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Spenden für Bedürftige
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Sport trotz Armut

Eva Przybyla 14.06.2019 0 Kommentare

Wenn das Geld für den Mitgliedsbeitrag fehlt: Nicht alle Kinder können im Sportverein mitmachen ‒ Bedürftige fördert die BSJ mit „Kids in die Clubs“.
Wenn das Geld für den Mitgliedsbeitrag fehlt: Nicht alle Kinder können im Sportverein mitmachen ‒ Bedürftige fördert die BSJ mit „Kids in die Clubs“. (Andrea Bowinkelmann/Landessportbund NRW)

Wenn Kinder nach dem Schnuppertraining nicht mehr in den Sportverein kommen oder ihre Mitgliedsbeiträge ausbleiben, dann hat das häufig einen Grund: Armut. Das berichtet Astrid Touray, Integrationsbeauftragte beim TS Woltmershausen. Damit die Kinder und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien trotzdem Sport machen können, übernimmt die Bremer Sportjugend (BSJ) mit dem Spenden finanzierten Projekt „Kids in die Clubs“ seit 2005 ihre Vereinsbeiträge.

2700 junge Sportlerinnen und Sportler hat sie seither mit insgesamt 255 000 Euro unterstützt. Etwa 85 Vereine in Bremen und Bremerhaven bieten die Unterstützung ihren Mitgliedern an. Es sind nur 85, weil nach Angaben der BSJ nicht alle Vereine Sportkurse für Kinder und Jugendliche anbieten.

Durchschnittlich 150 Anträge pro Jahr

Kürzlich hat die BSJ eine Erhöhung der Förderbeiträge beschlossen. Rückwirkend zum 1. Januar sollen die Beiträge von zehn auf zwölf Euro im Monat steigen. Grund dafür seien unter anderem gestiegene Mitgliedsbeiträge der Sportvereine, erläutert Linus Edwards, stellvertretender BSJ-Geschäftsführer. Die zehn Euro hätten schon zuvor die Beiträge oft nicht gedeckt. Viele Vereine hätten nur auf die Restbeträge verzichtet, sagt Edwards.

Spenden für „Kids in die Clubs“ erhält die BSJ laut Edwards überwiegend von Privatpersonen. „Derzeit sind mehr als zwei Drittel Privatspender“, sagt er. Etwa ein Drittel würden Unternehmen und Genossenschaften bereitstellen. Viele Eltern beantragen die Förderung für ihre Kinder: „Seit drei Jahren verzeichnen wir im Durchschnitt 150 Anträge pro Jahr“, berichtet Edwards.

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Auch die Verlängerung der zunächst einjährigen Förderung würden viele Familien bei der BSJ beantragen. Bei den Antragstellern handle es sich häufig um minderjährige Flüchtlinge oder Jugendliche, die nicht bei ihren Eltern wohnen und/oder den Bremen-Pass haben. Letzteren besitzen etwa Hartz-IV-Empfänger, Asylbewerber und junge Menschen, deren Familien Wohngeld oder den Kinderzuschlag beziehen.

Wie viele junge Menschen in Bremen sich eine Mitgliedschaft in einem Bremer Sportverein nicht leisten können, kann der Sprecher des Sozialressorts, Bernd Schneider, nur schätzen. Etwa ein Drittel der Kinder lebe in armutsgefährdeten Haushalten, sagt er. Sie hätten auch potenziell einen Anspruch auf die Förderung durch das Bildungs- und Teilhabepaket. Das sind Bundesmittel, mit denen junge Menschen sich Schulmaterialien, Klassenfahrten und -exkursionen, aber auch Hobbys finanzieren lassen können. Das Paket wird Schneider zufolge von rund 12 000 Kindern und Jugendlichen in Bremen in Anspruch genommen. Wenn es diese Förderung bereits gibt, warum lassen Sportvereine sich dennoch vom BSJ die Mitgliedsbeiträge bezahlen?

TS Woltmershausen besonders aktiv

Die Beantragung des Bildungs- und Teilhabepakets sei oft zu kompliziert, meint Robert Lürssen, Vorsitzender des TS Woltmershausen. Die Eltern, die den Antrag stellten, würden lange keine Rückmeldung erhalten. Und auch wenn das Geld bewilligt werde, komme es bei den Eltern oder beim Verein nicht an. Das Fazit: „Die Mitgliedsbeiträge gehen oft nicht bei uns ein“, sagt Lürssen.

Über „Kids in die Clubs“ würde der TS Woltmershausen dagegen immer die Beiträge erhalten – unbürokratisch, schnell und ein Jahr lang. „Die Kinder und Jugendlichen können so sorglos mit Gleichaltrigen zusammen Sport machen“, meint der Vorsitzende. Bis zum 18. Lebensjahr kann die Förderung verlängert werden.

Platz 30 belegt
Platz 30 belegt auch: Billard. Mit ebenfalls 901 Mitgliedern ist der Sport um die Kugeln gleich auf mit dem Flugsport. Oft als Kneipenspiel verpönt, erhält der Sport, bei dem es darum geht, bestimmte Kugeln zu versenken, einen Platz in dieser Rangliste.
Platz 29 belegt Amateurboxen. 925 Mitglieder, wovon immerhin 172 weiblich sind schwingen gerne ihre Fäuste im Boxring. Bei diversen Vereinen kann der Kampfsport in Bremen praktiziert werden.
Platz 28 belegt Tauchen. Der Unterwassersport knackt mit 1015 Mitgliedern die Tausender-Marke und verdient sich einen Platz in dieser Rangliste.
Fotostrecke: Das sind die 30 beliebtesten Sportarten der Bremer

Der TS Woltmershausen ist der Verein, der nach eigenen Angaben sowie der BSJ zufolge mit die meisten jungen Sportler in Bremen mit „Kids in die Clubs“ fördern lässt. 29 waren es Lürssen zufolge Anfang des Jahres. 90 Prozent der Geförderten seien in den Fußballteams aktiv. Und es werden mehr. Das habe der Verein besonders Astrid Touray zu verdanken. Sie arbeitet in der Integrationsabteilung beim Landessportbund und informiert seit Jahren Eltern gezielt über „Kids in die Clubs“.

Wenn Touray über diese Arbeit spricht, wird klar: Es geht um Timing und Sensibilität. Wenn sie den Kindern nach dem Schnuppertraining nur die Mitgliedsanträge für die Eltern mitgebe, kämen sie meist nicht wieder. Die Lösung: Touray gibt den Kindern den Mitgliedsantrag in einem Briefumschlag, der schon das Antragsformular für „Kids in die Clubs“ sowie einen Brief an die Eltern enthält.

Schwierigkeiten beim Ausfüllen des Formulars

Wenn die Kinder bereits Mitglied sind, aber ihre Beiträge ausbleiben, sucht die Integrationsbeauftragte das Gespräch mit den Eltern in Woltmershausen. „Wir klingeln auch an der Tür“, sagt sie. Dort setze sie auf Empathie: Für die ausstehenden Beträge werde sofort geschaut, wo man sich in der Mitte treffen könne. Sie wolle kein Kind aufgrund fehlender Beiträge ausschließen. „Das Kind soll Sport machen – darum geht es“, sagt Touray.

Sie treffe auf Familien mit Fluchterfahrungen, Alleinerziehende und Familien, die wenig Geld verdienen. Manchen falle es schwer, ein Formular auszufüllen. Touray hilft dabei und kopiert die nötigen Bescheide. „Wir machen ein wirklich niederschwelliges Angebot“, sagt sie. Und dieses Angebot zeigt Wirkung in Woltmershausen, wo etwa 35 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren von Hartz-IV leben. Der TS Woltmershausen hat viele neue Mitglieder. Und manchmal beobachtet Touray, dass einige von ihnen sogar am Wochenende allein auf den Bolzplatz gehen, um weiterzuspielen.

Was ursprünglich die Polynesier zum Fischfang nutzten, ist heute ein beliebter Freizeitsport. Beim Stand Up Paddling steht man auf einem Surfboard und bewegt sich mit Hilfe eines Paddels fort, ohne dabei auf Wind oder Wellen angewiesen zu sein. Stehpaddeln kann man praktisch in allen Gewässern in Bremen.
Verschiedene Anbieter, wie die Surfschule Bremen, Charchulla Bremen oder der Landes-Kanu-Verband Bremen bieten Kurse im Stand Up Paddling an.
Seit vielen Jahren ist Windsurfen als Trendsportart etabliert. Von den großen Stränden dieser Welt, hat die Mischung aus Wellenreiten und Segeln nun auch seinen Weg in die Städte gefunden. In Bremen kann man sich im Unisee oder dem Sportparksee Grambke in die Fluten stürzen.
Tauchen in Korallenriffen vor karibischen Stränden war gestern. Heute kann man auch die Unterwasserwelt in Bremer Gewässern erforschen. Dazu eignet sich besonders gut der Unisee. Um das Tauchen zu lernen, empfiehlt sich der Besuch eines Kurses, zum Beispiel am Unisee.
 
Wem Tauchen alleine nicht aufregend genug ist, der sollte Unterwasserrugby ausprobieren. Angst vor Verletzungen muss man aber nicht haben, denn anders als die Landvariante, ist Rugby unter Wasser eher ungefährlich.
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Zur Sache

Projekt für Einkommensschwache

Mit ihrem Projekt „Kids in die Clubs“ ermöglicht die Bremer Sportjugend (BSJ) jungen Menschen aus einkommensschwachen Familien im ­Alter zwischen drei und 18 Jahren die Mitgliedschaft in einem Sportverein. Dafür sammelt sie Spenden, die sie nach Beantragung durch die Familien an Bremer und Bremerhavener Sportvereine weiterleitet. Bis zu zwölf Euro übernimmt die BSJ monatlich. Weitere Informationen sowie das Antragsformular gibt es unter www.bremer-sportjugend.de.


Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Lokalsport im Überblick

Sport in Bremen: Meldungen aus Bremen und den Stadtteilen

 

Die Norddeutsche: Sport aus Bremen-Nord, Schwanewede, Elsfleth, Berne und Lemwerder

 

Osterholzer Kreisblatt/Wümme-Zeitung: Sport aus Hagen, Hambergen, OHZ, Ritterhude, Gnarrenburg, Worpswede, Tarmstedt, Lilienthal, Grasberg

 

Achimer Kurier/Verdener Nachrichten: Sport aus Achim, Verden, Ottersberg, Oyten, Sottrum, Rotenburg, Langwedel, Thedinghausen, Kirchlinteln, Dörverden

 

Regionale Rundschau/Syker Kurier: Sport aus Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum, Bruchhausen-Vilsen

 

Delmenhorster Kurier: Sport aus Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Dötlingen, Harpstedt, Wildeshausen

Sport aus der Region
Sport aus der Region
Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

Rettungsdienste nur noch per/im Panzer ?

Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...