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Interview mit Eisbären-Chef
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„Hier ist eben nicht Amerika“

Frank Büter 27.03.2019 0 Kommentare

Geschäftsführer Wolfgang Grube hat bei den Eisbären Bremerhaven vor dieser Saison einige strukturelle Veränderungen vorgenommen, der sportliche Erfolg ist aber ausgeblieben. Als Tabellenschlusslicht der Basketball-Bundesliga taumelt der Klub der Pro
Geschäftsführer Wolfgang Grube hat bei den Eisbären Bremerhaven vor dieser Saison einige strukturelle Veränderungen vorgenommen, der sportliche Erfolg ist aber ausgeblieben. Als Tabellenschlusslicht der Basketball-Bundesliga taumelt der Klub der Pro A entgegen. (Hartmut Adelmann)

Herr Grube, Sie wollten dem Basketball-Standort Bremerhaven durch die Zusammenarbeit mit dem Amerikaner Dan Panaggio und dessen Sports Academy zu neuer Blüte verhelfen. Die Euphorie ist aber längst dahin, inzwischen geht es für die Eisbären nur noch um den Klassenerhalt. Ist das Projekt gescheitert?

Wolfgang Grube: Nein, denn der oberste Gedanke bei diesem Projekt ist doch, dass wir hier eine Niederlassung der Akademie aufbauen, das geht nicht so schnell.

Sie halten also an der Zusammenarbeit fest?

Ja, denn ich glaube an das Camp-Konzept, daran arbeiten wir. Um weiter konkurrenzfähig zu sein, müssen wir hier einen gesunden Unterbau schaffen, eine breite Basis mit guten Trainern.

Aber wem ist geholfen, wenn der Unterbau stimmt, Bremerhaven aber womöglich kein Bundesliga-Standort mehr ist?

Basketball wird immer weitergespielt. Das Akademie-Konzept hängt nicht von der Bundesliga ab, das läuft parallel. Aber natürlich ist es für die Wahrnehmung einfacher, wenn man in der Bundesliga vertreten ist.

Mit Blick auf das Bundesligateam haben Sie viel Kompetenz aus der Hand gegeben. Dan Panaggio war zunächst nur Partner und Mit-Gesellschafter, dann Sportdirektor und zwischenzeitlich auch Trainer. Sie haben darauf vertraut, dass es funktioniert. War es ein Fehler, sich in eine solche Abhängigkeit zu begeben?

Es ist anders gekommen. Und ich will Ihnen auch ganz offen sagen, warum: Die Amerikaner haben die Stärke der Bundesliga falsch eingeschätzt.

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Was genau wurde falsch eingeschätzt?

Die Athletik, die Leistungsstärke.

Heißt das auch, dass bei der Zusammenstellung des Kaders Fehler gemacht wurden?

Jein. Sie stecken da nicht drin. Nehmen Sie einen Kris Jenkins. Oder einen Jordan Brangers …

Die beide nicht mehr zum Kader gehören.

Richtig. Man muss es von zwei Seiten sehen. Einerseits war es natürlich ein Risiko, diese Spieler zu holen, weil sie so, wie sie im Sommer angekommen sind, noch nicht reif für die Bundesliga waren. Der eine vom Kopf her und der andere vom Körper. Andererseits muss ich auch ganz klar sagen, dass unser Etat nicht dafür ausreicht, um sechs ausländische Spieler zu holen, die hochtalentiert, charakterlich einwandfrei, nicht verletzungsanfällig und im besten Basketballalter sind. Deshalb hätte ich auch erwartet, dass man die Chance aufgrund ihres sehr großen Talents nutzt und die beiden bundesligareif macht. Dafür muss man dann aber auch alles tun und investieren, vor allem auf psychologischer Ebene.

Ist das ein Vorwurf an die Adresse von Ex-Trainer Arne Woltmann?

Ich weiß, dass es keine leichte Aufgabe für ihn war, mit schwierigen Charakteren beziehungsweise übergewichtigen, aber dennoch talentierten Spielern zu arbeiten.

So wie im Fall von Kris Jenkins.

Ja. Arne hatte selbst gesagt, dass Jenkins unser bester Spieler sein könnte, wenn er fit werden würde. Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen, natürlich ist es in erster Linie der Fehler von Jenkins, wenn er nicht fit wird.

Woltmann hat beklagt, dass ihm die Spieler von Dan Panaggio vorgesetzt wurden, dass er bei der Zusammenstellung des Kaders nicht eingebunden gewesen sei.

Das ist so nicht richtig. Arne Woltmann war bei der Spielersuche und auch beim Konzept voll eingebunden. Somit gab es für ihn auch keine Überraschungen. Er hatte nur nicht bei jedem Spieler das letzte Wort.

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Nach Woltmann hat Panaggio den Posten als Headcoach übernommen – und es gab eine Serie von elf Niederlagen.

Dan Panaggio ist ein sehr erfahrener Coach – aber hier ist eben nicht Amerika. Es war schwierig für ihn, reinzufinden. Das hat leider nicht geklappt.

Hat Panaggio das Traineramt unterschätzt?

Er hat die Stärke der Liga und wie hier verteidigt wird unterschätzt. Deshalb hat das, was in den USA funktioniert, hier nicht so gegriffen. Er hat sich nach seinem Rücktritt dafür entschuldigt, die Situation hier unterschätzt zu haben.

Nun ist Michael Mai am Ruder, ein Mann aus der Pro A.

Ein guter Mann. Michael hat frischen Wind reingebracht. Er versteht es, mit Spielern zu arbeiten, deren Talent noch nicht ausgereift ist.

Dan Panaggio ist in die Staaten zurückgekehrt, fungiert aber weiter als Sportdirektor und hat jetzt mit Armani Moore noch einen neuen Spieler nach Bremerhaven gelotst. Ist das der letzte Strohhalm im Abstiegskampf?

Nachverpflichtungen sind gang und gäbe. Moore bringt Bundesligaerfahrung mit, er ist ein Kämpfer und verteidigt sehr gut. Er wird uns weiterhelfen.

Setzen die Eisbären damit im Endspurt auf sieben ausländische Spieler im Kader? Oder wird noch ein Spieler aussortiert?

Da legen wir uns noch nicht fest. Erst mal erhoffe ich mir einen Konkurrenzkampf. Einer wird sitzen müssen – und das ist für die persönliche Statistik ja nicht gut. Also werden sich alle anstrengen. Das ist eben kein Urlaub hier.

Aber reicht die Zeit noch aus, um den Abstieg zu vermeiden? Es sind nur noch neun Spiele …

Wir müssen jetzt einfach die Nerven behalten und noch ein paar Siege einfahren. Noch ist rechnerisch alles möglich.

Trotzdem werden Sie sich bereits mit dem Thema Abstieg auseinandergesetzt und auch die Lizenzunterlagen für die Pro A in Vorbereitung haben.

Natürlich, das machen wir seit Jahren schon. Das macht so ziemlich jeder Verein mit Ausnahme der großen Klubs.

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Wir groß wäre denn die wirtschaftliche Einbuße bei einem Abstieg? Was sagen die Sponsoren?

Wir hatten einige gute Gespräche. Die großen Unternehmen haben alle signalisiert, dass sie weitermachen wollen. Dass man sich gegebenenfalls über die Pro A noch mal unterhalten müsste, ist aber üblich.

Das gilt dann auch für die Kontingentspieler, die zum Teil mit Zweijahresverträgen ausgestattet wurden?

Auch das müssen wir abwarten. Erst einmal konzentrieren wir uns jetzt darauf, die Klasse zu halten. Ich hoffe, dass uns das gelingt.

Das Gespräch führte Frank Büter.

Zur Person

Wolfgang Grube (73)

fungiert seit Januar 2018 als geschäftsführender Gesellschafter der Eisbären Bremerhaven. Der langjährige Basketball-Mäzen ist Inhaber der Georg Grube GmbH, hat sich inzwischen aber aus dem operativen Geschäft des Entsorgungsunternehmens zurückgezogen.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...