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Relegations-Hinspiel gegen Altona 93
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Warum der Bremer SV an den Aufstieg in die Regionalliga glaubt

Mathias Sonnenberg 21.05.2019 2 Kommentare

Ralf Voigt
"Das ist eine sehr stabile Truppe", sagt BSV-Trainer Ralf Voigt über den Gegner. (Christina Kuhaupt)

Am Montag schnaufte Ralf Voigt noch ein letztes Mal durch. Mit dem Auto war er nach Duisburg gefahren, in der Sportschule des Deutschen Fußball-Bundes stand eine Trainer-Fortbildung für A-Lizenzinhaber auf dem Programm. Voigt nutzte den Abstecher in den Sportpark Wedau, um bei der Vereinigung der Vertragsfußballer vorbeizuschauen, „dort habe ich ja einige Jahre gearbeitet“, sagt er. Aber schon auf der späten Rückfahrt am Abend war der Blick wieder auf den Mittwochabend gerichtet: das erste Relegationsspiel gegen Altona 93 im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga (Anpfiff: 19.30 Uhr).

Für den Bremer SV ist es die Woche der Wahrheit. Erst Relegation gegen Altona, dann am Sonnabend (10.30 Uhr) das Pokalfinale gegen den FC Oberneuland, dann am 29. Mai das zweite Relegationsspiel beim Heider SV (19.30 Uhr). Doch während das Pokalspiel in erster Linie einen finanziellen Anreiz bildet (für die erste Runde im DFB-Pokal sind schon mal mehr als 100.000 Euro an Einnahmen möglich), geht es in der Relegation um grundsätzliche Zukunftsfragen. Oder, wie es Bremens Fußball-Boss Björn Fecker sagt: „Das Brutale an der Relegation ist, dass in zwei Spielen der Erfolg einer ganzen Saison gemessen wird.“

Voigt weiß das, als Profi kam er früher häufiger in den Genuss von Alles-oder-nichts-Spielen. Er mag diesen Druck. Und seine Mannschaft habe im entscheidenden Spiel gegen den FC Oberneuland im April (2:1) bewiesen, dass sie die äußeren Umstände ganz gut ausblenden könne. „Da sind wir mit einer Explosivität ins Spiel gegangen, die ich mir auch für das Spiel gegen Altona wünsche“, sagt Voigt. Und überhaupt seien die Spieler in dieser Saison zu einem echten Team zusammengewachsen, „das sind gute Jungs“. Am Wochenende hat Voigt seiner Mannschaft Videos von Altona-Spielen gezeigt. „Das ist eine sehr stabile Truppe“, sagt der Trainer über den Gegner, „da arbeiten alle gegen den Ball.“

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Zweimal hat er Altona selbst beobachtet, fünf Spiele auf Video gesehen. Damit liegt er klar vor Altona-­Coach Berkan Algan, der sich bis Montag noch gar nicht mit dem BSV beschäftigt hatte. „Das muss er selber wissen“, sagt Voigt. Er gilt als akribischer Trainer, der wenig dem Zufall überlassen und auf möglichst viele Situationen in einem Spiel vorbereitet sein will. Am Dienstag hat es das letzte Training gegeben. Wie in den Einheiten am Wochenende ging es darum, die Schwachstellen der Hamburger zu simulieren und das eigene Spiel entsprechend darauf zuzuschneiden. Wo Altona verwundbar ist, will Voigt nicht sagen. „Aber wir sind vorbereitet.“

Seinen Trainer-Kollegen von Altona kennt er persönlich noch nicht. Aber Voigt hat ihn schon mal auf dem Panzenberg erlebt, im Mai 2017. Damals kämpfte der BSV auch gegen Altona um die Regionalliga. Algan war schon Coach und siegte 1:0. Dass es jetzt zu einem Wiedersehen kommt, überrascht Voigt nicht. „Der Anteil an Regionalliga-Spielern ist sehr hoch, da wäre es schon verwunderlich gewesen, wenn sie es nicht in die Relegation geschafft hätten.“

Auf einen Favoriten in der Dreiergruppe will sich der BSV-Trainer nicht festlegen. Experten halten Altona für die stärkste Mannschaft, dem Heider SV als Vierten der Oberliga Schleswig-Holstein (die ersten drei Teams beantragten keine Regionalliga-Lizenz) wird nur eine Außenseiterchance eingeräumt. Bliebe der Bremer SV übrig, der schon als Zweiter in der Gruppe das Ticket in die vierthöchste Liga Deutschlands lösen würde. HSC Hannover als Meister der Oberliga Niedersachsen steigt direkt auf, Eintracht Northeim als Zweiter geht in die Relegation gegen einen Regionalligisten. Jetzt oder nie – so groß war die Aufstiegschance noch nie für den BSV.

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Und entsprechend groß ist die Vorfreude rund um den Panzenberg. Bis zu 1500 Zuschauer werden an diesem Mittwoch erwartet, allein aus Hamburg haben sich um die 400 Anhänger angekündigt. Der Andrang ist so groß, dass Gerd Lenk als einer der BSV-­Macher schon empfiehlt, die Bürgerweide als Parkplatz zu nutzen. Mehrere Fernseh-Teams haben sich angekündigt – endlich wieder großer Amateur-Fußball in Bremen. Schon am Karfreitag waren mehr als 2300 Zuschauer am Panzenberg, um das Spitzenspiel gegen den FC Oberneuland zu sehen. Beim Einlaufen werden die Mannschaften von Kindern begleitet, die auf Bannern noch einmal auf eine Aktion des BSV hinweisen, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung ausspricht. „Auch Altona 93 wird die Aktion ausdrücklich unterstützen“, sagt Lenk.

Auch Fecker wird vor Ort sein, um Bremens beste Fußballmannschaft nach Werders Profi-­Elf und U 23 zu unterstützen. „Ich drücke dem BSV beide Daumen, dass es endlich klappt“, sagt der Präsident des Bremer Fußball-­Verbandes. „Für den Verein wäre es wichtig, jetzt den nächsten Schritt zu machen. Aber auch für uns als Verband wäre es richtig gut, wenn wir einen weiteren Bremer Verein auf der norddeutschen Fußball-Landkarte haben.“ Die Chance, den Sprung zu schaffen, sei dank der Modus-Veränderung jetzt höher als in den vergangenen Jahren. Gedankenspiele, dass der Bremer Meister womöglich mal direkt in die Regionalliga aufsteigen könnte, beendet Fecker sofort. „Ein direkter Aufstieg ist sportpolitisch nicht durchsetzbar.“

Zur Sache

BSV-Trainer Voigt hat noch nicht verlängert

An Lob hat es auf beiden Seiten bislang nicht gemangelt. „Ich weiß, was ich am BSV habe“, sagt Trainer Ralf Voigt. Und Gerd Lenk aus der Sportlichen Leitung des Vereins fügt an, dass man hochzufrieden sei mit der Arbeit des Trainers. Warum also wurde der Vertrag noch immer nicht verlängert? Seit Wochen wird darum gerungen, der Kontrakt von Voigt endet am 30. Juni. Der 54-Jährige ist erst seit einem Jahr Trainer am Panzenberg. Und geht es nach ihm, würde er auch gerne wenigstens noch ein Jahr länger bleiben. „Wir sind ziemlich weit, es fehlen nur ein paar Kleinigkeiten“, sagt Voigt. Dazu zählen Strukturveränderungen im Umfeld, die der BSV derzeit plant.

Die Zuschauer werden nach dem Spiel auf jeden Fall noch ein Elfmeterschießen sehen. Der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) möchte damit im Vorfeld einen Sieger für den Fall haben, dass es nach den drei Relegationsspielen womöglich zwei Teams mit gleichem Punkt- und Torverhältnis gibt. „Damit sind wir auf der sicheren Seite“, sagt Jana Miglitsch aus der NFV-Geschäftsführung. Deshalb der Tipp an alle Zuschauer: nicht zu früh den Panzenberg nach dem offiziellen Abpfiff verlassen.


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