Eisbären Bremerhaven Chris Harris wird Chefcoach bei Phoenix Hagen

Der Co-Trainer der Eisbären wechselt zwar von der ersten in die zweite Liga, freut sich aber auf seine Aufgabe in der Basketball-verrückten Stadt. 2003 hatte Harris dort seine Deutschland-Karriere gestartet.
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Chris Harris wird Chefcoach bei Phoenix Hagen
Von Jörg Niemeyer

„Ich werde öfter an die tolle Zeit im Norden zurückdenken – mit dem absoluten Highlight, dem Sieg zum Klassenerhalt gegen Gießen am 1. Mai.“ Knapp sieben Monate liegen zwischen diesem Glücksmoment von Chris Harris und seiner Aussage vom vergangenen Freitag, mit der der Kanadier seinen Abschied von den Eisbären Bremerhaven nahm. Der bisherige Co-Trainer des Basketball-Bundesligisten wechselte mit sofortiger Wirkung zum Zweitligisten Phoenix Hagen, dessen Mannschaft er bereits am Montag übernahm.

Nun hat Harris' überraschender Wechsel jedoch nichts mit der sportlichen Situation der zuletzt wieder schwächelnden Eisbären zu tun. Vielmehr ist er für den 39-Jährigen eine einmalige Chance. „Aus rein sportlicher Sicht ist der Schritt zum Headcoach für mich sehr attraktiv“, sagte Harris an seinem ersten offiziellen Arbeitstag dem WESER-KURIER. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefcoach der Eisbären darf er nun also endlich wieder als erster Mann arbeiten. Auch deshalb, weil ihm sein bisheriger Klub keine Steine in den Weg gelegt hat. „Wir lassen Chris ungern ziehen“, hatte Geschäftsführer Wolfgang Grube am Freitag gesagt, „aber diese Chance muss er einfach nutzen.“ Und so gaben die Bremerhavener ihn nach gut vier Jahren aus seinem laufenden Vertrag frei.

Harris verlässt die Seestadt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich bin glücklich, dass ich bei den Eisbären so viele Erfahrungen sammeln durfte“, sagte er. Seit 2014 hatte er als Assistent von Calvin Oldham, Muli Katzurin, Sebastian Machowski und dem aktuellen Trainer Arne Woltmann gearbeitet – unterbrochen von der Zeit als Chefcoach zwischen Anfang November 2015 und Anfang März 2016. Es war „meine vielleicht chaotischste Saison bei den Eisbären“. Noch als Interimstrainer nach Katzurins Entlassung, feierte Harris mit seinem Team einen triumphalen Sieg bei Alba Berlin, um kurz darauf gegen Aufsteiger Crailsheim eine ebenso unerwartete Niederlage zu kassieren. Es ging rauf und runter mit den Gefühlen – der Beförderung zum Chef sollte bald schon die Degradierung zum Assistenten folgen.

Doch Harris blieb den Eisbären treu. „Er war immer engagiert und loyal“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Grube. Und wäre es wohl noch länger gewesen, wenn nicht das verlockende Angebot aus Hagen gekommen wäre. „Coming Home“: So überschrieben die Hagener auf ihrer Homepage die Rückkehr des Kanadiers „nach Hause“. Der ehemalige Student der Universität von Calgary startete 2003 beim traditionsreichen BBV Hagen seine Karriere in Deutschland – erst als Spieler, bald darauf, parallel bis 2012, als Nachwuchstrainer und -koordinator und zeitweilig als Coach der ersten und zweiten BBV-Mannschaft.

Es ist daher kein Wunder, dass sich die Hagener über Harris' kurzfristige Verpflichtung mächtig freuen. „Er ist ein absoluter Glücksfall für uns, denn er kommt zur richtigen Zeit an den richtigen Ort“, sagte Hagens Geschäftsführer Patrick Seidel. Dass „der richtige Zeitpunkt“ ausgerechnet mitten in der laufenden Saison liegt, ist der Tatsache geschuldet, dass Phoenix am 10. November den bisherigen Cheftrainer Kevin Magdowski entließ. Das 87:113 am Abend zuvor gegen die Tigers Tübingen hatte das Fass bei den ambitionierten Hagenern zum Überlaufen gebracht. Die Co-Trainer Alex Nolte und Tobit Schneider übernahmen, und mit ihnen kehrte schon am 11. November der Erfolg zurück.

Seit diesem Tag holte Phoenix drei Siege und mischt als derzeitiger Tabellenzwölfter im Kampf um die Play-off-Plätze eins bis acht wieder kräftig mit. Es grenze an ein Wunder, was die Co-Trainer in den vergangenen beiden Wochen geleistet haben, sagte Harris und versprach den Hagener Fans, sich mit „meiner ganzen Energie“ der neuen Aufgabe zu widmen. Am Sonnabend, beim überraschenden 84:70 über den Tabellenzweiten Hamburg Towers, saß Harris unter den 2156 Besuchern noch auf der Tribüne und genoss die tolle Atmosphäre. Vor allem die zweite Halbzeit der Hagener, als sie nach 42:50-Pausenrückstand das Blatt wendeten, hatte ihm imponiert.

Harris genießt seine Rückkehr ins Basketball-verrückte Hagen. „Ich war erst einen Tag hier, und es fühlte sich an wie ein altes Klassentreffen“, sagte er. Natürlich fehlen ihm die Bremerhavener Fans, das Helfer-Team im Verein und die Sponsoren. „Und Fischbrötchen und die frische Luft werde ich auch vermissen.“ Das alles wird ihn aber nicht davon abhalten, sich auf die neue Aufgabe zu konzentrieren. Sein erstes Ziel? Er möchte Phoenix als dauerhaftes Play-off-Team in der Pro A etablieren. Und sein Fernziel? Wenn alles passen sollte, auch finanziell, der Aufstieg in die Bundesliga. Das allerdings, so vermutet Harris, werde nicht in kurzer Zeit geschehen.

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