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Altona-Trainer Algan: „Ein Aufstieg kann Chaos anrichten“

Mathias Sonnenberg 20.05.2019 0 Kommentare

In Hamburg hat Berkan Algan einen großen Namen: Früher kickte er bei St. Pauli und dem HSV, seit 2015 coacht er Altona 93. Algan kann zum zweiten Mal aufsteigen.
In Hamburg hat Berkan Algan einen großen Namen: Früher kickte er bei St. Pauli und dem HSV, seit 2015 coacht er Altona 93. Algan kann zum zweiten Mal aufsteigen. (Meincke/KBS-Picture)

Herr Algan, wie gut kennen Sie den Bremer SV?

Berkan Algan: Ganz wenig, ich habe sie noch nicht spielen sehen, wir haben auch niemanden vor Ort gehabt. Wir haben uns erst auf unsere Meisterschaft konzentriert, aber jetzt gehen wir die schwere Aufgabe beim BSV an.

Bremen und Hamburg pflegen eine große Fußball-Rivalität. Lässt sich das auf den BSV und Altona übertragen?

Überhaupt nicht, das ist völliger Quatsch, es spielen ja nicht der HSV gegen Werder. Was haben wir damit zu tun?

Es sind immerhin zwei Traditionsvereine aus diesen Städten.

Ich hab‘ das Thema gar nicht im Kopf gehabt, bevor Sie mich das gefragt haben. Was haben wir mit Werder und dem HSV zu tun? Tut mir leid, kapier‘ ich nicht. Wir haben jedenfalls keine Rivalität mit dem Bremer SV.

Warum ist Altona Meister geworden? Weil Sie so gut waren, oder weil die anderen Teams geschwächelt haben?

Hmm, keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil wir die entscheidenden Spiele gewonnen haben.

Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Sind gute Jungs.

Das reicht, um Oberliga-Meister in Hamburg zu werden?

Was wollen Sie denn von mir hören? Der eine ist groß, der andere klein, einer schnell, der andere langsam. Ich habe 25 Spieler, von denen sind fünf verletzt, am Mittwoch vielleicht sogar acht.

Das ist ärgerlich.

Na klar ist das ärgerlich, gerade jetzt in so einer wichtigen Woche.

Wie groß ist denn der Aufstiegsdruck für Sie?

Ich habe keinen Druck. Wir wollten um Platz fünf mitspielen, sind dann Hamburger Meister geworden. Wir hatten eine tolle Saison und gehen ganz entspannt in die Relegation. Aber natürlich wollen wir aufsteigen und lehnen uns jetzt nicht gemütlich zurück.

Warum haben in Hamburg mit Altona 93 und Teutonia 05 nur zwei Klubs die Lizenz für die Regionalliga beantragt?

Keine Ahnung, da müssen Sie die anderen fragen. Was weiß ich, was die für Pläne oder Probleme haben. Viele haben auch großen Respekt vor der Regionalliga und keine Lust, zwölfmal nacheinander zu verlieren. Wir haben das Abenteuer Regionalliga ja schon gehabt.

Und Sie sind nach nur einem Jahr 2018 gleich wieder abgestiegen. Wie war es denn in der Regionalliga?

Das ist eine psychologische Mammut-Aufgabe, für die Spieler, die Trainer, die Fans. Das tut weh, da macht man sich auch viel kaputt nach einem Aufstieg. Denn in der Regionalliga spielen Granaten mit den zweiten Bundesliga-Mannschaften. Noch mal, das ist kein Kindergeburtstag, die Regionalliga. Dessen muss man sich schon bewusst sein.

Aber warum wollen Sie dann wieder dahin?

Wir haben eine große Fan-Base und eine Bereitschaft in diesem Stadtteil, mit der man die Regionalliga dauerhaft auf die Beine stellen kann. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass nach einem Aufstieg sofort der Abstiegskampf beginnt. Gucken Sie mal auf die Tabelle, die beiden Aufsteiger Lupo-Martini und VfL Oldenburg gehen gleich wieder runter. Das macht einen mürbe, das macht einen kaputt. Eine Regionalliga-Saison, die nicht gut geplant ist, kann viel kaputt machen. Aber das müssen alle wissen, auch die Spieler.

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Kann man da im Vorfeld nicht vorsorgen?

Psychologisch kann ein Aufstieg in die Regionalliga Chaos anrichten, das haben wir selbst erlebt. Das ist gefährlich. Und wir haben mit unseren Fans und dem Stadion ja schon Rahmenbedingungen, die passen. Aber wie gesagt, viele Spieler wissen oft nicht, was es heißt, Regionalliga zu spielen. Der Sprung von der Oberliga in die Regionalliga ist extrem. Und es sind die Spieler, die dann leiden, wenn es Niederlagen hagelt.

Was haben Sie aus der Zeit mit Auf- und Abstieg mitgenommen?

Was die Struktur betrifft, sind wir jetzt besser aufgestellt als bei dem überraschenden Aufstieg vor zwei Jahren. Die Meisterschaft jetzt war für uns schon unglaublich bedeutend. Wenn wir jetzt noch aufsteigen, wäre das die Krönung. Aber uns würde dann eine gefährliche Saison bevorstehen. Das kann sehr, sehr böse werden.

Haben Sie noch viele Spieler aus Ihrer Regionalliga-Saison 2017/2018 dabei?

Ich glaube, das sind nur noch fünf Spieler. Viele andere Spieler sind aber trotzdem noch in der Regionalliga aktiv.

Sie haben über 1000 Zuschauer bei Ihren Heimspielen. Wie viele werden am Mittwoch mit nach Bremen kommen?

Mittwoch ist doof, so mitten in der Woche. Aber ein paar Hundert Zuschauer werden schon mitkommen, da bin ich mir sicher. Es wäre schon besser, wenn die Aufstiegsspiele alle am Wochenende stattfinden könnten.

Warum ist Altona 93 in Hamburg so beliebt?

Weil der Stadtteil schön ist. Multi-Kulti, offen, herzlich. Schauen Sie sich unser Vereinswappen an, dieses geöffnete Hamburger Tor, das ist symbolisch, weil hier jeder Mensch eine Rolle spielt. Die Werte der Menschen stehen im Vordergrund.

Und zum Schluss noch die logische Frage: Welche beiden Klubs aus der Dreiergruppe Bremer SV, Altona und Heider SV steigen auf?

Tja, die am Ende die meisten Punkte holen. Aber ich weiß es nicht, ich gehe da total neutral rein in die Relegation.

Das Gespräch führte Mathias Sonnenberg.

Fotostrecke: Der Bremer SV und sein Stadion

Zur Person

Berkan Algan (42)

ist seit 2015 Trainer bei Altona 93. Algan spielte in der Jugend für St. Pauli und den Hamburger SV, wurde 1997 vom DFB in die U 21-Auswahl berufen (drei Einsätze). Für den finnischen Klub Haka Valkeakoski spielte er 2001 auch zwei Mal im Uefa-Cup gegen Union Berlin.

Zur Sache

Das ist Altona 93

In Hamburg ist der Stadtteil-Klub fast schon Kult. In den 1950er-Jahren pilgerten fast 30 000 Zuschauer in die Adolf-Jäger-Kampfbahn, wenn der HSV zum Derby kam. In dem Stadion spielt Altona noch immer, es fasst gut 8000 Plätze. Sportlich hat Altona zuletzt immer wieder an der Regionalliga gekratzt, in der Saison 2017 stieg das Team sogar überraschend auf, aber auch sofort wieder in die Oberliga Hamburg ab. Macher ist Präsident Dirk Barthel (Armaturen), der selbst finanziell stark engagiert ist. Von den Hamburger Amateur-Klubs hat Altona einen der größten Etats (über 150 000 Euro). Die Mannschaft ist eine Mischung aus Talenten und erfahrenen Oberliga-Kickern. Anpfiff am Panzenberg ist am Mittwoch um 19.30 Uhr.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...