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DFB-Chef Koch beim Bremer Fußballverband
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Amateure und Profis brauchen einander

Ruth Gerbracht 19.05.2019 0 Kommentare

DFB-Interimschef Rainer Koch ließ es sich trotz der Meisterfeier in München nicht nehmen, einen Tag später fast pünktlich beim 39. Bremer Fußball-­Verbandstag als Gastredner aufzutreten. Beim DFB für die Amateure zuständig, bekräftigte er in seiner
DFB-Interimschef Rainer Koch ließ es sich trotz der Meisterfeier in München nicht nehmen, einen Tag später fast pünktlich beim 39. Bremer Fußball-­Verbandstag als Gastredner aufzutreten. Beim DFB für die Amateure zuständig, bekräftigte er in seiner Rede das Miteinander des Profi- und Amateursports. Zudem fordert er die Stärkung des Ehrenamts durch ein verbessertes Gesetz. (Kuhaupt)

Bremen. Es gibt wohl kaum einen anderen Sportfunktionär, der einen Verbandstag mit Wahlen, vielen Ehrungen, umfangreichen Satzungsänderungen und diversen weiteren Anträgen in solch rasantem Tempo durchzieht wie der alte und neue Fußballpräsident Björn Fecker. Sportsenatorin Anja Stahmann, Ehrengast beim 39. Verbandstag des Bremer Fußballverbands und Feckers Parteifreundin bei den Grünen, gratulierte beeindruckt und fügte mit einem verschmitztem Lächeln hinzu, „beim Parteitag würde dir das nicht gelingen, da haben die ein oder anderen doch einiges mehr zu sagen“.

So streitbar wohl die Parteikollegen sind, so harmonisch zeigten sich die Delegierten und das Präsidium, das einstimmig wiedergewählt wurde. Auch die ehrenamtlichen Vertreter der verschiedenen Ausschüsse bekamen von den anwesenden Vereinsvertretern mehrheitlich die Zustimmung. „Es hat schon mal ein Pressevertreter gemeint, bei uns würde es zugehen wie in einem sozialistisch geführten Land“, meinte Fecker mit einem Grinsen. „Diese Harmonie liegt aber vor allem darin begründet, dass wir in Bremen kurze Wege haben, um Dinge zu klären.“ Schließlich laufe man sich immer wieder über den Weg.

In der Tat wirkte die Versammlung wie ein großes Familientreffen. Man kennt sich und die Lebenspartner. Es wurde gescherzt und viel gelacht. Dieser Wohlfühlatmosphäre passte sich auch der Ehrengast, der Interimschef des Deutschen Fußballbundes (DFB) Rainer Koch, an. Der Vizepräsident Amateursport machte humorvoll seine Wertschätzung für den Bremer Fußballverband daran fest, dass er gekommen sei, „obwohl ich für 10.30 Uhr nach Bremen eingeladen werde, nach einem Tag, an dem Bayern München (Koch ist Vorsitzender des bayrischen Fußballverbandes, Anm. d. Redaktion) Meister wurde und wir dies am Abend gefeiert haben. Jetzt wissen sie wie wichtig mir der Besuch ist.“ 

Und ein Gastgeschenk hatte Koch auch noch im Gepäck. Er überreichte Björn Fecker schließlich ein Trikot der Fußball-Nationalmannschaft. Da könnte bei dem ein oder anderen Delegierten vielleicht die Frage aufgekommen sein, ob dieses Trikot womöglich ein Zeichen dafür sei, dass es zukünftig doch wieder Fußball-Länderspiele im Bremer Weserstadion geben könnte. Am Ende wurde diese Frage aber nicht gestellt. Nicht von Fecker, auch nicht vom anwesenden Werder-Präsidenten Hubertus Hess-Grunewald. Vielleicht wollte sich dann doch keiner im Raum durch eine mögliche Negativantwort die gute Sonntagsstimmung verderben lassen. Und Rainer Koch? Der erwähnte das Thema nicht.

Er blieb in seiner Rede bei dem, wofür er im DFB verantwortlich ist: die Bedeutung des Amateursports und des Ehrenamts. Ohne die vielen Fußballtalente an der Basis, gebe es schließlich auch keinen Profi-Fußball, so Koch. „Unsere Nationalspieler, die 2034 bei der EM auflaufen werden, sind bereits geboren. Vielleicht befinden sich zwei bereits in unseren Leistungszentren, aber die anderen spielen noch irgendwo in kleinen Vereinen.“ Und deshalb müsse man alles daran setzen, die Amateurszene, die Vereine in allem, ob Strukturen oder im Ehrenamt, zu unterstützen. Gleichzeitig machte Koch jedoch auch klar, dass man den Profifußball bräuchte, um die Kinder und Jugendlichen in die Vereine zu locken. Von den Erfolgen der Profis bei großen Turnieren gehe eine Strahlkraft über, die junge Menschen zum Nachahmen animiere. „Wir brauchen uns gegenseitig“, sagt Koch, „Amateure wie Profifußballer.“

Einen kleinen Seitenhieb gegen eine wie er sagte „verrückte Welt, in der wir uns behaupten müssen“, konnte sich der DFB-Chef nicht verkneifen, als er ein mit Blattgold umhülltes Steak eines Profis erwähnte und auf der anderen Seite es Ehrenamtliche gebe, die selbst alles mitbringen müssten. Und die dann womöglich bei einer kleinen Entschädigung noch vom Finanzamt aufgesucht würden. Auch aus diesem Grund fordert Koch, selbst Jurist, eine dringend notwendige Änderung des Gemeinnützigkeitsgesetzes. „Die Vereine brauchen weniger Bürokratie und weniger Steuerärger.“ Nur so könne man auch für die Zukunft sichern, dass Menschen sich weiterhin im Ehrenamt engagieren. „Wir sind nicht von gestern, wenn wir stolz sind auf unsere Ehrenämter“, beendete er seinen Vortrag, der dem DFB-Interimschef einen großen Applaus bescherte.

Weniger konkret war Rainer Koch, als er erwähnte, das angekratzte Image des Deutschen Fußballbundes müsse aufgebessert werden.  Koch musste gleich zweimal zusammen mit DFL-Boss Reinhard Rauball die Führung des DFB übernehmen, weil zwei Präsidenten nicht mehr tragbar waren. Koch sprach zwar von mehr Transparenz, Compliance-Richtlinien und einer Ethik-Einrichtung, die man beim DFB geschaffen habe, doch warum trotzdem erneut ein DFB-Präsident sich daran scheinbar nicht halten wollte, erklärte der Interimspräsident in seiner Rede nicht. Auch hierzu gab es keine Fragen. Vielleicht war es den Delegierten auch nicht so wichtig angesichts der vielen Aufgaben, die sie ehrenamtlich im Amateurbereich zu stemmen haben.

Zur Sache

Nachholbedarf beim Frauenanteil

Ein schneller Blick in die Runde bei der Delegiertenversammlung des Bremer Fußballverbandstages genügte. Es war mal wieder bis auf ganz wenige Frauen eine reine Männerveranstaltung. „Wir haben absoluten Nachholbedarf in Sachen Frauen“, gab dann auch Präsident Björn Fecker bedauernd zu. Es sei oftmals aber auch nur mit viel Überredungskünsten möglich, Frauen zu überzeugen, neben Beruf und Familie, auch noch ehrenamtlich tätig zu sein, so der Präsident. Doch Fecker versprach, dass es ein Ziel der nächsten Jahre sein wird, zügig den Frauenanteil zu erhöhen. Dass es bereits Frauen gibt, die schon lange ein hohes Engagement im Fußball zeigen, beweisen Uschi Bräuer (Tura Bremen) und Doris Burdorf (SV Eintracht Aumund), die am Sonnabend neben weiteren zwölf Männern mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet wurden. Dieter Stumpe vom 1. FC Burg, der sein Amt als Vizepräsident des Verbandes zum Ende des Jahres 2017 auf eigenen Wunsch abgab, wurde am Sonnabend zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt genau wie Horst Diestelkamp vom TuS Schwachhausen, der über Jahrzehnte Vorsitzender des Kreises Bremen-Stadt war.


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Leserkommentare
suziwolf am 19.10.2019 09:39
Hallo, @onkel ...

Ich verstehe Ihren Eintrag als
💁🏼‍♀️ ,Schrei nach neuen Fahrradbrücken‘ ...

Würde jedem ,Infarkt‘ ...
suziwolf am 19.10.2019 09:37
Hallo, @Obir@h ...

Nur wer übertreibt,
hat die Chance eher zum Ziel zu kommen.

🙋🏼‍♀️