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Vom Sixdays-Kaiser Iljo Keisse

Olaf Dorow 16.01.2019 0 Kommentare

Dominanz in orange: Sixdays-Sieger Iljo Keisse (l. und Jasper De Buyst.
Dominanz in orange: Sixdays-Sieger Iljo Keisse (l.) und Jasper De Buyst. (Frank Thomas Koch)

Iljo Keisse wollte dann vor allem eines. Er wollte weg. Anders als das Gros des Sixdays-Feldes blieb der Sixdays-Triumphator nicht noch für eine Nacht im Bremer Hotel. Keine Cocktails mehr auf den Erfolg, kein Puh-geschafft-Talk mit den anderen Fahrern, kein fröhliches Karaoke-Geträller an der Pianobar des Courtyard Marriott, im dem die Mannschaften und die Betreuer auch in diesem Jahr untergebracht waren.

Zusammen mit seinem Partner und nun erstmaligen Bremer Sixdays-Sieger Jasper De Buyst begab sich der nun dreifache Bremen-Sieger gleich nach der letzten großen Jagd auf der Bahn noch in der Nacht auf eine große Jagd über die Autobahn. Er liebe deutsche Autobahnen in der Nacht, sagte Iljo Keisse, da könne er schön schnell fahren. Wem würde man es mehr abnehmen als ihm, dass er schnelles Fahren mag? Die rund 500 Kilometer nach Hause, nach Gent, seien in knapp vier Stunden erledigt, sagte Kaiser Keisse.

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Kaiser Keisse, so darf man ihn wohl ruhig nennen. Zum einen, weil es schon mal einen sehr erfolgreichen Rennfahrer aus Belgien gab, der der weltweit erfolgreichste Sixdays-Pilot seiner Zeit war. Patrick Sercu siegte in Bremen viermal und war später lange Sportlicher Leiter des Bremer Rennens. Zum zweiten hat Iljo Keisse jetzt auch schon dreimal gewonnen in der ÖVB-Arena.

Über das dritte Mal nach 2008 und 2017 muss man anfügen: Und wie! Lange hat man keinen Profi auf der Bremer Bahn erlebt, dessen Eleganz und Dominanz so herausstachen. Um es mal mit einem Vergleich aus dem Boxen zu versuchen: Wenn Henry Maske mehr so der Gentleman, mehr so der für den Kopf war, und Graciano Rocchigiani mehr so der fürs Herz, dann ist Keisse in der Radsport-Version die Symbiose aus Maske und Rocky.

"Ich habe zwei Idole"

„Er ist einfach Champions League. Der Beste hat gesiegt“, sagte Sportchef Erik Weispfennig nach dem Triumph, den Keisse/DeBuyst in den letzten fünf Renn-Minuten mit einem doppelten Rundengewinn, einer sogenannten Doublette, perfekt gemacht hatten. Sie waren, auf Initiative von Keisse, eine Doublette gefahren, obwohl schon ein einfacher Rundengewinn zum Triumph gereicht hätte. Titelverteidiger und Weltmeister Theo Reinhardt, der mit Marc Hester am Ende auf Rang zwei landete, hatte keine Chance. „Ich habe zwei Idole“, verriet Reinhardt nach dem Finale, „das sind Robert Bartko und Iljo Keisse.“

Bartko war einer der erfolgreichsten deutschen Bahnfahrer, der bei den Bremer Sixdays viermal siegte. Bartko ist auch ein Grund, warum Keisse ein paar Worte deutsch sagen kann. „Bährlinähr Bährrr“,  sagt Keisse über Bartko. Und dann schwärmt der Belgier über Bartko, der stark wie ein Bär wirkte und auch so wie ein Bär brummen konnte. 2008 waren der etablierte Robert Bartko und der damals noch weitgehend unbekannte Iljo Keisse das Siegerpaar der Bremer Sixdays. 

Fotostrecke: Bilder: Der Abschluss der Bremer Sixdays

Der inzwischen überhaupt nicht mehr unbekannte 36-jährige Iljo Keisse hat sehr viel geschwärmt in dieser Nacht auf Mittwoch. Er hat erzählt, wie er nach der Schule immer an der Bahn seiner Heimatstadt Gent stand. Und er habe dann gar nicht von einem Tour-de-France-Sieg geträumt, sondern von einem Sieg im Sechstagerennen von Gent. Inzwischen ist er der local hero von Gent – und hat einen Vertrag beim Tour-de-France-Rennstall Quickstep. Das ist sein Job. Seine Liebe sind die Sechstagerennen. „Ihr habe keine Vorstellung davon, wie nervös ich vor diesen Rennen bin“, hat er zu den Reportern in Bremen gesagt, „nervös wie ein 15-Jähriger.“ 

Seine geliebte Bremer Bahn hat er in der Nacht nur aus einem einzigen Grund so fluchtartig verlassen: wegen der Familie. Er wollte am Morgen noch seine beiden Jungs sehen, die fünf und acht Jahre alt sind. Der eine musste zum Gitarren-Unterricht, der andere zum Fußballtraining. Und der Papa muss noch an diesem Wochenende schon wieder nach Argentinien fliegen, wo Quickstep für die Tour de San Luis gemeldet hat.

Zur Sache

59 000 Sixdays-Besucher

Die Sixdays-Veranstalter haben erste Zahlen zum Event 2019 bekanntgegeben. Demnach seien diesmal insgesamt 59 000 Besucher in die Hallen gekommen. Das Vorjahresergebnis sei damit nur knapp verfehlt worden. "Wenn man bedenkt, dass wir in neuer Konstellation und mit zum Teil veränderten Konzepten an den Start gegangen sind, ist das ein gutes Ergebnis“, wird Geschäftsführer Felix Wiegandt von der Event & Sport Nord GmbH in einer Mitteilung zitiert. Im kommenden Jahr werden die Sixdays vom 9. bis 14. Januar ausgetragen.


Fotos der Sixdays

Belgier gewinnen Sechstagerennen
Bilder: Der Abschluss der Bremer Sixdays
Sixdays Bremen 2019
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