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Sieg bei der Schwimm-WM
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Ein Titel für die Ewigkeit

Sabrina Knoll 16.07.2019 0 Kommentare

So stolz auf dieMedaillen: Florian Wellbrock (links) hält seine Goldmedaille in die Kamera, sein Team-Kollege und Freund Rob Muffels freut sich über Bronze. Beide sind damit auch für Olympia 2020 in Japan qualifiziert.
So stolz auf dieMedaillen: Florian Wellbrock (links) hält seine Goldmedaille in die Kamera, sein Team-Kollege und Freund Rob Muffels freut sich über Bronze. Beide sind damit auch für Olympia 2020 in Japan qualifiziert. (Bernd Thissen)

Als Florian Wellbrock Kopf an Kopf mit Marc-Antoine Olivier auf die Zielgrade im Hafenbecken des südkoreanischen Yeosu schwamm, da musste er plötzlich an Spanien denken, an Banyoles, an diesen See in Katalonien. Dort war er vor der Weltmeisterschaft ein letztes Zehn-Kilometer-Rennen geschwommen. Auch dort sollte sich der Sieg im Zweikampf mit dem Franzosen entscheiden, und schon an jenem Sonntag vor vier Wochen entschied der 21-Jährige den Schlussspurt für sich. „Da habe ich nur gedacht, dass ich auch hier gewinnen kann“, sagte Wellbrock später.

Olivier hatte zwar erneut versucht, Wellbrock abzudrängen, indem er ihn an der Grenze des Erlaubten an der Schulter zog, sich auf dessen Hüfte legte, um „einmal über mich drüberzuschwimmen“, wie es Wellbrock beschrieb. Doch wie schon in Banyoles biss sich Wellbrock durch, schlug nach zehn Kilometern und 1:47:55,9 Stunde 0,2 Sekunden vor dem Franzosen an – und bescherte dem Deutschen Schwimm-Verband am Dienstagmorgen die erste Medaille bei dieser WM. Bronze ging an seinen Magdeburger Teamkollegen Rob Muffels, der auf den letzten Metern ebenfalls seine Endspurtqualitäten ausspielen und noch zwei Sekunden zwischen sich und den Ungarn Kristof Rasovszky bringen konnte.

Damit haben sich die deutschen Freiwasserschwimmer nach der Qualifikation von Finnia Wunram und Leonie Beck alle vier möglichen olympischen Startplätze für die zehn Kilometer gesichert. Das ist seit der Olympia-Premiere des Rennens 2008 noch keiner Nation gelungen. Für die erfolgsverwöhnte deutsche Open-Water-Sparte sind dies nach der medaillenlosen Weltmeisterschaft vor zwei Jahren zudem die ersten Podestplätze bei einer WM. Und das erste WM-Gold über diese einzig olympische Distanz seit dem Erfolg von Rekordweltmeister Thomas Lurz vor zehn Jahren. Für Wellbrock war es, wie er später selbst anmerkte, der sechste Sieg in einem Zehn-Kilometer-Rennen in Folge, zuvor hatte er vier Weltcups und eben jenes Rennen in Spanien gewonnen. Daher habe er sich mitten im Rennen auch schon mal gedacht: „Irgendwann muss diese Glückssträhne ja auch mal vorbei sein.“

Gemeinsamer Weg nach Tokio

Stattdessen bestätigte der Europameister über 1500 Meter die in ihn gesetzten Hoffnungen mit dem ersten großen Titel im Freiwasser – in einem der schnellsten Rennen, das diese Disziplin je gesehen hat: Wellbrock lag nach fünf Kilometern nur knapp über der Siegerzeit von Rasovszky über die fünf Kilometer am Sonnabend. Auch Wellbrocks 1:47:55,9 Stunden war in der Addition keine zwei Sekunden langsamer.

Dass es für Muffels und Wellbrock zu einer Top-Ten-Platzierung und damit zur Olympia-Qualifikation reichen würde, war bereits vor zwei Jahren abgemachte Sache. Zumindest für die beiden Teamkollegen. Damals haben sie beschlossen, den Weg nach Olympia gemeinsam zu gehen. „Wir haben unsere Vorbereitung so gestaltet, dass wir gar nicht von der Seite des anderen weichen“, sagte Wellbrock. Auch in Yeosu sah man sie nur zusammen. Eine Flagge mit den fünf Ringen im gemeinsamen Zimmer habe das Ziel angezeigt, zusätzlich habe man sich „gegenseitig immer mal ein paar Sprüche gedrückt“, sagte Wellbrock. „Du wirst Elfter“ – „Nein, du fliegst raus“ soll es dann schon mal geheißen haben. Was merkwürdig anmuten mag, war für diese beiden Freunde und Konkurrenten offenbar genau der richtige Weg, mit dem Druck umzugehen, dass dieses Rennen bereits ein Jahr vor Tokio darüber entscheiden würde, ob sich der Traum von Olympia erfüllt – oder eben nicht. Dass sie trotz der Konkurrenz auf derselben Strecke seit vielen Jahren Tag für Tag gemeinsam arbeiten, sehen beide als Vorteil. Wellbrock habe etwa in der Vergangenheit viel von dem im Freiwasser erfahreneren Muffels lernen können. Heute sei es umgekehrt: „Ich stelle Dinge um, weil ich gesehen habe, dass es bei ihm funktioniert“, sagte Muffels und stellte auch vor dem Rennen stets klar, „dass unsere Freundschaft Priorität hat vor der Konkurrenz“.

Tatsächlich hat auch im Rennen Wellbrock schon mal die Seite gewechselt, wenn er gemerkt hat, dass Muffels Probleme hatte. Der wiederum hatte auf der letzten Runde versucht, Olivier abzudrängen, damit Wellbrock Platz zum Wegziehen hat „und Flo und ich dann auf eins und zwei schwimmen können“. Ein Manöver, für das der 24-Jährige sogar eine Verwarnung kassiert hatte. Da aber eben Muffels laut seinem Trainer derjenige mit der besseren Übersicht sei und viel vorausschauender agiere, verwunderte es nicht, dass Wellbrock nach dem Rennen sagte: „Ich hab gesehen, dass da einer war, aber ich wusste nicht, dass Rob das war.“ Vielleicht war Wellbrock in diesem Moment bereits in Spanien, am See von Banyoles.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
Jede Politik hat ihre Klientel.
Wollen Sie im Ernst behaupten, dass Menschen, die sich für Kultur interessieren, keine normalen Leute sind ?