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Zukunft der Eisbären weiter offen

Frank Büter 03.07.2019 0 Kommentare

Wenn es weitergeht bei den Eisbären, wäre er der Wunschtrainer: Michael Mai, der selbst bereits Interesse bekundet hat, mit Bremerhaven in die Pro A gehen zu wollen. Mai kennt die Zweite Liga, dort hat er unter anderem in Karlsruhe bereits
Wenn es weitergeht bei den Eisbären, wäre er der Wunschtrainer: Michael Mai, der selbst bereits Interesse bekundet hat, mit Bremerhaven in die Pro A gehen zu wollen. Mai kennt die Zweite Liga, dort hat er unter anderem in Karlsruhe bereits erfolgreiche Arbeit geleistet. (Peter/Hansepixx)

Für Wolfgang Grube ist der Basketballsport in Bremerhaven eine Herzensangelegenheit. Über Jahrzehnte hinweg hat sich der Unternehmer aus Elmlohe für seine Sportart und die 2003 aus dem Stammverein BSG Bremerhaven ausgegliederte Eisbären Marketing GmbH eingesetzt: als Aktiver mit Hochzeiten in den 1980er-Jahren, als langjähriger Mäzen sowie Gesellschafter und aktuell auch als Geschäftsführer. In diesen Tagen, nein: Eigentlich seit dem 12. Mai dieses Jahres, seit dem Tag des sportlichen Abstiegs der Eisbären Bremerhaven aus der Basketball-Bundesliga, kämpft Wolfgang Grube nun um den Standort Bremerhaven, er kämpft um die Zukunft seines Vereins. Es ist ein Kampf mit vielen Unbekannten. Ein Kampf, der Wolfgang Grube allmählich mürbe macht. Er sagt: „Ich bin frustriert.“

Seit dem Abend des 12. Mai ist bei den Eisbären nichts mehr, wie es war. Kurz zuvor war bereits bekannt geworden, dass der Klub, der seit dem Aufstieg 2005 ununterbrochen in der Ersten Liga vertreten war, für die nächste Saison keine Lizenz erhalten sollte. Der Verein, den eine Altschuldenlast von rund 800 000 Euro drückt, war beim Lizenzantrag den Nachweis des geforderten positiven Eigenkapitals in Höhe von 250.000 Euro schuldig geblieben.

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Die Eisbären überlegten noch, Berufung gegen diesen negativen Lizenzentscheid einzulegen, da trat an diesem letzten Spieltag schließlich noch das denkbar schlimmste Szenario ein: Während Konkurrent Crailsheim Merlins den Tabellenzweiten Oldenburg bezwang, verloren die Eisbären Bremerhaven beim Mitteldeutschen BC mit 87:90 – und waren damit auch sportlich in die zweitklassige Pro A abgestiegen.

Die Stadt soll helfen

Die Eisbären standen plötzlich vor einem Scherbenhaufen. Die Planungen der Verantwortlichen waren komplett auf die Bundesliga ausgerichtet, einen Plan B gab es nicht. Dafür aber besagte Verbindlichkeiten über 800 000 Euro – und viele Fragezeichen in wirtschaftlicher Hinsicht. Immerhin hat der Verein die Lizenz für Liga zwei bekommen, wenn auch nur unter Auflagen. Einen Mindestetat müssen die Eisbären in der Pro A nicht aufbringen, sie müssen aber den eingereichten Finanzplan einhalten und – so die Auflage des Lizenzausschusses – bis zum Stichtag 15. Juli zumindest 80 Prozent der im Lizenzantrag angegebenen Sponsorenverträge nachweisen.

Stichtag 15. Juli also, die Zeit rennt. Und noch immer herrscht bei den Eisbären eine große Unsicherheit darüber, ob sie überhaupt für die Pro A melden werden. Es geht, na klar, um den Etat. Grundsätzlich wolle man die Pro A angehen, gewisse Kriterien sollten aber erfüllt sein, sagt Wolfgang Grube. Und er sagt auch: „Wir müssen rechnen und sehen, wie groß das Risiko ist.“ Rechnen kann der Geschäftsführer weiterhin mit der Unterstützung des Hauptsponsors BLG Logistics, der sein Engagement unabhängig von der Ligazugehörigkeit für zwei Jahre verlängert hat.

„Die anderen Sponsoren sind aber zögerlich“, sagt Wolfgang Grube. Sponsoren, die ihr bisheriges Engagement von der Bundesligazugehörigkeit abhängig gemacht haben und nun ihre Unterstützung zurückschrauben wollen. Und auch von der Stadt Bremerhaven fehlt noch eine Rückmeldung. Als Bundesligist sind die Eisbären im Rahmen einer Leistungsvereinbarung mit der Tourismusgesellschaft „Erlebnis Bremerhaven“ bisher pro Saison mit 450.000 Euro unterstützt worden. Als Pro-A-Ligist fällt der Werbewert der Eisbären für die Stadt Bremerhaven indes niedriger aus.

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Um welchen Betrag diese Summe gekürzt wird, weiß Grube noch nicht. Er weiß aber, dass die Zeit drängt. „Um hier weiter Profisport bieten zu können, brauchen wir die Unterstützung der Politik“, sagt der Unternehmer und denkt dabei auch an eine Reduzierung der Miete für die Heimspiele in der Stadthalle. Rund 9000 Euro haben die Eisbären bisher pro Spieltag berappen müssen, Grube wünscht sich eine Halbierung dieses Betrags. Und er sagt auch: „Wir brauchen möglichst bald eine Entscheidung.“

Die Frist, sie sitzt den Eisbären-Chefs im Nacken. Der Etat für eine Spielzeit in der Pro A sollte bei etwa zwei Millionen Euro liegen, hatte Co-Geschäftsführer Marc Bergmann schon vor einigen Wochen gesagt. Und er hatte mit Blick auf die Altlasten der Eisbären Marketing GmbH in Höhe von rund 800 000 Euro auch betont: "Wir brauchen einen echten Neuanfang und eine Perspektive. Diese Kredite müssen weg, sonst haben wir gar keine Chance auf einen Wiederaufstieg.“

Frage nach sportlicher Zukunft muss geklärt werden

Die Herausforderung der nächsten Tage besteht also darin, besagten Etat aufzustellen und die Frage nach der sportlichen Zukunft zu klären. Sollten die Eisbären dann aber für die Pro A melden, gibt es noch weitere große Baustellen. Denn bis dato gibt es keinen Spielerkader und auch keinen Trainer. In der zweiten Juni-Hälfte hatten sich die vier Klub-Gesellschafter getroffen, um die Lage zu erörtern. Zu den Gesellschaftern zählt auch Sportdirektor Dan Panaggio, der in Florida eine Sportakademie betreibt, in der unter anderem Basketballspieler ausgebildet werden. Panaggio hat Kontakte – und er will seine Pläne, in Bremerhaven einen Akademie-Ableger aufzubauen, auch trotz des Bundesligaabstiegs weiter vorantreiben.

Man sei dabei, einen Kader zusammenzustellen, sagt Wolfgang Grube. Und er hat auch schon einen Wunschkandidaten für den Trainerposten im Blick. Dabei handelt es sich – wenig überraschend – um Michael Mai. Der 44-Jährige hatte die Eisbären in der Endphase der abgelaufenen Saison übernommen und unter anderem durch eine Serie von fünf Heimsiegen in Folge zwischenzeitlich wieder auf den sportlichen Klassenerhalt hoffen lassen. Der Pro-A-erfahrene Mai hat in Bremerhaven fraglos einen guten Job gemacht – und deshalb sagt auch Wolfgang Grube: „Wir möchten gerne mit ihm weiterarbeiten.“ Was zunächst einmal positiv klingt. So, als sollte es doch mit dem Leistungsbasketball in Bremerhaven weitergehen. Grube kämpft dafür. Bis zum Stichtag sind es noch elf Tage.

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Zur Sache

Die Altlast wird zur Last

Ab der kommenden Spielzeit müssen die Teams in der Basketball-Bundesliga einen auf drei Millionen Euro erhöhten Mindestetat und ein positives Eigenkapital in Höhe von 250 000 Euro nachweisen. Diesen Nachweis hatten die Eisbären Bremerhaven bei ihrem Lizenzierungsantrag nicht erfüllt, „da war noch eine große Lücke", hatte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz gegenüber dem WESER-KURIER geäußert. Eine Lücke, die auf Altschulden des Vereins in Höhe von etwas mehr als 800.000 Euro zurückzuführen ist. Für einen Großteil dieser Summe, nach Informationen des WESER-KURIER handelt es sich um 645.000 Euro, hat die Stadt Bremerhaven eine Bürgschaft bis zum Jahr 2032 übernommen.

Sollten die Eisbären in die Insolvenz gehen, würde die Stadt Bremerhaven für diesen Betrag zur Kasse gebeten werden. Dass die Stadt die Verbindlichkeiten ausgleichen könnte, ist derweil keine Option, hatte Bürgermeister Torsten Neuhoff betont und dahinter sogar „ein Nein mit Ausrufezeichen“ gesetzt. Wollen die Eisbären also perspektivisch in die Bundesliga zurückkehren, müssen sie andere Wege finden, um die Schulden zu tilgen und damit die Lizenzierungsvoraussetzungen zu erfüllen.


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Leserkommentare
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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