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Ein Fahrer - Sechs Tage (Tag 2)
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"Leif ist live": Der Wellenritt

11.01.2017 0 Kommentare

Sechs Tage lang rasen die Radprofis durch die ÖVB-Arena, oder besser: sechs Nächte. Tausende Menschen sehen ihnen dabei zu, aber kaum einer weiß: Wie geht es den Fahrern in dieser Zeit? Wie verbringen sie ihre Stunden abseits der Bahn? Was treibt sie an, was bedrückt sie?

Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays.
Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays. (WESER-KURIER-Grafik)

Tag 1

Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays; der 34-Jährige ist Publikumsliebling und einer der erfahrensten Profis des Bremer Fahrerfeldes. Er konnte die Sixdays schon zwei Mal für sich entscheiden (2009 gemeinsam mit Erik Zabel und 2014 gemeinsam mit Wim Stroetinga). Auch in diesem Jahr zählt Leif Lampater zu den Favoriten.

11 Uhr - Frühstück im Hotel: Noch ein wenig verschlafen kommt Leif Lampater am Morgen nach dem ersten Renntag zum Frühstück. Tomaten, Mozzarella, Räucherlachs und ein kleines Körnerbrötchen landen auf seinem Teller. Dazu bestellt er bei der Bedienung ein Omelett und einen Kaffee. "Gleich gucke ich noch nach Obstsalat, Joghurt und Haferflocken", kündigt der hungrige Sportler seine zweite Buffetrunde an.

Während der Renntage versucht er möglichst viele Kohlenhydrate zu sich zu nehmen - so hat er mehr Kraft. Was allerdings nicht auf seinem Speiseplan steht, ist weißer Zucker - und das schon seit zwei Jahren nicht mehr. "Irgendwann beginnt man als Sportler mehr über seine Ernährung nachzudenken", sagt Lampater. Ganz darauf verzichten, das gibt er dann aber doch zu, kann er nicht. "Hier und da gibt es mal eine Sprite nach dem Rennen." 

Apropos Rennen: Der erste Renntag war lang für Lampater. Erst gegen zwei Uhr lag er im Bett. "Bis ich geschlafen habe, war es bestimmt drei Uhr", sagt er. Wie man nach so aufreibenden Stunden runterkommt? Mit "dem Üblichen", Nachrichten auf dem Handy checken, ein paar davon beantworten und ein bisschen rumdaddeln. "Man kommt ja nicht sofort runter, der Tagesrhythmus muss sich erst einmal umstellen."

"Eine Wellenbahn"

Mit dem ersten Renntag ist Lampater zufrieden. Zweiter, eine Runde Abstand zu den Führenden - "ganz in Ordnung für den Anfang", findet er. Denn einfach war sie nicht, die erste Nacht auf der Bremer Bahn. Einige kleine Dellen im Holz machten den Fahrern zu schaffen. "Momentan ist es noch eine Wellenbahn", sagt Lampater. Das erschwere es, Fahrer zu überholen. "Man kann nicht so eng auffahren, muss immer besonders aufpassen." Er hofft, dass es am Abend keinen zweiten Wellenritt gibt. 

12 Uhr: Ein weiterer wichtiger Programmpunkt auf Lampaters Tagesplan: Das Facetime-Gespräch mit seiner zweijährigen Tochter Lea. Das muss erledigt werden, bevor sich die Kleine in den Mittagsschlaf verabschiedet. Ein bisschen, so der stolze Papa, versteht sie schon, was ihr Vater so macht. "Papa Radl fahren", sagt sie zum Beispiel oft, sobald Lampater seinen Helm rausholt. Und auch Lea selbst ist schon in ihrem Kindersitz bei ihrem Vater mitgefahren. "Zuhause ist sie auch allein auf ihrem Laufrad unterwegs", sagt Lampater. 

Ein Einzelzimmer für Lampater

14 Uhr: Auch ein bisschen Entspannung muss sein und Leif Lampater hatte Glück: Weil Fahrerkollege Marcel Barth sich für ein anderes Hotel entschieden hat als der Rest der Radprofis, kam es zu einer ungraden Fahrerzahl und für Lampater sprang ein Einzelzimmer heraus. "Ich kann nicht klagen", sagt er mit einem Grinsen und freut sich, am Nachmittag vor seiner Massage und den nächsten Rennen noch ein bisschen Zeit im Zimmer vor dem Fernsehen verbringen zu können - allein. 

Gegen den Kaltstart

15.30 Uhr, Massage: Die Massage ist ein täglicher Fixpunkt in Lampaters Tagesablauf bei den Sixdays. Mindestens eine Stunde verbringt er an einem Renntag im Massageraum. Für ihn ist das "der perfekte Zeitpunkt, um in den Körper reinzuhören und zur Ruhe zu kommen". Aber nicht nur für die Erholung seiner Muskeln ist die tägliche Behandlung wichtig.

"Für den Kopf ist die Massage auch immer eine wichtige Geschichte", sagt Lampater. Der Massageraum sei sein Ort, um noch einmal das Rennen des Vortags zu reflektieren und mit dem Masseur auch mal über Privates zu sprechen. Jeder Sixdays-Masseur kümmert sich um drei Fahrer. Über die Jahre hinweg entstünden so enge Bekanntschaften, sagt Lampater.

Dem Radprofi geht es gut an diesem zweiten Tag. Er sei entspannt, auch wenn er Tag eins bereits in Muskeln und Knochen spüre, betont Lampater. "Gestern hatte etwas von einem Kaltstart für mich", sagt er. "Meinen Puls habe ich noch lange nachlaufen gehabt." Dank der Massage gehe es nun wieder, sagt Lampater. Vor ihm liegen in dieser Nacht fünf Stunden Rennen.

Zufrieden? Natürlich nicht. 

22.00 Uhr: Die kleine Jagd ist vorbei. Wieder zweiter Platz für Lampater und Partner Wim Stroetinga. Ob er zufrieden ist? "Natürlich nicht", schreibt er direkt nach dem Rennen via Whatsapp aus der Fahrerkabine. "Wir wollten weiter nach vorne!" Ansonsten sei aber alles gut soweit: "Beine gut" und auch die Bahn mache ihm heute nicht mehr so zu schaffen wie am Vortag: "Es ist deutlich besser zu fahren", so Lampater. Dabei fing das Rennen mit einem kleinen Problem an. Während der Fahrervorstellung, als alle 24 Fahrer ihre Runden drehten, verließ Lampater kurz und unauffällig die Bahn. Der Grund ist simpel, tippt Lampater mit einem Lach-Wein-Emoji: "Ich musste mal kurz aufs Klo."


Fotos der Sixdays

Belgier gewinnen Sechstagerennen
Bilder: Der Abschluss der Bremer Sixdays
Sixdays Bremen 2019
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