haben hier ganz andere Sorgen.“

Weitere Texten unserer Olympia-Serie:

Bremen hofft aus die Spiele

Interview mit ÖVB-Hallenchef Rengel

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