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Hockey-Bundesliga der Damen
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Bremer HC noch ohne die nötige Reife

Frank Büter 07.06.2019 0 Kommentare

Sie will weiter in der Bundesliga spielen: U 21-Auswahltorfrau Mali Wichmann wird den Bremer HC in diesem Sommer verlassen, sie schließt sich dem aktuellen deutschen Feld-Meister Club an der Alster an.
Sie will weiter in der Bundesliga spielen: U 21-Auswahltorfrau Mali Wichmann wird den Bremer HC in diesem Sommer verlassen, sie schließt sich dem aktuellen deutschen Feld-Meister Club an der Alster an. (Frank Koch)

Ohne Sieg und mit nur fünf Punkten auf der Habenseite sind die Hockey-Damen des Bremer HC nach nur einer Saison wieder aus der 1. Bundesliga abgestiegen. Eine Saison, die beim BHC trotz des deutlich verpassten Klassenerhalts niemand missen möchte. Im Spielerkreis nicht, im Trainerstab nicht und auch nicht in der Vereinsführung. Der BHC hat in diesem einen Jahr aufgezeigt bekommen, woran es noch fehlt, um im Konzert der Großen mitspielen zu können. Daran soll gearbeitet werden. „Es tut gut, jetzt einen Schritt zurückzugehen“, sagt Klubpräsident Christian Stubbe. „Aber wir haben unsere Erfahrungen gemacht und werden wiederkommen.“ Doch was bleibt hängen, was sind die Lehren aus dieser Reise durch die deutsche Hockey-Landschaft? Eine Analyse.

Der Spielerkader

Die Verantwortlichen um Cheftrainer Martin Schultze hatten sich im Vorfeld ganz bewusst dafür entschieden, die Identität zu wahren und im Gros auf das Team zu setzen, das den rasanten Aufstieg bis in Liga eins erst möglich gemacht hatte. Ein junges Team, im Durchschnitt zwischen 18 und 21 Jahre, mit viel Talent und individueller Klasse, aber ohne Erstligaerfahrung. Fehlende Erfahrung, die es auszugleichen galt. Etwa mit Neuzugang Lea Albrecht, die als einzige Akteurin beim Uhlenhorster HC schon mal Bundesligaluft geschnuppert hatte. Mit routinierten Kräften aus dem Ausland wie den südafrikanischen Nationalspielerinnen Quanita Bobbs und Lilian Du Plessis, den Argentinierinnen Luciana Galimberti, Celeste Gandolfo und später auch Agueda Moroni sowie der irischen U 23-Auswahlspielerin Edel Nyland. Im Rückblick sagt Martin Schultze: „Vielleicht waren es noch ein, zwei gestandene Spielerinnen zu wenig.“

Die Defizite

Sportlich hat sich der BHC zwar in vielen Partien besser präsentiert, als es der Tabellenstand erwarten ließ. Er hat versucht, spielerisch Lösungen zu finden, selbst Offensivaktionen zu kreieren, war aber vor dem gegnerischen Tor einfach viel zu harmlos. Es fehlte an Ruhe und an der nötigen Reife. „Letztlich waren wir einfach zu grün hinter den Ohren“, sagt Martin Schultze. Die hohe Reisebelastung mit Doppelspieltagen an den Wochenenden, die hohe Intensität der Spiele, die hohe Robustheit bei den Gegnern und die fehlende Erfahrung, das sind alles Dinge, die man ein Stück weit auch unterschätzt hat. Der Liganeuling war zu naiv und hat unterm Strich reichlich Lehrgeld gezahlt.

Das Innenleben

Die Mannschaft war intakt, die „Internationalen“, wie die ausländischen Spielerinnen kurz bezeichnet wurden, waren gut integriert. Und trotz der anhaltenden Erfolglosigkeit hat die Moral bis zuletzt gestimmt. Das Team hat im Saisonverlauf die körperlichen und auch psychischen Belastungen gut weggesteckt und war stets gewillt, zumindest diesen einen ersehnten Saisonsieg zu holen. „Die Mannschaft ist innerlich nicht zerbrochen“, sagt Martin Schultze. Vielmehr habe sie es bis zum Schluss genossen, sich in der Bundesliga mit den Besten messen zu dürfen. „Das war eine tolle Sache und eine tolle Erfahrung“, sagt auch Kapitänin Laura Lippmann.

Die Außenwirkung

Pluspunkte gab es für den BHC nur deren fünf, Sympathiepunkte aber hat der Klub vom Heinrich-Baden-Weg reichlich gesammelt. Für die sportlichen Auftritte, für die Art, Hockey zu spielen. „Man kennt uns jetzt in Hockey-Deutschland“, sagt Präsident Stubbe. Der BHC hat sich großen Respekt erworben und viel Anerkennung geerntet für die Aufbauarbeit der vergangenen 15 Jahre. Der Klub ist im Gespräch und hat sich weit über Bremen hinaus einen Namen gemacht. Dieser Imagegewinn ist eine gute Voraussetzung, um bei einem Wiederaufstieg auch mal für starke deutsche Spielerinnen eine interessante Adresse zu sein.

Die Rahmenbedingungen

Die Klubanlage ist erstligatauglich und muss sich im Standortvergleich hinter keinem Bundesligaklub verstecken. Darauf hatten die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren bereits mit Augenmaß hingearbeitet, der sportliche Aufstieg im vergangenen Sommer hat den BHC diesbezüglich vor keine Probleme gestellt. Die aber gab es an anderen Stellen. „Intern sind die Strukturen nicht ganz so schnell mitgewachsen“, sagt Vereinsboss Christian Stubbe. Das gilt vor allem für die personelle Ausstattung im Trainerbereich, gerade mit Blick auf die am Wochenende zu betreuenden Jugendteams. Wenn der Trainerstab mit dem Bundesligateam unterwegs war, wurde es schon mal eng, „da müssen wir besser aufgestellt sein“.

Das Budget

Es war eine Kraftanstrengung, doch letztlich hat der BHC die Herausforderung Erste Liga finanziell gut gestemmt. Möglich wurde dies durch die Unterstützung von Sponsoren und Freunden. Möglich wurde dies aber auch, weil die Erstligamannschaft sehr kostenbewusst unterwegs war. Anstatt mit Bahn oder gar Flugzeug anzureisen, ging die Mannschaft mit zwei Kleinbussen auf Tour. Gerade an Doppelspieltagen war dies eine große Belastung, hat aber den Etat um rund 20 000 Euro entlastet. In der nun anstehenden Zweitligasaison fällt das benötigte Budget wieder deutlich geringer aus. Für die Zukunft aber muss der Kreis der Förderer noch breiter werden, betont Christian Stubbe. „Daran müssen wir arbeiten.“

Die Perspektive

Die Mannschaft hat sich in diesem einen Jahr enorm weiterentwickelt. Sie hat einen Lernprozess durchlaufen, der sich eine Klasse tiefer auszahlen sollte. Zwar muss der Bremer HC künftig ohne A-Nationalspielerin Emma Davidsmeyer (Ziel noch unbekannt), ohne U 21-Nationaltorfrau Mali Wichmann (geht zum aktuellen deutschen Feld-Meister Club an der Alster), ohne Charlotte Kaste sowie mit Ausnahme von Celeste Gandolfo auch ohne die Unterstützung der ausländischen Spielerinnen auskommen, dennoch sollten die Bremerinnen ein klarer Titelanwärter sein. „Das Ziel ist der Wiederaufstieg“, sagt Trainer Martin Schultze. Im nächsten und auch im übernächsten Jahr rücken erneut zahlreiche Talente aus der eigenen Jugend nach, deshalb will der Klub spätestens 2021 wieder in der Bundesliga spielen und sich dort dann dauerhaft etablieren. Gleichzeitig setzt der BHC weiterhin auf die Nachwuchsförderung, „das ist ein großer Schwerpunkt im Verein, den wir nicht aus dem Blick verlieren dürfen“, sagt Präsident Stubbe.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...