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Beachvolleyball World Tour
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Der mühsame Weg der Bremerin Kim Behrens

Olaf Dorow 18.05.2019 0 Kommentare

Geschafft: Kim Behrens (l.) und Cinja Tillmann beim Turnier in Münster, in dem sie vor Kurzem das Spiel um Platz drei gewinnen konnten. In Brasilien lief es an diesem Wochenende dagegen nicht gut fürs neuformierte Duo.
Geschafft: Kim Behrens (l.) und Cinja Tillmann beim Turnier in Münster, in dem sie vor Kurzem das Spiel um Platz drei gewinnen konnten. In Brasilien lief es an diesem Wochenende dagegen nicht gut fürs neuformierte Duo. (Malte Christians/HOCH ZWEI)

In dieser Woche hat Kim Behrens am Atlantik aufgeschlagen. In Itapema, Südbrasilien. In der kommenden Woche reist sie mit ihrer Team-Partnerin Cinja Tillmann nach Jinjiang im Südosten von China, zum nächsten Vier-Sterne-Turnier der World Series. Kurz vorm Abflug  waren die beiden noch im Sand von Münster zugange. Platz drei im ersten Turnier der nationalen „Techniker Beach Tour 2019“.

Das Leben einer ambitionierten Beachvolleyballerin halt: ständig auf der Jagd nach Punkten in der Weltrangliste. Ständig auf Weltreise. Wobei: Das ist bei Kim Behrens erst mal nur in diesen Wochen so. Ja, sie ist eine ambitionierte Sportlerin, die ihren Sport mit professionellem Aufwand betreibt. Weltreisen sind neuerdings jedoch  die Ausnahme, nicht die Regel. Das ist so, seitdem sie Ende Januar ihre Partnerin Sandra Ittlinger einbüßte, mit der sie sich in den vergangenen Jahren bis auf Rang 15 in der Welt emporgearbeitet hatte.

Ittlinger war im Rahmen eines großen Ringtauschs unter Deutschlands besten Beachvolleyball-Paaren an die Seite von Chantal Laboureur gerückt. Die Wechselei war durch das Karriereende der Olympiasiegerin Kira Walkenhorst ausgelöst worden. Beziehungsweise durch den Wiedereinstieg ihrer Mit-Olympiasiegerin Laura Ludwig. Am Ende einer Um- und Neubesetzungs-Arie stand die aus Bremen stammende Kim Behrens allein da. 

Sie fand schließlich Cinja Tillmann für den Neuanfang. Aber sie fand damit auch eine Situation vor, die sich wie diese Sisyphus-Sache anfühlt: Der Stein war schon fast hochgerollt auf den Berg, jetzt liegt er wieder weit unten. Mit Blick auf Olympia 2020 in Tokio schickt der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) vornehmlich seine vier Nationalteams auf die internationalen Turniere. Laboureur/Ittlinger, Borger/Sude, Bieneck/Schneider sowie Ludwig/Kozuch. Um es bildhaft zu sagen: Behrens/Tillmann sind das fünfte Rad am Wagen.

Ihnen bleiben vorwiegend die nationalen Turniere. Zu den internationalen kommen sie nur, wenn sie Wildcards erhalten. Oder eines der vier deutschen Nationalteams nicht antritt. Wie jetzt in Brasilien und China. Jeweils nur die Hälfte des Quartetts schlägt bei einem der beiden hochrangigen Turniere auf. Weswegen Behrens und Tillmann zuschlagen. Oder: zuschlagen müssen. Sie müssen nehmen, was zu kriegen ist, um Punkte zu sammeln. „Eine andere Handhabe haben wir nicht“, sagt Kim Behrens. Das Duo nimmt also den Reisestress auf sich und fliegt in kurzer Folge erst nach Amerika, dann nach Asien.

Kim Behrens findet das alles „nicht besonders fair“. Einerseits kann sie verstehen, warum der Verband seine Teams so fördert, wie er fördert. Dass er seine Olympiasiegerin wieder an die Weltspitze heranführen möchte. „Andererseits muss irgendwann auch mal die Leistung zählen“, sagt Kim Behrens. Gemäß des aktuellen Rankings gehöre ihr Team als 22. der Welt aktuell nun mal zu den besten vier in Deutschland.  

Im Verband, so heißt es, sieht man sie – wie auch Cinja Tillmann  – als Perspektivspielerin für Olympia 2024 in Paris. Und zwar nicht in dieser Kombination. Beide sind sie eher Abwehrspezialistinnen – mit Größen-Nachteilen, wenn sie vorne am Netz blocken müssen. „Irgendwann kommen dann die Spielerinnen, die einfach über den Block schlagen.“ So wird der Beach-Sportdirektor des DVV, Niclas Hildebrand, auf beachvolleyball.de zitiert. 

„Wir versuchen, den Nachteil aufzufangen“, sagt Kim Behrens. Das sei bei jedem Team so, das einen kleineren Block als die Konkurrenz hat. Auf lange Sicht gesehen, wird sich die 26-jährige Bremerin, die einst die Sportbetonte Schule an der Ronzelenstraße besuchte, wohl mit einer anderen Spielerin, im Idealfall mit einer Block-Spezialistin, zusammentun. Zunächst will sie mit Cinja Tillmann mal sehen, was möglich ist.

Ende Februar hatte Kim Behrens, so erzählt sie es, die 27-jährige frühere Mitspielerin angesprochen. Einst hatten Behrens und Tillmann für den Volleyball-Bundesligisten USC Münster gespielt. Tillmann ging auf Behrens' Angebot ein. Mitte März zog Kim Behrens von Berlin, wo sie mit Sandra Ittlinger trainiert hatte, nach Münster um. Das neuanfangende Duo absolviert seine Einheiten jetzt dort – und sehr oft auch in Bochum. Als Trainer hat es das Trio Hans Voigt, Thomas Kaczmarek sowie Klaus Stuhlmann engagiert.

Olympia-Traum 2024? Für Kim Behrens ist das sehr weit weg und wenig greifbar. Sie will sehen, wo ihr Limit ist. Das fühle sie noch nicht erreicht. Das Ausreizen der sportlichen Grenzen sei auch das, was sie anspornt, sagt sie. Das sei auch der Grund, warum sie nicht alles hingeschmissen habe, als sie Sandra Ittlinger als Partnerin verlor.

Sie will jetzt keinen Fünf-Jahresplan aufstellen, das wäre ihr viel zu viel Reißbrett-Denken. Sie denkt ans nächste Turnier und den Höhepunkt dieser Saison, die Weltmeisterschaften unweit ihrer Heimatstadt Bremen. Ende Juni bis Anfang Juli am Hamburger Rothenbaum. Kim Behrens und Cinja Tillmann sind qualifiziert. 

Zur Sache

Vorrunden-Aus in Itapema

Kim Behrens und Cinja Tillmann sind beim Turnier in Itapema, das mit vier Sternen zur zweithöchsten Kategorie der World Tour zählt, nach der Vorrunde ausgeschieden. Sie verloren in ihrem Pool C zunächst gegen Nina Betschart und Tanja Hüberli aus der Schweiz (7:21, 19:21). Gegen die Niederländerinnen Jolien Sinnema und Laura Bloem gingen die Sätze 17:21 und 19:21 aus. Das ergab den vierten und letzten Platz in ihrem Pool. Die beiden anderen deutschen Paarungen in Brasilien, Behrens' frühere Partnerin Sandra Ittlinger mit Chantal Laboureur sowie Victoria Bieneck und Isabel Schneider, erreichten als jeweils Zweite ihrer Pools dagegen die K.o.-Spiele. Bieneck/Schneider unterlagen in der 1. Runde dem brasilianischen Duo Barbara/Fernanda mit 1:2, während Ittlinger/Laboureur im Achtelfinale gegen die Niederländerinnen Stubbe/van Iersel mit 0:2 den Kürzeren zogen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...