Wetter: Nebel, 11 bis 16 °C
Fußball-Regionalliga der Frauen
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

TuS Schwachhausen erlebt beim Grillen eigenen Abstieg

Jörg Niemeyer 22.05.2019 0 Kommentare

Ohnmächtig im Abstiegskampf: Trainer Benjamin Eta vom TuS Schwachhausen.
Ohnmächtig im Abstiegskampf: Trainer Benjamin Eta vom TuS Schwachhausen. (Frank Koch)

So hatten sich die Frauen des TuS Schwachhausen das Saisonfinale in der Fußball-Regionalliga nicht vorgestellt: Während sie, statt selbst zu spielen, am frühen Nachmittag mehr oder weniger unfreiwillig beim Grillen zusammensaßen, wurden sie am Liveticker Zeuginnen ihres eigenen Abstiegs aus der Liga. Verurteilt zur Tatenlosigkeit, weil ihr Gegner, der TSV Limmer, zum letzten Spiel in Bremen nicht angetreten war. In Hamburg sicherte sich der punktgleiche Abstiegskonkurrent FC St. Pauli derweil mit einem 7:2-Schützenfest über den SV Meppen II aufgrund der besseren Tordifferenz die Liga-Zugehörigkeit und verdarb den fassungslosen TuS-Spielerinnen endgültig den Appetit.

„Das ist schon hart, so abzusteigen“, schimpft Benjamin Eta auch mit dem Abstand von einigen Tagen zum letzten Spieltag. Der Schwachhauser Trainer hat einige Gründe, sich mächtig zu ärgern – der unwesentlichste ist noch, „dass wir vorher schon selbst alles hätten klarmachen können“. Mit nur einem Punkt mehr aus den vorangegangenen 21 Partien hätten die Bremerinnen die Regionalliga gehalten. Für ihren kampflosen Sieg bekamen sie zwar drei Punkte und 2:0 Tore, aber nicht die Chance, selbst etwas für ihr Torverhältnis zu tun. Schwachhausen und St. Pauli hatten im Endklassement jeweils 22 Zähler auf dem Konto, aber das Torverhältnis von 34:45 (minus 11) gegenüber 32:48 (minus 16) sprach für den FC St. Pauli.

„Das Verhalten des TSV Limmer sorgt für eine große Wettbewerbsverzerrung, das ist eine Frechheit – sie hätten alles dafür tun müssen, um zu spielen“, sagt Eta. Er weiß aber auch: Das Reglement ist so wie ist es. Und es ist in diesem Fall höchst ungerecht. „Ein absolutes Unding“, sagt Bremens Verbandspräsident Björn Fecker, „es ist mir nicht ersichtlich, warum Limmers zweite Mannschaft am Sonntag antreten konnte und die erste nicht.“ Der Landesligist TSV Limmer II spielte um 15 Uhr beim 1. FFC Hannover, während der Regionalligist TSV Limmer I um 14 Uhr in Schwachhausen durch Abwesenheit glänzte. „Mit seinem Verhalten hat der Verein massiv in die Abstiegsfrage eingegriffen“, sagt Fecker, „warum fällt in diesem Fall nicht das Spiel der Zweiten aus? Das werden wir im Vorstand des Norddeutschen Fußball-Verbands noch einmal ansprechen.“

Etas Ärger speist sich auch aus weiteren Fakten. So seien die Meppenerinnen stark ersatzgeschwächt in Hamburg aufgelaufen. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass der Tabellenfünfte aus dem Emsland nach zuvor nur 32 Gegentoren in 21 Spielen ausgerechnet beim Abstiegskandidaten St. Pauli gleich sieben Treffer in nur 90 Minuten kassierte. Wobei festzuhalten ist: St. Pauli galt mit zuvor 27 Toren in 21 Spielen nicht gerade als offensivstark. Und jetzt, im alles entscheidenden letzten Saisonspiel, führte der Tabellendrittletzte gegen Meppen II nach 57 Minuten mit 7:0. Was Benjamin Eta außerdem als merkwürdig empfand: Während die Regionalliga-Frauen angeblich nicht genügend Personal für die Partie in Schwachhausen hatten, wies Limmers zweites Team in der Landesliga einen Kader von 16 Frauen auf. „Die weibliche B-Jugend, aus der sich die Erste vorher auch schon mal bedient hatte, war sogar spielfrei“, sagt Eta. Angesichts dessen wirkt die Absage in Bremen befremdlich – unsportlich ist sie allemal.

Das findet auch Sabine Mammitzsch. „Natürlich bin ich nicht glücklich, so wie es gelaufen ist – Limmers Zweite hätte antreten müssen“, sagt die langjährige Vorsitzende des Frauen- und Mädchenausschusses im Norddeutschen Fußball-Verband (NFV). Das sei in den Statuten allerdings nicht ausdrücklich festgeschrieben. „Und ich kann keinen Verein zum Antreten zwingen“, sagt Mammitzsch. Sie habe in ihrer Amtszeit so einen Fall noch nicht erlebt. Und weil der Fall offensichtlich an mehreren Stellen des NFV für Unbehagen sorgt, wird er auch noch ein Nachspiel haben.

Inzwischen sei das Sportgericht des Verbands eingeschaltet worden, sagt Mammitzsch. Sie vermutet, dass der TSV Limmer noch eine ordentliche finanzielle Strafe erhalten wird, macht dem TuS Schwachhausen jedoch keine Hoffnung, dass es möglicherweise für ihn noch eine Chance auf den Klassenerhalt geben könnte. Denn wie sich das Nichtantreten eines Teams auf die Tabelle auswirkt, ist im Regelwerk festgelegt: Es gibt drei Punkte und 2:0 Tore für den Gegner.

Für Benjamin Eta ist das Thema Regionalliga abgehakt. Ob der SV Meppen II beim FC St. Pauli möglicherweise keinen großen Widerstand geleistet hat und ob der TSV Limmer möglicherweise doch Spielerinnen aus unteren Teams hätte rekrutieren können, spielt bei der rechtlichen Bewertung der ausgefallenen Partie keine Rolle. „Wenn wir eine Chance hätten, würden wir alles dafür tun“, sagt Eta, „ich würde den Anwalt sogar selbst bezahlen.“ Doch die Statuten sähen nichts anderes vor als drei Punkte und 2:0 Tore.

Eta hofft, dass sich die Verbände nun wenigstens Gedanken über das bestehende Regelwerk machen. Für ihn und seine Mannschaft ist das Kapitel Regionalliga zwar beendet, noch nicht aber die Saison: Am Freitag um 18.30 Uhr steht in Obervieland das Bremer Pokalendspiel gegen den Verbandsliga-Meister ATS Buntentor an. So viel ist aber sicher: Die Abschlussfahrt des TuS Schwachhausen Mitte Juni nach Mallorca wird von keinem Liveticker gestört werden.

Zur Sache

Probleme mit dem Strafmaß

Außer beim FC St. Pauli, der den Regionalliga-Abstieg aus eigener Kraft vermeiden konnte, dürfte das Verhalten des TSV Limmer überall auf Wut und Unverständnis stoßen. Das bestehende Regelwerk ist eindeutig: Bei Nichtantreten einer Mannschaft wird das Spiel mit drei Punkten und 2:0 Toren für den Gegner gewertet. Ist das gerecht? „Nein“, sagt Bremens Verbandspräsident Björn Fecker. In Bremen gibt es 5:0 Tore, eine Geldstrafe für das säumige Team und im Jugendbereich zusätzlich die Bestrafung durch Punktabzug für die nächste Saison. Fraglich aber, ob es überhaupt ein gerechtes Strafmaß gibt. Vielleicht wäre in der Regionalliga ein Entscheidungsspiel zwischen Schwachhausen und St. Pauli die sportlich fairste Lösung im Abstiegskampf gewesen.


Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Lokalsport im Überblick

Sport in Bremen: Meldungen aus Bremen und den Stadtteilen

 

Die Norddeutsche: Sport aus Bremen-Nord, Schwanewede, Elsfleth, Berne und Lemwerder

 

Osterholzer Kreisblatt/Wümme-Zeitung: Sport aus Hagen, Hambergen, OHZ, Ritterhude, Gnarrenburg, Worpswede, Tarmstedt, Lilienthal, Grasberg

 

Achimer Kurier/Verdener Nachrichten: Sport aus Achim, Verden, Ottersberg, Oyten, Sottrum, Rotenburg, Langwedel, Thedinghausen, Kirchlinteln, Dörverden

 

Regionale Rundschau/Syker Kurier: Sport aus Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum, Bruchhausen-Vilsen

 

Delmenhorster Kurier: Sport aus Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Dötlingen, Harpstedt, Wildeshausen

Sport aus der Region
Sport aus der Region
Leserkommentare
motser am 23.10.2019 13:45
vielleicht sollte man diesen unseligen Verbund endlich zerschlagen und jedes Krankenhaus eigenständig machen.

Im übrigen ist die ...
Turugeno am 23.10.2019 13:42
Das ist ein Mythos, der immer wieder von gewissen Kreisen gestreut wird, der aber komplett falsch ist.
Die Rente wird vom Bruttolohn gerechnet, ...