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2000 Kilometer näher

Olaf Dorow 17.09.2019 0 Kommentare

Trennung trotz der Erfolge: Grün-Gold-Tänzer Timur Imametdinov und Nina Bezzubova.
Trennung trotz der Erfolge: Grün-Gold-Tänzer Timur Imametdinov und Nina Bezzubova. (Frank Thomas Koch)

Bremen. Vereinfacht kann man es sich so vorstellen, vielleicht war es sogar genauso: Sie und er. Ein Liebespaar, seit knapp einem Jahr mittlerweile. Sie sitzen zusammen, vielleicht in einem Café. Vielleicht auf einer Parkbank, vielleicht vor dem Fernseher. Sie: Willst du mit mir tanzen? Er: Nina, du bist eine Toptänzerin. Weltniveau! Sie: Ach, komm. Na, los!

Aus Gesprächen wie diesen ist sie hervorgegangen, die neue, die überraschend neue Konstellation im Grün-Gold-Club. Nina Bezzubova tanzt jetzt mit Evgeny Vinokurov, der im Oktober von Frankfurt/Main nach Bremen ziehen will. Zu seiner Freundin Nina Bezzubova. Sie tanzt nicht mehr mit Timur Imametdinov zusammen, mit dem sie Anfang September WM-Bronze im Latein-Tanz geholt hatte.

Was sich nach etwas anhört, für das der Volksmund das schöne Wort „Beziehungskiste“ erfunden hat: ist zwar irgendwie auch eine Beziehungskiste. Im Kern aber nicht. Im Kern ist es eher der Punkt, an dem das Weltklasse-Paar Imametdinov/Bezzubova angelangt war. Vor knapp drei Jahren war es von Pforzheim zum Bremer Klub gewechselt. Es holte internationale Titel und Medaillen für Grün-Gold. Doch es war nun – so beschreibt es zumindest Nina Bezzubova – jener Punkt erreicht, der nach Zäsur verlangte. Demnach war seine Position: Ein „Weiter so“ ist schwierig, aber machbar. Ihre Position: Ein „Weiter so“ ist zu schwierig. Und verhindert eine Weiterentwicklung.

Das Tanz-Team Imametdinov/Bezzubova hat seit Jahren ein Leben aus dem Koffer geführt. Permanent unterwegs. Das geht vielen Leistungssportlern so. In ihrer trainingsintensiven Disziplin kam jedoch dazu, dass der eine, inzwischen mit Frau und Kind, in Moskau lebte. Die andere in Bremen. Wollten sie gemeinsam üben, mussten sie sich ins Flugzeug setzen.

Die Hin-und-her-Hetzerei zwischen Bremen und Moskau kam dazu zu all den vielen World-Open- oder International-Open-Turnieren. 122-mal sei sie im vergangenen Jahr geflogen, sagt Nina Bezzubova. So laufe das seit Jahren. Das spüre sie inzwischen auch gesundheitlich. Und beide hätten sie festgestellt, dass sie sich nirgendwo mehr zu Hause fühlten. Er nicht in Moskau, sie nicht in Bremen. Dazu der ganze Behördenkram. Er hat einen russischer Pass. Sie einen deutschen und einen lettischen. Sie wurde in Riga geboren. 

Wenn Nina Bezzubova über sich und ihre Tanz-Partnerschaft mit Timur Imametdinov erzählt, stellt man sich das etwa so vor: Er eher cool und gelassen. Sie eher feurig und nervös. Sie zweifelte zunehmend, ob es ausreicht, wenn sie weniger als andere Paare aus der Weltspitze trainieren konnten. Wenn sie versuchten, fehlende Einheiten versuchten, auf Camps auszugleichen. Oder quasi im laufenden Betrieb, im Schnell-schnell-Verfahren auf den Turnieren.

Sie habe mehr gewollt. Mehr hieß aus ihrer Sicht mehr Training. Umfassenderes Training. Mit Yoga, Fitnesstraining oder zusätzlich zu den Trainern Roberto und Uta Albanese sowie Jürgen Neudeck mit einem Personal Trainer. Wie damals in Pforzheim. Aber wie sollte das gehen? Er mehr als 2000 Kilometer weit weg. Und seit Kurzem liegt daheim ein kleiner Junge in seinem Arm. „Wenn wir so weitergemacht hätten, dann hätten wir vielleicht unser Niveau halten, aber nicht angreifen können“, sagt Nina Bezzubova. Sie könnten vielleicht sogar einen Platz im Ranking verlieren. Seit Längerem sind sie Nummer drei in der Welt.

So setzte sich der Prozess der Trennung in Gang. So wie auch das Zustandekommen des neuen Tanzpaares ein Prozess und natürlich keine nur in einem spontanen Café-Gespräch beschlossene Sache war. Evgeny Vinokurov war mal ein guter Sport-Tänzer. Vierte bis sechste Plätze auf deutschen Meisterschaften, internationale Erfolge.

Vor circa drei Jahren, mit 26, stieg er aus dem Wettkampfbetrieb aus. Er wurde in Tjumen geboren, Westsibirien, und lebt seit rund 14 Jahren in Deutschland. Sein Leben war nun mehr Beruf als Sport, aber ganz gelassen hat er nicht vom Tanzen. Zuletzt trat er in der RTL-Show "Let"s dance" an der Seite von TV-Promi Evelyn Burdecki auf. Das Paar kam auf Rang fünf.

Dazu diese, nun ja, Beziehungskiste mit Nina Bezzubova, die er schon lange kannte. Und die neue Lust auf den Wettkampfbetrieb. Evgeny Vinokurov erzählte seiner Freundin, dass er mit einer Tänzerin aus Russland ein Latein-Paar bilden könnte. Ein Tanz-Partner, der Tausende Kilometer entfernt wohnt? Was Nina Bezzubova wohl geraten hat?

Sie riet ab. Sie wurde selbst die neue Tanzpartnerin ihres Freundes. Ein paarmal haben sie schon gemeinsam geübt, demnächst zieht ihr Evgeny zu ihr. Kurze Wege zum Training, viel Zeit zum Training. Und ein großes Fragezeichen. Lässt sich der große sportliche Verlust durch den Weggang von Timur Imametdinov kompensieren? Ihr Ex-Partner sei jemand gewesen, der die Ruhe bewahren konnte, sagt Nina Bezzubova. Seine Effizienz im Training habe sie bewundert. Genau weiß man das im Grün-Gold-Club nicht, wahrscheinlich werde Imametdinov zu den Professionals wechseln, schätzt man. 

Die sportlichen Fußstapfen sind groß. „Ich traue ihm das aber zu, da hineinzuwachsen“, sagt Trainer Roberto Albanese über Evgeny Vinokurov. Albanese sieht ein großes Potenzial. Eine Trainingsarbeit, die „viel konstanter“ sein kann als zuletzt. Sportlich werde es schwer, sofort wieder die Position drei in der Welt zu besetzen. Aber der so erfolgshungrige wie erfolgsverwöhnte Roberto Albanese wäre nicht er selbst, wenn er nicht ein Ziel benennen würde, das ganz oben liegt. „Das Ziel ist es, so schnell wie möglich in die Weltspitze zu kommen“, sagt er. 

Seine ebenso ehrgeizige Tänzerin Nina Bezzubova braucht er nicht erst zu überzeugen, sich dieses hohe Ziel zu stecken. Am Trainingseifer ihrer Freundes und Partners sollte es auch nicht scheitern. Der sei geradezu beseelt vom ständigen Verbessern, sagt sie. Sie habe schon gedacht: „Vielleicht sind andere doch noch verrückter als ich!“

Zur Sache

Etappenziel Magdeburg

Die deutschen Meisterschaften 2020 sind das erste große Etappenziel für das neue Latein-Paar Nina Bezzubova und Evgeny Vinokurov. Mitte März wollen die beiden in Magdeburg um die Medaillen kämpfen. Mit  Timur Imametdinov war Nina Bezzubova zuletzt Nummer zwei in Deutschland hinter den WM-Zweiten Balan/Moshenska aus Pforzheim.  


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...