Wetter: Regen, 10 bis 18 °C
Interview mit Geschäftsführer
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Grube sorgt für frischen Wind bei den Eisbären Bremerhaven

Frank Büter 18.09.2018 0 Kommentare

Wolfgang Grube (73) fungiert seit Januar als geschäftsführender Gesellschafter der Eisbären Bremerhaven.
Wolfgang Grube (73) fungiert seit Januar als geschäftsführender Gesellschafter der Eisbären Bremerhaven. (Frank Büter)

Herr Grube, Sie haben nach dem knapp geschafften Klassenerhalt Anfang Mai die sportliche Stagnation angeprangert und angekündigt, jeden Stein umdrehen zu wollen. Wie weit ist dieser Prozess vorangeschritten?

Wolfgang Grube: Wir haben viele Leichen ausgraben und beseitigen müssen. Das war kein einfacher Job, da kamen einige Überraschungen auf uns zu. Das haben wir nun aber alles erledigt und gucken optimistisch nach vorne. Dass wir in der letzten Saison nicht abgestiegen sind, war reines Glück. Das will hier keiner noch mal erleben. Deswegen bin ich hier. Ich möchte auch wieder besser schlafen.

Was genau haben Sie inhaltlich geändert?

Erstmal haben wir alles gesichtet, wofür wir unser Geld ausgeben. Sie können so einen Laden nur führen, wenn sie alle Kosten kontrollieren. Und dann haben wir – wie es sich für einen ordentlichen hanseatischen Kaufmann gehört – die unnötigen Sachen abgestellt und das Ganze auf solide Füße gestellt. Außerdem haben wir sportlich jetzt eine Struktur geschaffen, wie sie wohl kein anderer Verein in Deutschland oder auch Europa zu bieten hat.

Wie genau sieht diese Struktur aus?

Wir haben eine Sport-Akademie aus Daytona Beach beteiligt, die auch Mitspracherecht hat. Und der Besitzer dieser DME Sports Academy ist jetzt auch unser neuer Sportdirektor.

Sie sprechen von Dan Panaggio...

Ja. Er berät uns.

Wie ist denn der Kontakt zustande gekommen?

Durch die Vermittlung meines alten Trainers und Freundes John Treloar (aktuell Personaldirektor beim NBA-Klub Atlanta Hawks und 1986 Meistertrainer beim Basketball-Zweitligisten OSC Bremerhaven; Anm. d. Red.). Er hat uns zusammengebracht. Dann war Panaggio hier – und er war begeistert.

Mehr zum Thema
Basketball-Bundesliga: Willkommen bei den Eisbären
Basketball-Bundesliga
Willkommen bei den Eisbären

Die Anhänger haben dem neuformierten Team der Eisbären Bremerhaven beim Tag der Fans einen ...

 mehr »
Was ist das Ziel dieser Zusammenarbeit?

Mittelfristig ist angedacht, hier eine Art Niederlassung von DME zu schaffen. Hier sollen junge Basketballer aus aller Herren Länder ausgebildet werden, die auch in unseren Mannschaften spielen. Diese Spieler wollen wir hier auf das nächste Level bringen.

Die Akademie ist also als Partner involviert?

Ja, sie sind auch in einer Gesellschafterfunktion beteiligt. Sie beraten uns im ersten Schritt bei der Verpflichtung von Spielern, damit wir wieder erfolgreich werden. Wir waren sechs Jahre nicht mehr erfolgreich und sind nur unten rumgedümpelt.

Was heißt das konkret mit Blick auf den aktuellen Kader? Haben die Eisbären jetzt schon von dieser Partnerschaft profitiert?

Wir haben jetzt Spieler verpflichten können, an die wir sonst nie rangekommen wären. Wir haben dadurch Zugang zu einem interessanten Markt. Um konkurrenzfähig zu werden, musste ich diesen Schritt gehen. Das sind natürlich keine einfachen Spieler, aber die haben Talent. Athletik und Kondition können sie sich antrainieren, Talent nicht. Und dieses Talent muss jetzt hier geschult werden.

Wenn Sie ich sagen, meinen Sie wir?

Ja, natürlich. Das geschieht alles in enger Abstimmung mit den Gesellschaftern und meinem hauptamtlichen Geschäftsführerkollegen Marc Bergmann, der sich um das Tagesgeschäft kümmert. Wir machen alles im Konsenz.

Panaggio hat den Eisbären also über seine Akademie im Sommer bereits bei der Zusammenstellung des Kaders geholfen. Warum wurde er nun noch Sportdirektor?

Das haben wir gemacht, um auch zu dokumentieren, dass die Amerikaner hier etwas zu sagen haben. Die sind einfach besser im Basketball – die haben das Spiel nämlich mal erfunden. Dan Panaggio war jahrelang in der NBA tätig. Er hat zwei Meisterschaftsringe. Er hat mit großen Namen wie Kobe Bryant und Scottie Pippen gearbeitet. Er kennt Basketball – und man kennt ihn.

Neuzugang Kris Jenkins ist einer von schon fünf Spielern, die auf Vermittlung von Dan Panaggio nach Bremerhaven gekommen sind. Wie läuft so etwas ab?

Die Spieler werden dort in der Akademie gründlich getestet. Wir kennen also deren Defizite ganz genau. Solche Spieler bekommen sie auch nur mit Defiziten, denn wenn sie fertig wären, könnten wir die gar nicht bezahlen. Dann gehen die zu Bamberg oder Bayern, die über ein viel höheres Budget verfügen.

Mehr zum Thema
Eisbären Bremerhaven: Rund 1000 Besucher beim "Tag der Fans"
Eisbären Bremerhaven
Rund 1000 Besucher beim "Tag der Fans"

Bremerhaven. Rund 1000 Besucher sind am Sonntag zum "Tag der Fans" bei den Eisbären Bremerhaven ...

 mehr »
Aber ist es nicht eine schwere Aufgabe für das Trainerteam der Eisbären, diese Spieler nun hier gezielt besser machen zu müssen?

In der Anfangsphase ist es bestimmt schwierig, das zusammenzubringen. Deswegen gibt es ja auch eine Beratung aus Amerika. Da können wir alle nur lernen. Wir müssen die Spieler nun hier entwickeln – und da bin ich sehr optimistisch, dass das gelingt.

Die Eisbären sind allerdings erst zwei Wochen später als sonst in die Vorbereitung eingestiegen. Und jetzt wird die Zeit bis zum Saisonstart allmählich etwas knapp...

In der NBA beginnen die Teams noch später. Früher wollten die Trainer hier möglichst schon Anfang August einsteigen, und dann möglichst auch schon mit einem kompletten Kader. Aber dann kriegst du auf dem Markt nur die Spieler, die teuer sind. Und nicht die, die sich verzockt haben und übergeblieben sind. Die Spieler, die wir jetzt haben, die sind noch nicht voll im Saft – das gebe ich zu. Aber das können wir aufholen.

Panaggio weilt ja zumeist in Florida. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Cheftrainer Arne Woltmann und dem Sportdirektor aus?

Panaggio ist gerade wieder für einige Wochen hier. Auch, weil es ihn sehr interessiert.  Er tauscht sich mit unseren Coaches aus. Die Akademie schickt uns noch einen Jugend- und Individualtrainer, einen Player Development Coach, der mit unseren Trainern zusammenarbeitet und versucht, aus den Spielern das letzte bisschen herauszukitzeln.

Wie ist es um das Budget bestellt?

Wir sind ähnlich aufgestellt wie in der Vorsaison. Neue Sponsoren, große Sponsoren kriegen sie nur, wenn sie gewinnen. Und wir haben in den letzten Jahren nicht gewonnen. Das muss sich erst ändern. Dann können wir auch wieder neue Sponsoren akquirieren. Das ist bei Werder Bremen so und auch bei den Fischtown Pinguins.

Hat ihnen denn die Partnerschaft mit der DME Academy auch wirtschaftlich neue Möglichkeiten eröffnet?

Sie tragen schon zum Budget bei, nicht nur mit Man-Power. Das ist ja klar. Sonst hätten wir sie ja nicht beteiligt.

Und wo liegt der Vorteil für die Akademie? Panaggio wird ja auch Einnahmen generieren wollen...

Das sieht er nicht als vorderstes Ziel. Die Amerikaner sehen zunächst die Möglichkeit, in Europa eine zweite Basis zu schaffen. Er beurteilt unsere Möglichkeiten im Eisbären-Trainingscenter und mit dem Basketballinternat hervorragend. Viele Spieler, die sie auch jetzt schon in ihren Camps haben, stammen aus Osteuropa und Afrika. Die können es sich nicht leisten, nach Daytona Beach zu reisen und kommen dann zu uns. Und wir können jetzt auch damit werben, mal einen Spieler für zwei Wochen ins Trainingscamp nach Florida zu schicken. Das ist ein echtes Bonbon.

Mehr zum Thema
Basketball-Bundesliga: Eisbären gehen am Ende komplett unter
Basketball-Bundesliga
Eisbären gehen am Ende komplett unter

Bremerhaven. Die Eisbären Bremerhaven haben am Sonntag eine 80:102-Niederlage gegen Braunschweig ...

 mehr »
Die Eisbären haben gerade mit dem NBA-erfahrenen Darnell Jackson noch einen Neuzugang präsentiert. Die Verpflichtung kam überraschend, weil die sechs Kontingentplätze für die ausländischen Spieler schon besetzt waren. Gab es akuten Handlungsbedarf?

Die Vorbereitung ist für mich auch eine Testphase. Wenn sie einen Spieler verpflichten, haben sie den in der Regel ja vorher nicht gesehen. Da gibt es keine Vorstellungsgespräche. Da gibt es nur Videos und Agenten, die die Spieler anpreisen. Und dann stellt sich raus: Oh, der hat ja gar nicht die erwartete Klasse. Der ist ja gar nicht so robust. Der kann ja gar nicht als Center, sondern nur auf dem Flügel spielen. Das alles finden sie erst in der Vorbereitung heraus.

Also mussten Sie noch einmal reagieren?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Bisher hatten wir keine Fluktuation. Jetzt haben wir sieben Ausländer. Und einer davon wird noch gehen. Wir gehen nicht mit sieben Ausländern in die Saison. Das können wir uns nicht leisten. Wir wollen und müssen sparen. Und jetzt müssen die Herren bis zum Saisonstart zeigen, ob sie den Job haben wollen oder nicht. Möge der Bessere gewinnen.

Es bleibt also dabei, dass die Eisbären mit sechs Kontingentspielern und vier deutschen Akteuren in die Saison gehen und das Team dann von Spiel zu Spiel mit Talenten aus dem eigenen Nachwuchs aufgefüllt wird?

So ist es geplant.

Ist der Kader damit breit genug aufgestellt, um gegebenenfalls auch mal längerfristige Verletzungsausfälle kompensieren zu können?

Vor Verletzungen ist niemand gefeit. Wir haben es ja in der Vergangenheit auch häufiger schon erlebt, dass Spieler lange ausfallen. David Brembley war zuletzt zwei Jahre hier, hat aber kaum gespielt. Wir haben als kleiner Verein nunmal keinen Europacupkader wie die Bayern oder Bamberg. Aber zur Not haben wir in der Saison ja immer noch die Möglichkeit und nun auch die Kontakte, um auf Ausfälle  reagieren und Spieler nachverpflichten zu können.

Apropos Ausfall: Center Michael Kessens war eigentlich schon fest für die neue Saison eingeplant, ehe er im Juni seine Vertragsoption aufgekündigt und sich dem Ligarivalen Rasta Vechta angeschlossen hat.

Auf einmal war er weg. Und das hat uns sehr geschadet, weil es ein deutscher Spieler ist, der sich hier gut entwickelt hat. Aber wir haben auch daraus gelernt. Wir haben die neuen Verträge jetzt zum ersten Mal so gestaltet, dass wir nicht immer in die Röhre gucken, wenn uns ein Spieler verlassen will. Kyle Fogg, Darius Adams – wir hatten hier Top-Leute, die aber keine Zweijahresverträge unterschreiben wollten und jeweils nach einer Saison wieder gegangen sind. Da gibt es dann keine Ablöse, kein Buy-out.

Mehr zum Thema
Basketball-Bundesliga: Bremerhaven gewinnt in Göttingen: Everett sichert Eisbären Playoff-Chance
Basketball-Bundesliga: Bremerhaven gewinnt in Göttingen
Everett sichert Eisbären Playoff-Chance

Göttingen. Doug Spradley musste sich erstmal sammeln. "Wow", sagte er und blickte auf das ...

 mehr »
Das bedeutet, die Verträge haben jetzt eine längere Laufzeit?

Ja, wir haben einige Zweijahresverträge geschlossen. Aber: Als wir das noch allein gemacht haben, haben die Agenten uns nicht ernst genommen. Mit Dan Panaggio ist das jetzt eine ganz andere Sache. Der hat aus Amerika die Verträge mitverhandelt. Und der wird ganz anders respektiert als ich oder meine Vorgänger.

Klingt, als hätten die Eisbären ihre Hausaufgaben gemacht. Was erhoffen Sie sich jetzt in sportlicher Hinsicht von der neuen Saison?

Ich erwarte, dass wir nicht mehr da unten rumkrebsen. Dass wir einen gesicherten Mittelfeldplatz erreichen. Dass wir einige Große ärgern. Über mehr will ich erst mal nicht reden. Die Zuschauer wollen Siege sehen. In der letzten Saison hatten wir Spieler dabei, die nach meinem Gefühl nicht konnten und auch nicht wollten – das ist dann schon peinlich. Jetzt haben wir Spieler, die etwas können. Und wir bringen denen bei, dass sie auch wollen.

Das Gespräch führte Frank Büter.

Zur Person

Wolfgang Grube (73) fungiert seit Januar als geschäftsführender Gesellschafter der Eisbären Bremerhaven. Der langjährige Basketball-Mäzen ist Inhaber der Georg Grube GmbH, hat sich inzwischen aber aus dem operativen Geschäft des Entsorgungsunternehmens zurückgezogen.


Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Lokalsport im Überblick

Sport in Bremen: Meldungen aus Bremen und den Stadtteilen

 

Die Norddeutsche: Sport aus Bremen-Nord, Schwanewede, Elsfleth, Berne und Lemwerder

 

Osterholzer Kreisblatt/Wümme-Zeitung: Sport aus Hagen, Hambergen, OHZ, Ritterhude, Gnarrenburg, Worpswede, Tarmstedt, Lilienthal, Grasberg

 

Achimer Kurier/Verdener Nachrichten: Sport aus Achim, Verden, Ottersberg, Oyten, Sottrum, Rotenburg, Langwedel, Thedinghausen, Kirchlinteln, Dörverden

 

Regionale Rundschau/Syker Kurier: Sport aus Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum, Bruchhausen-Vilsen

 

Delmenhorster Kurier: Sport aus Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Dötlingen, Harpstedt, Wildeshausen

Sport aus der Region
Sport aus der Region
Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...