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Wahl-Talk beim LSB
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Den Wert des Sports erkennen

Mathias Sonnenberg 27.03.2019 2 Kommentare

Sport-Talk (v.l.): Tuncel (Linke), Rosenkötter (SPD), Stahmann (Grüne), Vroom (LSB), Moderator Pusitzky, Lübke (CDU), Zenner (FDP), Lührssen (BiW) und Magnitz (AfD).
Sport-Talk (v.l.): Tuncel (Linke), Rosenkötter (SPD), Stahmann (Grüne), Vroom (LSB), Moderator Pusitzky, Lübke (CDU), Zenner (FDP), Lührssen (BiW) und Magnitz (AfD). (Frank Thomas Koch)

Als die Luft nach über zweieinhalbstündiger Diskussion merklich dünner wird, ergreift Andreas Vroom noch einmal das Mikrofon. „Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe“, sagt der Vorsitzende des Landessportbundes Bremen (LSB) und Gastgeber und schaut in die Runde, „dann spricht sich die Politik nicht für eine Erhöhung des Sport-Haushaltes auf 15 Millionen Euro aus“.

15 Millionen Euro, das ist die Summe, die an diesem Abend immer wieder fällt. Denn 15 Millionen Euro ist ja eine der entscheidenden Forderungen des LSB an die Bremer Politik, es wäre die Verdopplung des derzeitigen Sport-Haushaltes. Und die Sport-Senatorin Anja Stahmann spricht dann – was in der Politik ja selten vorkommt – für alle auf dem Podium, als sie antwortet: „Wir werden uns dafür starkmachen, aber niemand hier kann das versprechen.“

Es wird nicht einfacher

So lief Vrooms Versuch ins Leere, den Bremer Parteien fixe Zusagen abzuringen, wie sie sich künftig für den Sport in der Stadt engagieren wollen. Denn darum ging es an diesem Abend beim LSB, der neben Stahmann (Grüne) die sportpolitischen Sprecher der Parteien sowie die Spitzenkandidaten von AfD und Bürger in Wut (BIW) eingeladen hatte, um ihnen sportlich vor der Bürgerschaftswahl am 26. Mai auf den Zahn zu fühlen.

Auf dem Podium saßen Ingelore Rosenkötter (SPD), Cindi Tuncel (Linke), Marco Lübke (CDU), Peter Zenner (FDP), Frank Magnitz (AfD) und Hinrich Lührssen (BIW). Dazu passte Axel Pusitzky als Moderator bestens, der die Politiker mal ironisch, mal faktisch herausforderte und es selbst bei der Vielfalt an Themen schaffte, dass die Diskussion nicht ausuferte.

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Klar ist jedenfalls, dass es für den Sport in Bremen nicht einfacher wird. Spitzenkräfte wandern ab und holen für neue Vereine Medaillen bei Welt- oder Europameisterschaften. „Das wird immer so sein“, sagte Stahmann, als es um das Haus der Athleten ging, das mit einer Eliteschule des Sports für beste Talentförderung sorgen soll. Für Stahmann geht es künftig darum, „einen Pakt aus Breiten-, Nachwuchs- und Leistungssport zu finden“. Natürlich sprach sich kein Politiker gegen Leistungssport aus, wobei Linken-Sprecher Tuncel den Breitensport für unterstützenswerter hält, „weil wir dort an Kinder herankommen, für die Sport die Möglichkeit ist, sich in der Gesellschaft zu integrieren“.

Marode Uni-Sporthallen müssten renoviert werden

Die Nachricht aus der Bürgerschaft, dass ernsthaft überlegt wird, an der Universität wieder einen Studiengang für Sportpädagogik einzurichten, war so was wie die beste Meldung des Abends. Und Futter für die Diskussion, die plötzlich richtig lebhaft wurde. „Die Abschaffung war ein Fehler, der jetzt korrigiert werden soll“, sagte Stahmann, wenngleich Rosenkötter zu bedenken gab: „Vor 2022 wird sich wohl nichts tun, alles andere wäre blauäugig.“ Egal, LSB-Boss Vroom erinnerte an die guten Zeiten, als Sport-Studenten auch den Bremer Sportvereinen mit ihrem Fachwissen halfen und die Trainer-Quote deutlich höher lag als heute. „Gratulation an die Politik, wenn dieser Knoten jetzt tatsächlich durchschlagen wird.“

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In der Folge müssten auch die maroden Uni-Sporthallen und Anlagen renoviert werden. Denn natürlich kann Sport nur studiert werden, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen. „Die Uni muss jetzt Geld in die Hand nehmen, die Hallen müssen in Ordnung sein“, forderte Stahmann. Nicht unrealistisch, hat ihre Kollegin Eva Quante-Brandt als Wissenschaftssenatorin doch angekündigt, dass das Land erforderliche Investitionsmittel aufbringen würde. Für das Bäderkonzept aber bedeutet der mögliche Sport-Studiengang keine Veränderung. „Das Uni-Bad wird geschlossen“, sagte Stahmann. Ein nicht ausgesprochenes „basta“ hing in der Luft.

Viele Themen wurden angerissen: Schwimm-Unterricht, Bäder-Eintrittspreise, Hallensanierungen, E-Sport, Kinderschutz. Und die spannende Frage: Bleibt der Sport im Verein bei dem Angebot an Ganztagsschulen nicht auf der Strecke? „Wir fordern Patenschaften zwischen Schulen und Vereinen. Und vier Stunden Schulsport pro Woche“, sagte AfD-Parteichef Magnitz. Auch sein Nebenmann Lührssen (BIW) will eine enge Verzahnung von Schul- und Vereinssport, CDU-Sprecher Lübke will dabei unbedingt den LSB mit ins Boot nehmen.

"Ich halte nichts davon, Kultur und Sport gegeneinander auszuspielen"

„Und überhaupt gilt: Jeden Cent, der in den Sport investiert wird, kriegen wir dreimal wieder“, sagte Lübke. Und bekam Beifall von der anderen Seite. „Da schließe ich mich Herrn Lübke an“, meinte Stahmann. Auch die Idee von Sprecher Zenner (FDP), den Vereinssport in den Nachmittagsunterricht zu integrieren, fand Beifall unter den Gästen.

Auch wenn Moderator Pusitzky immer wieder bei Rosenkötter und Stahmann insistierte, dass die Kultur doch weitaus großzügiger gefördert werde als der Sport, stiegen beide auf das Thema nicht ein. „Ich halte nichts davon, Kultur und Sport gegeneinander auszuspielen“, meinte Rosenkötter. Und so blieb Andreas Vroom als Gastgeber das letzte Statement nach einer kurzweiligen Veranstaltung. „Wir brauchen eine glaubwürdige, verbindliche und zuverlässige Politik, die den Wert des Sports erkennt.“ Dem wollte an diesem Abend keiner widersprechen.


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Leserkommentare
Piuswelt am 23.10.2019 18:08
Wenn ich mich recht erinnere, wurde die Sommerzeit doch damals eingeführt, dann sollte man die auch abschaffen.

Pius Heereman, Lesum
Piuswelt am 23.10.2019 18:05
Der eigentliche Skandal bestand doch nicht darin, dass die Damen nicht eingeladen werden, sondern in der Stillosigkeit, vor 18:00 Uhr Smoking zu ...