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Bremer Paar wird Weltmeister

Frank Büter 10.07.2019 0 Kommentare

Bisstest: Palmira Seeger-Suarez und Partner Paul Turbanow mit der Goldmedaille.
Bisstest: Palmira Seeger-Suarez und Partner Paul Turbanow mit der Goldmedaille. (Raniero Corbelletti)

Als der letzte Ton verklungen und ihr vierminütiges Programm beendet war, fielen sich Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow erst einmal in die Arme. Etliche Sekunden verharrten sie auf dem Parkett im Sant Jordi Club.

Eng umschlungen standen die beiden 18-Jährigen da, genossen den verdienten Applaus von der Tribüne – und waren in diesem Moment einfach nur glücklich. Das Tanzpaar des Eis- und Rollsportvereins Bürgerweide (ERB) Bremen war bei der Weltmeisterschaft in Barcelona/Spanien als vorletztes Duo aufs Parkett gegangen und hatte mit diesem Auftritt bereits die Silbermedaille im Paartanzen der Junioren sicher. Jetzt also hieß es abwarten.

Nach den beiden Bremer Rollkunstläufern kam nur noch das portugiesische Paar Bruna Pinheiro/Ernesto Silva. Sollte die vorgelegte Marke von 84,70 Punkten aus Kurzprogramm und Kür am Ende sogar für den Titel reichen? Nach bangen Minuten stand fest: Es sollte reichen! „Wir sind Weltmeister“, rief, nein: schrie Palmira Seeger-Suarez ihrem Partner mit tränenerstickter Stimme zu, als das Ergebnis feststand. Der Rest war Freude pur.

Ausdrucksstarke Choreografie

Umarmungen hier, Erinnerungsfotos da. Und schließlich der sehr emotionale Moment der Siegerehrung, als das im offiziellen Outfit des deutschen Nationalteams gekleidete Bremer Duo die Goldmedaillen überreicht bekam und die Nationalhymne gespielt wurde. Ein Moment, in dem sie „einfach nur glücklich und stolz“ waren, schildert Palmira Seeger-Suarez. Ein Moment, den Paul Turbanow mit einem Wort zusammenfasste: „Krass!“

Palmira Seeger Suarez und Paul Turbanow haben kurz hintereinander mehrere Pflichttänze. Sie treten als einziges Paar in der Kategorie Jugend Rolltanz bei den Deutschen Meisterschaften an.
Lisa Welik tritt im Solotanz der Schüler A Mädchen in ihrem Pflichttanz mit einem Tango an. In den Solopflichttänzen platziert sie sich als Dritte hinter zwei Mädchen aus Berlin und Nordrhein-Westfalen.
Gleich nach ihren Wettkämpfen werden Palmira Seeger Suarez, Lisa Welik und Eleni Papani von Bremer Medien interviewt.
Gespannt warten die Rollkunstläufer auf ihren eigenen Auftritt.
Fotostrecke: Das gab es bei den Deutschen Meisterschaften im Rollkunstlauf zu sehen

Diese Goldmedaille im Paartanzen, für Turbanow und seine Partnerin ist sie der verdiente Lohn harter Arbeit. Sie hatten im Vorfeld sehr viel investiert in ihre erste WM-Teilnahme. Hatten sechsmal, siebenmal pro Woche intensiv trainiert, häufig sogar noch Zusatzschichten eingelegt. Und das, obwohl sie in diesem Frühjahr ihre Abiturklausuren geschrieben haben. „Ich habe Palmira in den vergangenen Monaten häufiger gesehen als meine Eltern“, sagt Turbanow. Die beiden kennen sich bereits seit mehreren Jahren, seit drei Jahren erst tanzen sie als Paar. Eine vergleichsweise kurze Zeit. Doch es bleibt festzuhalten: Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow harmonieren prächtig.

Das stellten die Bremer auch in Barcelona unter Beweis, wo sie zwei nahezu fehlerfreie Auftritte hinlegten. Wo sie trotz des griffigen Bodens, der den Athleten gerade bei Rotationen einiges abverlangte, die geforderten Pflichtelemente punktgenau ablieferten. Überdies lief das Duo unglaublich synchron, sämtliche Bewegungen und Figuren waren bestens aufeinander und auf die Musik Roxanne von Moulin Rouge abgestimmt. „Beide haben noch mal einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Andreas Nickel, der das Duo gemeinsam mit seiner Frau Viktoria trainiert und auch nach Barcelona begleitet hat.

Im Vorjahr waren Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow Vize-Europameister in der Jugendklasse geworden, jetzt ließen sie die komplette Weltelite in der Juniorenklasse hinter sich. Mit einer technisch sauberen Präsentation. Mit einer sehr ausdrucksstarken Choreografie. Bereits nach dem Kurzprogramm lag das Bremer Duo in Führung, „das hat über Nacht natürlich noch mal den Druck erhöht“, sagt Andreas Nickel. „Beim Training am Morgen waren die Beine zunächst schwer, die Nervosität war schon zu spüren.“ Rechtzeitig zur Entscheidung am Abend aber kehrte die nötige Lockerheit zurück. Und am Ende holten Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow für Deutschland die erste WM-Medaille im Paartanzen seit 1997.

„Wir haben uns belohnt“, sagt Palmira Seeger-Suarez. Belohnt mit einer Goldmedaille, die zwar unverhofft kam, letztlich aber das Resultat ihrer Zielstrebigkeit ist. „Na klar zoffen wir uns auch mal im Training“, sagt Paul Turbanow. Dennoch seien sie gut befreundet. Und sie eint ihre sportliche Ambition: „Wir haben gemeinsam noch große Pläne“, sagt Turbanow. Der Abiturient, der demnächst in Bremen ein duales Studium Steuern und Recht aufnehmen wird, denkt dabei nicht an die Anfang August anstehende deutsche Meisterschaft oder die Europameisterschaft im September.

Diese Titelkämpfe, betont der 18-Jährige, seien ihm letztlich egal, „da kann passieren, was will: wir sind Weltmeister, mehr geht einfach nicht in diesem Jahr.“ Sein Blick geht vielmehr schon Richtung Zukunft, Richtung 2020. In dem Jahr nämlich startet das Bremer Duo in der Meisterklasse, dort, wo sich die besten Rolltanzpaare tummeln.

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Vorher aber – und darin ist sich das Erfolgsduo ebenfalls einig – gilt es, eben diesen Erfolg auszukosten. Ihre Zimmer im deutschen Mannschaftshotel haben Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow inzwischen zwar räumen müssen, doch sie haben sich um andere Unterkünfte gekümmert.

Beide werden noch einige Tage in Barcelona verweilen. Sie wollen die Stadt erkunden und sich noch einige sportliche Wettbewerbe anschauen. Und bevor es dann Anfang nächster Woche zurück nach Bremen geht, gibt es für das Gold-Paar noch einen Termin, den sie unbedingt wahrnehmen wollen: die Abschlussveranstaltung dieser WM mit allen Teilnehmern aus allen Nationen. Ein Termin, bei dem Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow ihre Goldmedaille noch einmal gebührend feiern werden.

Zur Sache

Makarov wird WM-Zehnter

Bei seiner ersten WM-Teilnahme feierte der Bremer Rollkunstläufer Artur Makarov ein gelungenes Debüt in der Meisterklasse. Im Solo-Tanz der Herren belegte der 19-Jährige im Feld der 16 Teilnehmer den zehnten Platz.

Nach dem Kurzprogramm lag Makarov auf Rang elf, mit einem überzeugenden Auftritt in der tags darauf ausgetragenen Kür verbesserte er sich vor allem dank starker technischer Werte noch auf Platz zehn. „An Ausdruck und Präsenz müssen wir noch arbeiten, trotzdem ist das für ihn in dieser stark besetzten Konkurrenz ein richtig gutes Ergebnis“, urteilte Trainerin Viktoria Nickel.

Mit der deutschen Meisterschaft steht für den Solo-Tänzer des Eis- und Rollsportvereins Bürgerweide (ERB) Bremen Anfang August der nächste Höhepunkt an, zudem hofft Makarov jetzt noch auf eine Nominierung für die Anfang September in Harsefeld (Landkreis Stade) stattfindende Europameisterschaft.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?