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Das "Ally Pally" feiert Welge

Frank Büter 20.12.2010 0 Kommentare

Der Bremer Andree Welge, hier beim Einmarsch in das Alexandra Palace, musste sich bei der Dart-WM in London dem Top-Ten-
Der Bremer Andree Welge, hier beim Einmarsch in das Alexandra Palace, musste sich bei der Dart-WM in London dem Top-Ten- (JÜRGEN SCHMITZ)

Bremen·London. Doppelt 20 - verfehlt. Doppelt zehn - wieder nur einfach. Jetzt doppelt fünf, die letzte Chance - vertan! Ein Aufschrei der Bestürzung geht durch das mit 2500 Zuschauern besetzte Alexandra Palace. Soeben hat der Bremer Andree Welge bei der Dart-Weltmeisterschaft in London drei Matchdarts vergeben. Am Ende eines spannenden und hoch dramatischen Matches bleibt die Sensation aus, Colin Lloyd, die Nummer neun der PDC-Weltrangliste, gewinnt die Erstrundenpartie gegen den Bremer Amateur knapp und glücklich mit 3:2 (3:0, 3:1, 0:3, 0:3, 4:2).

"Als ich ans Board ging, habe ich kurz gedacht: Mensch, ich kann hier gewinnen. Ich kann einen Weltklassespieler ausschalten und eine Sensation schaffen", schildert Andree Welge den Moment unmittelbar vor den Matchdarts. Doch der Druck war offenbar zu groß, die Hand zu zittrig. Dreimal fehlten die berühmten Millimeter - was Lloyd mit dem Spielgewinn zum 2:2-Ausgleich bestrafte. Damit kam es zum ersten Tiebreak dieser WM, in dem der frühere Weltranglistenerste das drohende Aus dann noch abwendete.

Nach einem derart mitreißenden Finish hatte es zunächst indes überhaupt nicht ausgesehen. Denn während Colin Lloyd routiniert seine Punkte herunterspielte, fehlte dem krassen Außenseiter aus Bremen die Konstanz und die Genauigkeit. Mit 3:0 und 3:1 entschied der Engländer die ersten beiden Sätze (Sets) für sich, es schien ein kurzer Auftritt für die deutsche Nummer eins zu werden. "Nein", widerspricht Welge energisch, "ich habe immer daran geglaubt, dass da noch was drin ist".

Mit diesem Glauben an die eigene Stärke startete Andree Welge tatsächlich eine fulminante Aufholjagd. Der 38-Jährige bot plötzlich Dart-Sport auf allerhöchstem Niveau und gewann die folgenden acht Spiele (Legs) in Serie! Mit stoischer Ruhe und Zielsicherheit setzte er Pfeil um Pfeil, seine durchschnittliche Punktausbeute stieg sprunghaft an. Insgesamt erzielte Welge 34mal mehr als 100 Zähler, dreimal schaffte er eine 180.

Faustschlag ins Dartboard

Colin Lloyd, eigentlich als ungemein nervenstark gerühmt, ließ der dominante Auftritt des Bremers nicht kalt. Als sich abzeichnete, dass er auch das achte Leg in Folge verlieren würde, verlor er völlig die Beherrschung und schlug seine rechte Faust mit voller Wucht in das Board. Damit war die Stimmung im "Ally Pally" endgültig gekippt. Das fachkundige Publikum buhte den Engländer fortan konsequent aus und stand fast komplett hinter Welge, der - für einen deutschen Spieler in dieser Spielstätte sehr ungewöhnlich - frenetisch angefeuert wurde. "Das hat mich noch zusätzlich gepushed", sagt der Bremer, der besagten Ausrasters seines Gegners zwar gehört, aber erst später in einer Fernsehaufzeichnung auch gesehen hat.

"Buhmann" Lloyd, der schließlich nicht nur mit einem sprichwörtlich blauen Auge, sondern auch mit blutigen Knöcheln von der Bühne gegangen war, zeigte sich später in einem Interview reumütig: "Es tut mir leid. Ich war enttäuscht und habe in dem Moment meine Emotionen gezeigt. So etwas sollte ich nicht tun, aber ich bin hier, um Weltmeister zu werden. Ich entschuldige mich bei allen Zuschauern und bei Andree - er ist ein wunderbarer Mensch und Spieler", sagte der 37-Jährige, der seinem Spitznamen "Jaws" (Beißer) in dieser Szene alle Ehre gemacht hatte.

Trotz allem recht zufrieden

Aller Ehren wert war derweil auch Welges Auftritt vor einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen. "Ich habe ein vernünftiges Spiel abgeliefert und einen Top-Spieler an den Rand einer Niederlage gebracht. Als ich die Bühne verließ, war ich trotz allem recht zufrieden", sagt Andree Welge. Die Enttäuschung kam am nächsten Morgen. "Da gingen mir die Szenen noch mal wieder durch den Kopf. Und da habe ich mich schon geärgert. Drei Darts auf Doppel - das muss doch eigentlich reichen, um zu gewinnen..."


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Leserkommentare
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...
suziwolf am 21.10.2019 12:01
Warum dieser einfache Hinweis
auf www.spiegel.de
[ ,auf Erweiterung der Information‘ ]
mit „👎“ bewertet wird,
erklärt sich ...