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Abschlusstag bei den Sixdays
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Keisse und De Buyst gewinnen Bremer Sechstagerennen

15.01.2019 0 Kommentare

Champagnerdusche: Iljo Keisse (l.) und Jasper De Buyst (r.) feiern ihren Sixdays-Sieg mit Simone Consonni (M.).
Champagnerdusche: Iljo Keisse (l.) und Jasper De Buyst (r.) feiern ihren Sixdays-Sieg mit Simone Consonni (M.). (Frank Thomas Koch)

Am Ende war es eine Demonstration ihrer Macht und Klasse. Die Belgier Iljo Keisse und Jasper De Buyst krönten ihre fantastische Leistung bei den 55. Bremer Sixdays mit einer Galavorstellung in der Schlussjagd. 55 Minuten schien das Rennen spannend zu sein. Es gab Positions- und Führungswechsel am laufenden Band, die Zuschauer in der ÖVB-Arena johlten und klatschten vor Begeisterung. Aber wer glaubte, dass das Rennen absolut offen war – und danach sah es tatsächlich aus –, musste sich in den letzten fünf Minuten eines Besseren belehren lassen.

Die Hetzjagd der fünf Siegkandidaten untereinander war nur das Vorspiel eines Finales, das es in dieser Form in Bremen viele Jahre nicht gegeben hatte. Keisse und De Buyst, die schon während der vorangegangenen Tage alles im Griff hatten, spielten mit der Konkurrenz ein letztes Mal Katz und Maus. Nachdem 30 Runden vor Schluss vorübergehend Titelverteidiger Theo Reinhardt und der Däne Marc Hester die Gesamtführung übernommen hatten, machten die Belgier ernst. 22 Runden vor Ende standen sie wieder vorn – und fuhren die Konkurrenz anschließend in Grund und Boden.

Sofort zogen die Belgier wieder vorne aus dem Feld heraus, ihren Griff nach derDoublette konnten die Gegner nicht mehr verhindern. Hester und Reinhardt sowie die zwischenzeitlich ebenfalls mal führenden Simone Consonni (Italien) und Tristan Marguet (Schweiz) kamen nicht mehr hinterher, ihre Akkus waren leer. Zehn Runden vor Schluss feierten Keisse und De Buyst bereits ihren Triumph, während Hester und Reinhardt keine Mühe hatten, Platz zwei vor Consonni und Marguet zu behaupten.

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Fünf Mannschaften waren um 21.55 Uhr mit Siegchancen in den letzten Wettbewerb der sechs Tage gegangen. Achim Burkart und sein österreichischer Partner Andreas Graf hatten im Ausscheidungsfahren noch die nötigen Punkte für eine Bonusrunde eingefahren, sodass vier Teams in der Nullrunde lagen. Dieführenden Keisse/De Buyst hatten nur drei Zähler mehr als Consonni/Marguet. Christian Grasmann und der Däne Jesper Mørkøv brauchten bei einer Runde Rückstand und den wenigstens Punkten zwei Rundengewinne zum Gesamtsieg.

Keisses gewagte Prognose

Obwohl vieles dafür gesprochen hatte, dass Consonni/Marguet seine größten Rivalen im Kampf um den Gesamtsieg werden sollten, hatte Iljo Keisse noch am Dienstag Marc Hester und Theo Reinhardt als ärgste Widersacher auf dem Zettel. Vor allem dieses Duo wollten Keisse/De Buyst auf Abstand halten, die besser platzierten Consonni/Marguet und Burkart/Graf schienen für sie nicht so gefährlich. Vielleicht ein Bluff? Der Sportliche Leiter Erik Weispfennig wollte das vor dem entscheidenden Abend zumindest nicht ausschließen.

Für Weispfennig waren zu diesem Zeitpunkt die beiden Belgier immer noch dieTopfavoriten. „Zu 99 Prozent gewinnen sie“, sagte er. Blieb ein Prozent übrig, das sich die anderen drei Duos noch unter sich hätten aufteilen können. Wobei Burkart und Graf aufgrund ihres Punkterückstands wenigstens nur eine Runde auf die beiden führenden Teams gutmachen mussten, Hester und Reinhardt dagegen gleich zwei. Aber Vorjahresgewinner Reinhardt hatte angekündigt, dass Hester und er sich keineswegs schon selbst abschreiben würden. Die Botschaft des Weltmeisters: Gekämpft wird bis zum letzten Moment! 

Am späten Montagabend hatten Simone Consonni und Tristan Marguet nach derGroßen Jagd erst mal die Spitze im Gesamtklassement übernommen. Bis 15 Runden vor Schluss hielt sich das clevere Duo aus den Scharmützeln auf derBahn fein heraus. Iljo Keisse und Jasper De Buyst als bis dahin führendes Paar hatten abgeklärt alle Ausreißversuche von Achim Burkart/Andreas Graf und Marc Hester/Theo Reinhardt gekontert. Quälende und kraftraubende fünf Minuten lang hatten Burkart und Graf in einer Alleinfahrt versucht, Keisse und De Buyst eine Runde abzujagen. Die Belgier aber zogen das Feld an und schnappten sich schließlich die ermüdeten Ausreißer.

Taktische Jagd

Ebenso erging es kurz darauf Hester und Reinhardt. Sie hofften, den richtigen Moment für ihre Attacke erwischt zu haben – und hatten ebenfalls die Rechnung ohne Keisse/De Buyst gemacht. Drei Minuten lang holten Hester und Reinhardt alles aus ihren Körpern und Beinen heraus, bis auch sie das Feld dank derherausragenden Führungsarbeit der Belgier wieder geschluckt hatte.

Nicht nur wegen der gescheiterten Ausreißversuche war dieses Rennen ein Paradebeispiel für eine von großer Taktik geprägte Jagd. Consonni und Marguet machten aus den 45 spannenden Minuten am Ende diese einzigartige taktische Lehrstunde, als sie nicht mal mehr zehn Runden vor Schluss zur entscheidenden Attacke ansetzten. Weil die an der Hatz zuvor beteiligten drei der vier Topteams nun alle platt waren, schoss Tristan Marguet förmlich aus dem Feld heraus und machte mit Consonni drei Runden vor dem Abschuss den Rundengewinn perfekt. Maßarbeit in jeder Hinsicht! Dank dieser Runde und der 20 Punkte für den Sieg der Jagd setzten sich Consonni/Marguet an die Spitze.

Wenig später, beim Showprogramm der Gruppe Ever’so, stand Consonni schon wieder völlig entspannt im Innenraum der Arena und hielt die Augenblicke per Video auf seinem Handy fest. „Ich weiß nicht, ob wir morgen als Sieger ins Ziel fahren“, sagte der 24-Jährige, der in Bremen sein erstes Sechstagerennen überhaupt fährt. Es sollte nicht reichen, aber seine Leistung war dennoch herausragend.

     +++Dieser Text wurde um 23.25 Uhr aktualisiert+++


Fotos der Sixdays

Belgier gewinnen Sechstagerennen
Bilder: Der Abschluss der Bremer Sixdays
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