Bremer Amateurfußball

Fortsetzung erst im neuen Jahr

Der Beirat des Bremer Fußball-Verbandes hat die Weichen für den weiteren Spielbetrieb gestellt. Die Fortsetzung erfolgt erst im neuen Jahr, drei Szenarien sind denkbar.
20.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Fortsetzung erst im neuen Jahr

Fortsetzung erst im neuen Jahr: Der Brinkumer SV um Nicolai Gräpler (am Ball) geht als Spitzenreiter der Bremen-Liga in die vorgezogene Winterpause.

Thorin Mentrup

Bremen. Es gab etwas Gesprächsbedarf. Unterm Strich benötigte der Beirat des Bremer Fußball-Verbandes (BFV) aber nicht allzu lange, die „Szenarien für den Spielbetrieb“ weitgehend anzunehmen und die Weichen für die kommenden Monate zu stellen. „Es war ja auch ein überzeugendes Konzept“, sagt Sebastian Störer, als Leiter des Arbeitskreises Zentrale Spielansetzung einer der Urheber der Vorlage. Ab sofort – und dank der Zustimmung des Gremiums – ist die Fortführung des Bremer Amateurfußballs also von Szenarien abhängig. Der BFV hatte sie am Wochenende in mehreren Online-Konferenzen den Vereinen vorgestellt. Er war dabei der Prämisse gefolgt, dass in diesem Jahr kein Fußball mehr gespielt werden kann – trotz der bislang nur bis zum 30. November datierten Beschränkungen.

Schließlich befindet sich in diesen Tagen nicht eine einzige Mannschaft im Training. Der bereits im Sommer garantierte Vorlauf von zwei Wochen hätte einen Restart erst zum Wochenende des 19./20. Dezember ermöglicht. Also sollte man es lieber gleich lassen. „Mit der Entscheidung des Beirats ist es durch: Wir befinden uns ab sofort in der Winterpause“, sagt Sebastian Störer. Seine Feststellung zählt allerdings zu den einzigen Fakten dieser Zeit. Wie es weitergeht, weiß niemand so genau. Auch nicht der Leiter des Arbeitskreises Zentrale Spielansetzung: „Wir haben keine Glaskugel, wenn wir wieder können, dann spielen wir.“

Das Szenario 1 beschäftigt sich also mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Januar und geht von einem Abschluss der Hinrunde bis zum 31. März aus. Hier würden sich eine Aufstiegsrunde mit jeweils acht Mannschaften und eine Abstiegsrunde mit dem Rest der Teams anschließen. Kann erst im Februar begonnen werden, tritt Szenario 2 in Kraft: Dann wird lediglich die Hinrunde bis zum Juni abgeschlossen, und die sich daraus ergebende Tabelle entscheidet über Meisterschaft und Abstieg. Das Szenario 3 beschäftigt sich wiederum mit dem Fall, dass im Januar gespielt und auch die Hinrunde abgeschlossen werden kann, danach aber wieder eine Pause notwendig wird. Könnten die sich anschließenden Spiele (Auf- und Abstiegsrunde) dann nicht allesamt ausgetragen werden, so würden diese annulliert – und es käme wiederum nur auf die Tabelle nach der Hinrunde an.

„Es ist schon ein sehr komplexes Thema“, findet Sebastian Störer. Mit dieser Einschätzung dürfte er nicht allein sein. Es gab auch ein recht gutes Beispiel für diese Komplexität. So wurde auf der Beiratssitzung intensiv über ein ganz bestimmtes Verfahren von Szenario 2 diskutiert: Wie werden die Duelle in Auf- und Abstiegsrunde eigentlich angesetzt? Gelten die Runden als neue „Ligen“ oder bezieht man die Hinrunde ein? Die Frage ist insofern von Bedeutung, als dass eine Mannschaft ohne Berücksichtigung der Hinrunde in der gesamten Saison 2020/2021 durchaus zwei Heimspiele gegen denselben Gegner haben kann – oder eben zwei Auswärtsspiele. Der Beirat entschied sich deshalb mehrheitlich dafür, die „alten“ Ansetzungen zu berücksichtigen und so die Wiederholung einer Paarung auszuschließen. „Es gibt für beide Seiten durchaus Vor- und Nachteile“, sagt Sebastian Störer.

Es sei nun schließlich möglich, dass ein Team in seiner entscheidenden Runde ausschließlich zu Heim- oder Auswärtsspielen antreten muss. Störer: „Wenn etwa der Tabellenachte in der Hinrunde die ersten Sieben zu Heimspielen empfangen hatte, tritt er in der Aufstiegsrunde nur noch auswärts an.“ Aber immerhin gibt es nun Klarheit. Für den Fall, dass nicht einmal die Hinrunde bis zum kommenden Juni zu einem Abschluss gebracht werden kann, lässt sich das nicht behaupten. Das Szenario 4 – es hätte die Quotienten-Regel in der dann aktuellen Tabelle zur Anwendung gebracht – wurde vom Beirat nämlich nicht durchgewunken. Darüber möchte man sich später noch einmal verständigen.

Das kann Störer akzeptieren, schließlich ist der diesem Modell zugrunde liegende Fall doch „nicht wahrscheinlich“. Doch der Fachmann findet auch: „Wir sollten eine zeitnahe Entscheidung treffen, denn je weiter du nach hinten gehst, desto mehr kommen Vereinsinteressen ins Spiel.“ Es geht für den Fall des Abbruchs der Hinrunde schließlich um die Frage, ob die Saison gewertet oder annulliert wird. Erfolgt überhaupt kein Spiel mehr und würde nach Quotienten-Regel gewertet, dann wäre etwa der Brinkumer SV der Bremer Meister des Jahres 2021 – nach gerade mal acht Saisonspielen.

Insofern spielt es eine Rolle, ab wie vielen Spielen eine Wertung sinnvoll ist. In der Jugend – die ansonsten ebenso wie der Frauenbereich weitgehend analog verfährt – gibt es eine 50 Prozent-Regel: Danach erfolgt eine Wertung auf Grundlage des Quotienten nur, wenn mindestens die Hälfte der Partien absolviert sind. Sebastian Störer kann sich gut vorstellen, dieses Verfahren auch im Herrenbereich anzuwenden. Dann müsste der Brinkumer SV allerdings noch mindestens ein weiteres Spiel absolvieren, um als Meister gewertet zu werden.

Info

Zur Sache

So setzt sich der Beirat zusammen

Der Beirat ist nach dem alle vier Jahre anberaumten Verbandstag das höchste Gremium im Bremer Fußball-Verband. Er umfasst 29 Mitglieder. Zum einen den BFV-Vorstand, der neben dem vierköpfigen Präsidium um Präsident Björn Fecker unter anderen die Vorsitzenden der Ausschüsse (Spielausschuss, Jugendausschuss, Frauen- und Mädchenausschuss, Schiedsrichterausschuss und Rechtsausschuss) sowie die Kreisvorsitzenden (Bremen-Stadt, Bremen-Nord und Bremerhaven) umfasst. Den insgesamt 14 Funktionären stehen allerdings 15 Vereinsvertreter gegenüber. Sie stellen also die Mehrheit des Beirates.

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