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Interview mit Bremer Radsportler
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Kämna: "Boah, geil, du bist tatsächlich Sechster"

Helge Hommers 22.07.2019 1 Kommentar

Der Bremer Lennard Kämna ist drittjüngster Fahrer im Feld und sorgt weiter für Aufsehen.
Der Bremer Lennard Kämna ist drittjüngster Fahrer im Feld und sorgt weiter für Aufsehen. (ROTH-FOTO)
Herr Kämna, am Sonntag haben Sie die 15. Etappe der Tour de France als Sechster abgeschlossen. Wie lange brauchten Sie, um Ihren Erfolg zu realisieren?

Lennard Kämna: Ein paar Minuten nur. Schon als ich oben angekommen bin, war ich ziemlich happy und dachte mir: Boah, geil, du bist tatsächlich Sechster. Damit hatte ich nicht mehr gerechnet, weil der Vorsprung am letzten Berg nicht mehr so riesig war. Es war eines der wenigen Male, bei dem ich mit einem Lächeln über den Zielstrich gefahren bin.

Warum hat Ihnen Ihr Team für die Etappe freie Fahrt gegeben?

Wir haben keinen Gesamtklassementfahrer bei der Tour dabei, deswegen sind wir dazu angehalten, in die Spitzengruppen zu gehen. Dann hab ich schnell gezeigt, dass ich doch der mit den besten Beinen aus dem Team bin, sodass klar war, dass ich es einfach mal probieren darf.

Sie haben unter anderem Vorjahressieger Geraint Thomas hinter sich gelassen. Wie fühlt es sich an, wenn einer wie er neben oder sogar hinter einem fährt?

Ich habe nur ganz, ganz wenig mitbekommen und wusste nur ungefähr, wer vor und wer hinter mir ist. Erst später habe ich im Video gesehen, wer zwischenzeitlich nah an mir dran war. Das hat mich schon stolz gemacht, dass ich die auf Distanz halten konnte. 

WESER-KURIER-Kolumnist Hans-Peter Jakst sagt: Lasst uns den sechsten Platz wie einen Sieg feiern. Wie haben Sie gefeiert?

So richtig gefeiert habe ich nicht, aber es schon genossen. Jedenfalls so, wie man einen sechsten Platz genießen kann: Mit einem Schluck Rotwein und einem Stück Schokolade. Das war dann die, na ja, große Fete.

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Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie sich die letzten Meter über die Ziellinie kämpften?

Nicht viel, ich wollte die letzten hundert Meter nur genießen. Mal nach links und rechts gucken, was da geschieht. Das habe ich vorher gar nicht wahrgenommen. Ich habe fast bis zum Ende alles gegeben, weil ich mir nicht sicher war, wie weit die Anderen weg waren.

Nun steht die letzte Tourwoche an. Konnten Sie den Ruhetag nutzen?

Wir haben nur eine kurze Ausfahrt gemacht, aber man hat schon gemerkt, dass jeder doch ziemlich grau ist. Hier ist es mordsheiß, deswegen war die Ausfahrt nicht ganz so schön, wie man sie gern gehabt hätte. Wir haben dann in einem Café angehalten und uns in den Schatten gesetzt, das war ganz angenehm.

Dürfen Sie in der letzten Tourwoche erneut frei fahren, um vorne mitzumischen?

Auch wenn man es darf, kriegt man es nicht immer hin. Die letzte Woche wird sehr anspruchsvoll. Mein größtes Ziel ist es einfach, nach Paris zu kommen. Wenn ich die Möglichkeit habe und das richtige Momentum da ist, werde ich es natürlich nochmal versuchen. Aber darauf liegt jetzt nicht mehr der Hauptfokus.

Das Ziel, eine Etappe zu gewinnen, hat Ihr Team Sunweb noch nicht erreicht. Sind Sie optimistisch, dass sich daran noch etwas ändert?

Ich glaube, dass es sehr, sehr schwer wird. Wir haben unseren Elfmeter bei der zehnten Etappe verschossen, als wir mit sechs Leuten in der Spitzengruppe nur Vierter wurden. Solch eine Chance kriegt man nicht nochmal aufs Silbertablett serviert. Wir haben nur noch zwei Sprintetappen vor uns. Mal gucken, ob wir noch eine zweite Chance kreieren können. Man sollte uns nicht abschreiben, wir haben immer noch eine gute Truppe.

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Sie liegen im Gesamtklassement auf Rang 54. In einem früheren Interview haben Sie gesagt, dass Ihnen Platzierungen unwichtig sind. Sind Sie trotzdem ein wenig stolz?

Ehrlich gesagt habe ich zwar nachgesehen, wie viele Plätze ich gut gemacht habe, aber ich wusste bis jetzt nicht, auf welcher Position ich liege. Klar, es ist schön, wenn man nicht Letzter ist. Trotzdem ist es nur eine Momentaufnahme. Wenn ich bei den nächsten Bergetappen nicht in der Gruppe bin, dann heißt es: Überleben und so viel Energie wie möglich sparen. Nach solchen Etappen kann es schon sein, dass ich nur 110. werde. Ich hatte jetzt eine schöne Einzelplatzierung; die Platzierung im Gesamtklassement ist mir völlig egal.

Am Sonntag hat es geregnet, für Sie als Bremer war es Heimwetter. Nun soll es sehr heiß werden. Wird das ein Problem für Sie werden?

Es ist schwierig für mich, absolute Topleistungen zu bringen, sobald wir 35 Grad und noch mehr erreichen. Ich muss da extrem aufpassen, dass ich mich genügend abkühle und genug trinke. Mal gucken, wie ich es schaffe. Wir hatten ein paar Wochen, um uns an eine gewisse Hitze zu gewöhnen. Ich gehe davon aus, dass ich das gut wegstecken werde, aber es ist nicht mein Lieblingswetter.

Die Fragen stellte Helge Hommers.

Zur Person

Lennard Kämna (22) feiert in diesem Jahr für den deutschen Radrennstall Sunweb sein Debüt bei der Tour de France. Nach 15 von 21 Etappen liegt der Bremer als zweitbester Deutscher im Gesamtklassement auf dem 54. Rang.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...