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German Open im Tischtennis
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Im Schatten der Männer

FELIX WENDLER 12.10.2019 0 Kommentare

Tischtennis German Open 2019 - Shan Xiaona
Tischtennis German Open 2019 - Shan Xiaona (Frank Thomas Koch)

Bremen. Shan Xiaona und Timo Boll haben eine Gemeinsamkeit: Beide gewannen in der Teamwertung schon eine olympische Silbermedaille für Deutschland. Während Boll den meisten Deutschen ein Begriff ist, kennen Shan nur eingefleischte Tischtennisfans. Die 36-Jährige sorgte für Furore bei den German Open in der ÖVB-Arena. Im Aufgebot des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) war sie die Einzige, die sich über die Qualifikation in die Hauptrunde spielen konnte. Dort besiegte Shan ihre favorisierten Gegnerinnen aus Hongkong und Japan überraschend souverän. Erst im Viertelfinale scheiterte sie knapp. Die starke Rückkehr von Shan Xiaona nach ihrer Babypause zeigt erneut: Auch die deutschen Frauen können im Spitzenbereich mithalten.

Trotzdem hat es manchmal den Anschein, als sei Tischtennis in Deutschland eine reine Männerdomäne. „Man vergisst häufig, dass auch die Damen European Games-Sieger geworden sind“, sagt Richard Prause. Der DTTB-Sportdirektor findet, dass die Frauen etwas mehr Öffentlichkeit verdient hätten. Shan, die in China geboren und aufgewachsen ist, war überrascht, als sie mit 22 Jahren nach Deutschland kam. „Alle hatten mir gesagt, in Europa sind Frauen und Männer gleich. Das stimmt nicht. In Deutschland interessiert sich niemand für Frauen-Tischtennis. Das ist manchmal ziemlich traurig.“

Auf internationaler Ebene stehen Männer und Frauen zumindest finanziell auf einer Stufe. Die vom Tischtennis-Weltverband ausgelobten 270 000 Dollar Preisgeld verteilen sich beim Turnier in Bremen gleichmäßig auf beide Geschlechter. Auch die Frauen könnten in Deutschland durchaus vom Tischtennis leben, meint Prause. „Viele unserer Sportlerinnen sind bei der Bundeswehr und haben dadurch ein Grundeinkommen. Die können schon auf Tischtennis setzen.“

Es reicht zum Leben

Han Ying, ebenfalls Olympiazweite in Rio mit dem deutschen Damenteam, verdient ihr Geld in der polnischen Liga. „In Polen muss ich nicht alle Spiele machen“, erklärt die 36-Jährige den Unterschied zur deutschen Bundesliga. Leben und trainieren tut sie weiterhin in Düsseldorf, wo das deutsche Tischtenniszentrum sitzt. Bei den German Open schied Han am Donnerstag nach einer knappen Niederlage aus. 1200 Dollar Preisgeld kann sie immerhin aus Bremen mitnehmen. „Um Preisgelder bei solchen Turnieren zu gewinnen, muss man schon auf einem sehr guten Level sein“, sagt Richard Prause, der die German Open stärker als eine Weltmeisterschaft besetzt sieht.

Nur wer auf internationaler Ebene ganz oben dabei ist, kann von den Preisgeldern bei Turnieren leben. Tagesgeschäft im Tischtennis ist für Han Ying der Ligabetrieb. Anders als bei internationalen Turnieren, unterscheiden sich die Einkommen dort deutlich. „Die Männer verdienen in den Ligen drei- bis viermal mehr als die Frauen“, schätzt Han. Trotzdem leben sowohl sie als auch Shan nur vom Tischtennis. Neben dem, was die Spielerinnen in der Liga und bei Turnieren verdienen, gäbe es noch Gelder von der Sportförderung und von Ausrüstern, sagt Prause. Er schränkt jedoch ein: „Es ist bei den Damen die Frage, wie viel sie für die Zeit nach der Karriere zur Seite legen können. Das ist in Relation zu den Herren natürlich deutlich weniger.“

Ein Problem, über das sich auch Shan Xiaona Gedanken macht. Ein Bekannter habe gefragt, ob sie als Trainerin in seiner Tischtennisschule arbeiten wolle. „Jetzt habe ich natürlich noch keine Zeit, aber in ein paar Jahren werde ich das machen.“ Letztes Jahr ist sie Mutter geworden. Wie lässt sich das vereinbaren mit dem Leistungssport? „Meine Familie unterstützt mich, aber manchmal kann niemand kommen. Entweder ich spiele dann gar nicht oder ich schicke mein Baby zu meinen Eltern nach China.“ Der finanzielle Aufwand sei groß, aber es bleibe genug zum Leben. 

China ist die führende Tischtennis-Nation. Mit sechs Spielerinnen an der Spitze der Weltrangliste dominieren die Damen sogar noch stärker als die Herren. Grundsätzlich wolle man auch bei den deutschen Damen ähnliche Bedingungen wie in China oder auch Japan anstreben, sagt Richard Prause. Shan Xiaona und Han Ying kennen beide Systeme - mit ihren Vor- und Nachteilen. So schätzt Shan am chinesischen Tischtennis, dass man Männern und Frauen die gleiche Bewunderung entgegenbringe. Den Umgang mit Kindern hingegen finden Shan und Han im deutschen System besser. „In China musste ich jeden Tag trainieren. Mich hat niemand gefragt, ob ich das mag. Und am Anfang mochte ich es nicht“, erzählt Shan. 

Bei den German Open schied auch die beste Deutsche, Petrissa Solja, in der ersten Hauptrunde aus. Trotzdem blickt man beim DTTB optimistisch in die Zukunft des Frauen-Tischtennis. Sportdirektor Prause ist glücklich, bei den Damen und bei den Herren eine starke Generation zu haben. Und vielleicht, meint Shan, „kommen zu uns mit den Erfolgen ja auch irgendwann genau so viele Zuschauer in die Halle, wie bei den Männern.“


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...