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Eishockey-Pre-Play-offs
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Fischtown Pinguins: Mit letzter Kraft

Mats Vogt 09.03.2019 0 Kommentare

Maxime Fortunus gelang der erlösende Siegtreffer in Nürnberg.
Maxime Fortunus gelang der erlösende Siegtreffer in Nürnberg. (Hartmut Adelmann)

Alfred Preys Stimme klang noch mitgenommen und angeschlagen, als er am Sonnabend noch mal zusammen fassen sollte, was er am Abend zuvor erlebt hatte. Er hatte kaum ein Auge zu gemacht zwischen der Schlusssirene am Ende dieses Wahnsinnsspiel kurz vor Mitternacht und der Abfahrt des ICE, der ihn am frühen Morgen von Nürnberg zurück nach Bremerhaven brachte. Keine Frage, die Nacht von Nürnberg hatte beim Manager ihre Spuren hinterlassen. Und so war der Blutdruck des Managers auch am Morgen noch lange nicht wieder im Normalbereich. Und das dürfte an diesem Sonntag kaum anders werden, denn ab 14 Uhr geht es im dritten und dann entscheidenden Spiel gegen Nürnberg um den Einzug ins DEL-Viertelfinale.

In seinem langen Eishockey-Leben hat Prey schon vieles durchgemacht. Aber was sich im zweiten Pre-Play-offs-Spiel in der Nürnberger Arena ereignete, sprengte auch seine Vorstellungskraft. Ein Spiel über 99 Minuten, das hat es in der 45-jährigen Geschichte des Bremerhavener Eishockey-Clubs noch nicht gegeben. Die Fischtown Pinguins egalisierten einen 0:3 Rückstand. Es folgte eine zweimal 20-minütige Verlängerung, die für Fischtown ein Happyend bereithielt. Der Siegtreffer von Maxime Fortunus in der 39. Minute der Overtime stieß für Bremerhaven völlig unerwartet doch noch mal die Tür zum Viertelfinale auf. Denn in den Duellen gegen Nürnberg steht es jetzt 1:1.

Der Kanadier hatte noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert, dabei war er der Akteur mit der längsten Eiszeit, sagenhafte 44 Minuten hatte der 92-Kilo-Koloss auf den Kufen gestanden. Nur mal zur Orientierung: Im Normalfall verbringen Eishockey-Spieler während einer Partie 20 Minuten auf dem Eis. „Vor so einer Leistung kann man sich nur verneigen“, zollte Prey seinem Neuzugang aus der American-Hockey-League höchsten Respekt. Prey weiß nur zu genau, warum er mit diesem außergewöhnlichen Mann schon vor zwei Wochen den Vertrag verlängert hatte.

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Trainer Thomas Popiesch hatte sich nach der Nervenschlacht mit der Mannschaft direkt in den Team-Bus gesetzt und auf die Heimfahrt gemacht. Diesmal war es außergewöhnlich still in den Sitzreihen, ausgepumpt saßen die Spieler im Bus, die Smartphones auf lautlos gestellt. Erst um acht Uhr morgens fielen die Spieler in die heimischen Betten. Vom Trainer gab es nur einen Auftrag: Füße still halten und Ausruhen für den Showdown in der Bremerhavener Eisarena. 

Popiesch weiß, dass die kurze Zeit nicht ausreichen wird zum Regenerieren. „So schnell kann ein Körper keine neue Kraft auftanken. Wir werden in diesem entscheidenden Spiel über die Emotionen kommen müssen. In solchen Situationen kennen meine Jungs nur den Tunnelblick“, sagt der Coach. Er kann für das Endspiel um den Viertelfinal-Einzug nicht mit einer Wunderheilung seiner verletzten Akteure rechnen. Top-Torjäger Jan Urbas fällt weiter aus, auch Kapitän Mike Moore steht weiter nicht zur Verfügung. Jensen ist gesperrt und auch andere Langzeitverletzte stehen noch nicht vor dem Comeback.

Dafür aber können die Pinguins wieder mit einer verlässlichen Kulisse rechnen. Schon am Sonnabendmorgen gab es lange Schlangen an den Ticket-Schaltern. Ganz Bremerhaven giert nach einer weiteren Sensation. Aber sie wissen ja jetzt: Wunder können die Pinguins. Das hat die Nacht von Nürnberg bewiesen.

Zur Sache: Achtlängstes DEL-Spiel aller Zeiten

Das 99-minütige Drama zwischen den Pinguins und den Nürnberger Ice Tigers geht als achtlängstes Spiel aller Zeiten in die Geschichte der DEL ein. Den Rekord hält die Partie zwischen den Kölner Haien und Adler Mannheim: Die Haie gewannen in der Nacht vom 22. auf den 23. März 2008 in der sechsten Verlängerung nach 168:16 Minuten mit 5:4. Es war damit das drittlängste Spiel im Profi-Eishockey überhaupt. Die längste Partie weltweit lieferten sich in Norwegen Storhamar Dragons und Sparta Warriors: Sie spielten im März 2017 unfassbare 217 Minuten und 13 Sekunden gegenüber.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...