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Gewichtheben
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Allein auf weiter Flur

Aljoscha-Marcello Dohme 13.04.2019 0 Kommentare

Etwa 50 Mitglieder zählt die von Jan Struve geleitete Gewichtheberabteilung bei den Freien Turnern Blumenthal – der Verein der einzige in Bremen, der diesen Sport anbietet.
Etwa 50 Mitglieder zählt die von Jan Struve geleitete Gewichtheberabteilung bei den Freien Turnern Blumenthal – der Verein der einzige in Bremen, der diesen Sport anbietet. (Kosak)

Seit gut 20 Jahren ist Jan Struve im Gewichtheben bei den Freien Turnern Blumenthal aktiv. Das er gerade dort gelandet ist, ist kein Zufall. Denn in Bremen und der Umgebung gibt es keinen weiteren Verein, bei dem der Gewichthebersport angeboten wird. „Vor meiner Zeit soll es mal einen Polizeisportverein in Bremen gegeben haben, der den Sport betrieben hat. Aber das kenne ich nur aus Erzählungen“, sagt Struve.

Diese Situation müsste für die Freien Turner eigentlich ein Glücksfall sein und für überlaufene Trainigsstunden sorgen. Doch dem ist nicht so. „Wahrscheinlich ist den Leuten das schon aus der Stadt zu weit, weil wir in Bremen-Nord sind“, mutmaßt der Weltmeister.

Gut 50 Mitglieder hat die Sparte derzeit und bleibt damit in den letzten Jahren konstant. Dennoch gäbe es eine hohe Fluktuation. Nur die wenigsten Interessenten würden bleiben und zu guten Athleten werden, die auch Wettkämpfe bestreiten könnten. „In der Zeit, in der ich hier bin, habe ich zwischen 200 und 400 Leute kommen und gehen gesehen“, sagt Struve. Manche würden zwei bis drei Mal kommen, andere wären nach dem ersten Training schon wieder weg.

Die Gründe dafür sind vielfältig. „Gewichtheben ist eine Randsportart. Außerdem braucht man eine extreme Disziplin. Dafür sind die wenigsten Leute gebaut, um dabei zu bleiben und zu beißen“, sagt der Europameister. Disziplin sei deshalb wichtig, weil man jedes Mal an seine Grenzen gehen würde. „Das ist anstrengend. Man muss bei jedem Training seinen inneren Schweinehund überwinden“, sagt Struve.

Außerdem würde das Gewichtheben unter einem schlechten Ruf leiden. In der Bevölkerung habe sich verankert, dass der Sport schlecht für die Gesundheit sei, insbesondere für den Rücken. „Doch dem ist nicht so. Ich mache das seit 20 Jahren und fühle mich fit“, sagt der Deutsche Meister. Doch aus den Köpfen der Menschen sei dieses Vorurteil nur schwer herauszubekommen.

Das gleiche gilt für das klassische Bild eines Gewichthebers. „Man erwartet riesen Leute, die rund, kräftig und dick sind. So stellen sich Menschen einen Gewichtheber vor, die sich nicht mit der Sportart beschäftigen“, sagt Struve. Dieser falsche Eindruck stamme noch aus den 1970er oder 1980er Jahren und gelte nicht nur für männliche Sportler, sondern auch für weibliche.

All das führe zu dem schlechten Image des Gewichthebens und halte die Menschen davon ab, selbst den Sport auszuüben. „Gewichtheber sind ganz normale Menschen. Wenn man einen Athleten auf einer Party in einem normalem Hemd und einer normalen Hosen trifft, glaubt man ihm nicht, dass er 180 Kilo stoßen kann. Das sieht man ihm nicht an“, sagt Struve.

Doch die Mitgliederzahlen und das Image des Gewichthebens sind nicht die einzigen Sorgen der Sportler. Insgesamt gehe es dem Verein schlecht. Man habe Schwierigkeiten, genügend Menschen zu finden, die ein Ehrenamt übernehmen. Der Vorstand der Freien Turner wolle zurücktreten und aktuell sei die Nachfolge noch nicht geregelt. Sollte sich niemand finden, müsste Struve einen anderen Verein suchen, um weiterhin Gewichtheben in Bremen anbieten zu können. Doch dass es soweit kommt, glaubt er nicht.

Gegen die Probleme des Vereins kann Struve allerdings nichts machen. Der Sport ist ein Hobby für ihn, dem er neben seiner Berufstätigkeit nachgeht. Deshalb kann er sich nicht zusätzlich noch im Vorstand der Freien Turner engagieren. Schließlich gibt er drei Mal in der Woche Training und versucht parallel dazu, das Image seines Sports zu verbessern, um so auch weitere Mitglieder gewinnen zu können. „Wir versuchen natürlich, uns nach außen positiv zu präsentieren. Wir machen Auftritte, zeigen uns beim Vegesacker Kindertag, machen unser Sommerfest oder hatten einen Stand bei der Arschbombenmeisterschaft in Blumenthal“, sagt Struve. Für den Kindertag hätten sie einmal über 100 Urkunden vorbereitet, die sie den Kindern für ihre Aktivitäten an der Hantel verliehen hätten. Übrig geblieben sei damals keine einzige. Im ganz kleinen Maße würden solche Aktionen ihre Wirkung zeigen und ein bis zwei Kinder dazu bewegen, zum Training zu kommen. „Wenn nur einer kommt, der auch wirklich dabei bleibt, dann sind wir schon froh darüber“, sagt Struve.

So sehr sich die Sportkameraden auch über neue Mitglieder freuen, unendlich viele Gewichtheber könnten sie nicht aufnehmen. Dafür sei die Halle in Blumenthal nicht ausgelegt. Dennoch würden sie sich etwa 15 bis 20 weitere Gewichtheber in ihren Reihen wünschen. „Das müsste man auch haben, um wenigstens eine Mannschaft für Wettkämpfe zu stellen, damit man auch mal selektieren kann und unabhängig von verletzungsbedingten Ausfällen ist“, sagt Struve.

Deshalb könnten die Freien Turner zurzeit nur an Einzelmeisterschaften teilnehmen oder es müsste eine Kampfgemeinschaft mit anderen Vereinen gegründet werden, die ähnliche Probleme hätten, wie die Bremer Gewichtheber.

In Zukunft wollen die Gewichtheber weiter auf sich aufmerksam machen. Geplant sei etwa eine Kooperation mit der Waldschule in Schwanewede. Dabei wollen sie den Kindern ihren Sport vorstellen und sie so dafür begeistern. Auf diesem Wege hoffen sie neue Mitglieder zu bekommen, die nicht gleich wieder aus dem Training aussteigen.


Sporttabellen & Ergebnisse
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Delmenhorster Kurier: Sport aus Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Dötlingen, Harpstedt, Wildeshausen

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Leserkommentare
abrakadabra am 22.10.2019 09:50
Als wenn es dem SUV Fahrer auf dem Weg zum Suff auf ein paar Euro ankommt...
Dr.NOHB am 22.10.2019 09:43
So sieht es aus. Aber andere Stadtteile werden gar nicht erwähnt. Hier im Barkhof-Viertel ist die Situation außerhalb des Freimarkts ähnlich. Z.B. ...