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Fischtown Pinguins
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Popiesch und die Grenzerfahrung

Frank Büter 26.02.2019 0 Kommentare

Eine göttliche Fügung des Schicksals: Seit Januar 2016 coacht Thomas Popiesch die Fischtown Pinguins – und wird nun als Trainer des Jahres 2018 im Land Bremen ausgezeichnet.
Eine göttliche Fügung des Schicksals: Seit Januar 2016 coacht Thomas Popiesch die Fischtown Pinguins – und wird nun als Trainer des Jahres 2018 im Land Bremen ausgezeichnet. (Sven Peter/Hansepixx)

Bei den Fischtown Pinguins in Bremerhaven spielt man „Haven-Hockey“. Die Pinguins verstehen sich als Teil der Hafenstadt, sie wollen harte und ehrliche Arbeit abliefern. Das ist seit vielen Jahren schon die Philosophie des Eishockeyklubs. Und deshalb setzt man bei den Pinguins gern auf echte Kerle, auf Malocher, die ihrem Job mit Leidenschaft nachgehen und sich mit der Region identifizieren. „Haven-Hockey“ eben. Und das gilt auch für den Trainerposten.

Nicht immer, aber doch recht häufig ist es den Seestädtern in der Vergangenheit gelungen, auch diesen Posten mit echten Typen zu besetzen. Mit geradlinigen Typen, die sich einbringen. Die nie aufgeben. Die immer gewillt sind, neue Mittel und Wege zu finden, um erfolgreich zu sein. Aber auch mit Typen, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten. Thomas Popiesch ist so ein Typ. Mehr noch: Der Coach, der seit Januar 2016 bei den Pinguins tätig ist, verkörpert all diese Tugenden wie kein anderer vor ihm. Popiesch und die Fischtown Pinguins, sie haben sich „gesucht und gefunden“, sagt Teammanager Alfred Prey.

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Wenn Alfred Prey über den wichtigsten Angestellten des Klubs spricht, gerät er ins Schwärmen. Er bezeichnet Popiesch als absoluten Eishockeyfachmann. Als offenen, ehrlichen Mitstreiter, der nie aufgibt. Der seinem Job zielstrebig nachgeht und seinen Zielen alles unterordnet – ohne Blick auf die Uhr. „Thomas Popiesch ist ein eloquenter und harter Arbeiter, der Eishockey zu seinem Lebensmittelpunkt gemacht hat und diesen Sport Tag ein, Tag aus lebt“, sagt Prey.

Es war – um es mit den Worten von Alfred Prey zu formulieren – „eine göttliche Fügung des Schicksals“, dass Thomas Popiesch in diesem Januar 2016 ohne Trainerjob dastand. Wegen anhaltender Erfolglosigkeit war Popiesch bei den in der DEL 2 spielenden Dresdner Eislöwen an Silvester beurlaubt worden. Fast parallel dazu war man auch beim damaligen Ligarivalen in Bremerhaven mit der sportlichen Entwicklung unter Benoit Doucet unzufrieden – und trennte sich von dem erst sieben Monate zuvor verpflichteten Coach. „Wir hatten Thomas Popiesch schon immer auf unserer Agenda“, sagt Prey – und nun war der Weg frei für eine Zusammenarbeit.

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Eine Zusammenarbeit, die das bisher erfolgreichste Kapitel in der Geschichte der Fischtown Pinguins einläutete. Nach dem Rückzug der Hamburg Freezers im Mai 2016 hatte sich der Klub erfolgreich für eine Lizenz in der DEL beworben und spielt nun schon im dritten Jahr in der höchsten deutschen Eishockeyliga. Obwohl mit dem kleinsten Etat der 14 Vereine ausgestattet, sorgen die Pinguins hier unter der Regie von Popiesch Jahr für Jahr für Furore. Zum dritten Mal in Folge hat sich Bremerhaven jetzt für die Pre-Playoffs qualifiziert. In den beiden Spielzeiten zuvor war für die Arbeiter aus der Hafenstadt jeweils erst im Viertelfinale gegen den späteren Deutschen Meister München Endstation. Ein Erfolg, der maßgeblich auch der akribischen Arbeit von Thomas Popiesch zu verdanken ist. Und eben deshalb wird Thomas Popiesch nun bei der Sportgala am 5. März im GOP-Theater als Trainer des Jahres 2018 im Land Bremen ausgezeichnet.

Wenn Thomas Popiesch über Eishockey spricht, dann klingt das zumeist nüchtern, sachlich und wohl überlegt. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist Eishockey  sein Beruf, sein Alltag. Erst als Profi in der ersten und zweiten Liga, dann als Trainer. Eishockey ist für ihn „der geilste Sport der Welt“. Doch es war ein harter, ein entbehrungsreicher Weg, bis Thomas Popiesch seine Leidenschaft tatsächlich ausleben konnte.

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Popiesch, aufgewachsen in Ost-Berlin, hat eine bewegte Vita. In der ehemaligen DDR galt er als eines der größten Eishockeytalente. Er besuchte eine Jugendsportschule, wurde entsprechend gefördert – aber auch an der kurzen Leine gehalten. Der mächtige Staatsapparat der DDR hatte offenbar Sorge, Popiesch könne in den Westen fliehen – und untersagte dem damals 17-Jährigen, an einer Schweden-Reise seiner Mannschaft teilzunehmen. Er habe zu dem Zeitpunkt erstmals das Gefühl gehabt, machtlos zu sein, schildert Popiesch. Er habe gespürt, nicht allein über seine Karriere bestimmen zu können.

Doch genau das wollte Popiesch. Er wollte in den Westen, er wollte dort sein Glück als Eishockeyprofi versuchen. Noch im selben Jahr, es war 1983, unternahm Thomas Popiesch einen ersten Fluchtversuch – und wurde an der Grenze nahe Bratislava (damals Tschechoslowakei) festgenommen. Es folgten vier Jahre Haft im berüchtigten Stasi-Gefängnis in Bautzen. Nach seiner Entlassung holte Popiesch im Ost-Berliner Nachtleben seine verpasste Jugend nach und ertränkte seinen Frust in diversen Bars. Er hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, Eishockey spielte er nur noch in einer Hobbymannschaft. Bis er im Frühjahr 1989 noch einmal einen Fluchtversuch riskierte. Und diesmal war Thomas Popiesch besser vorbereitet. Er schaffte es über Ungarn nach Österreich und weiter nach Düsseldorf, wo ihm ein Freund der Familie nach nunmehr fast sieben Jahren ohne Eishockey zu einem Neustart beim Zweitligisten Duisburg verhalf.

Es war der verspätete Auftakt zu einer 15-jährigen Profikarriere mit weiteren Stationen in Krefeld, Essen, Nürnberg, Frankfurt, Grefrath, Erding und abermals Duisburg. 2006 beendete Popiesch bei Moskitos Essen seine aktive Laufbahn und stieg ins Trainergeschäft ein. Über Ratingen, Weißwasser und Dresden kam der heute 53-Jährige Ende Januar 2016 schließlich zu den Fischtown Pinguins. Ein Glücksfall für Bremerhaven – und für Thomas Popiesch, den Trainer des Jahres 2018.

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So geht’s weiter für die Fischtown Pinguins

Zwei Spieltage sind in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch zu absolvieren, dann ist die Hauptrunde beendet. Und dann stehen auch die Teilnehmer und die Paarungen für die anschließenden Play-offs fest. Die Fischtown Pinguins haben sich – das ist unabhängig vom Ausgang der beiden noch ausstehenden Partien am Freitag gegen Nürnberg (19.30 Uhr) und am Sonntag in München (14 Uhr) bereits sicher – wie in den beiden Jahren zuvor für die Pre-Playoffs qualifiziert. Ebenfalls sicher ist, dass die Pinguins in dieser nach dem Modus „Best of Three“ ausgetragenen Runde das erste Heimrecht genießen und damit ein entscheidendes drittes Spiel ebenfalls in der heimischen Eisarena bestreiten würden. In den am 6. März beginnenden Pre-Playoffs trifft der Tabellensiebte auf den -zehnten, der -achte spielt gegen den -neunten. Die Pinguins sind aktuell Achter, Stand jetzt wäre Berlin der Gegner.


Sporttabellen & Ergebnisse
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Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

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Die Norddeutsche: Sport aus Bremen-Nord, Schwanewede, Elsfleth, Berne und Lemwerder

 

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Delmenhorster Kurier: Sport aus Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Dötlingen, Harpstedt, Wildeshausen

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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

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