Fechten Clauß ist einer der jüngsten deutschen Kampfrichter

Vegesack. Der Vegesacker Fabian Clauß gehört zu den jüngsten offiziellen Wettkampfrichtern des Deutschen Fechter-Bundes (DFB). Während seiner Schulzeit hat der 18-Jährige auch selbst an Trainingseinheiten und Wettbewerben teilgenommen.
23.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Vegesack. Sein seitlich ausgestreckter Arm mit offener Hand zeigt den Treffer an. "Touché", stellt Fabian Clauß in der Sporthalle von Lille fest, wo Europas beste Senioren-Florettfechter die Klingen kreuzen. Das Wort geht dem 18-jährigen Vegesacker locker über die Lippen. Schließlich gehörte Französisch zu den Lieblingsfächern des frischgebackenen Abiturienten, der zu den jüngsten offiziellen Wettkampfrichtern des Deutschen Fechter-Bundes (DFB) zählt.

Kuhlmaystraße in Vegesack: Das vor rund einem Vierteljahrhundert gebaute Einfamilienreihenhaus zeichnet sich durch ungewöhnliche, wenngleich attraktive Wohnebenen aus. Wegen der topografischen Lage geht es über "Halb-Etagen", wie Fabian es formuliert, vom tief gelegenen Eingang in die anderen Wohnregionen. Das Zimmer des 18-Jährigen befindet sich auf dem Gipfel, den er in der Schule mit der Reifeprüfung erlangt hat, der auf seiner Klettertour als Wettkampfrichter im Florett in Sichtweite ist.

Viele Schnupperstationen

Als Vegesacker Steppke hat sich der junge Mann in etlichen Sportarten probiert. Judo, Fußball oder Schwimmen waren Schnupperstationen, bevor ihm zwischen Eisbuden und Karussells auf dem Vegesacker Markt ein Zettel des Fechtclubs Bremen-Nord in die Hand gedrückt wurde. Im Alter von sieben Jahren stand Fabian Clauß erstmals auf der Planche. Mit dem Sportgerät, das die "Drei Musketiere" und der "Rote Korsar" zu cineastischem Weltruf gebracht haben: Florett. Ursprünglich eine reine Übungswaffe, bei der nur die Treffer mit der Klingenspitze auf den Rumpf oder auf den Maskenlatz gezählt werden.

Und genau darauf hat der Kampfrichter zu achten. Zudem muss er zum Beispiel die Ausrüstung der Fechter überprüfen, für die Ordnung auf der 14 Meter langen und 1,5 Meter breiten Bahn sorgen oder Verstöße gegen die Wettkampfregeln bestrafen. Mit gelben oder roten Karten.

Dem 18-jährigen Vegesacker kommt dabei seine jahrelange Wettkampferfahrung zugute. Die nicht nur für eine gute Kondition gesorgt, sondern auch die Reaktionsschnelligkeit gefördert hat. Sportmedizinische Tests haben ergeben, dass Tischtennisspieler und Fechter die kürzeste Reaktionszeit unter Sportlern besitzen.

Fabian Clauß hat während seiner Schulzeit zwei bis drei Mal in der Woche mit dem Florett trainiert, fast jedes Wochenende an Wettbewerben im gesamten nordwestdeutschen Raum sowie an fünf deutschen Meisterschaften teilgenommen. Die Lieblingswaffe der französischen, spanischen und italienischen Adeligen des 17. Jahrhunderts will er auch weiterhin auf der Planche in die Hand nehmen. Zurzeit aber sieht er seine fechtsportliche Zukunft eher neben der Bahn.

Vor zwei Jahren bestand er Prüfungen des Deutschen Fechter-Bundes, wurde einer der jüngsten Kampfrichter in der Republik und ist mittlerweile ein begehrter Referee. Denn längst nicht alle Vereine oder Verbände können Schiedsrichter stellen, müssen deshalb bei Wettbewerben einen Obolus entrichten. Oder aber sie greifen auf "Leiharbeiter" zurück, die zwar ebenfalls zu entlohnen, aber preiswerter sind. Für jemanden, der eben noch die Schulbank drückte, ein schönes Zubrot. "Manchmal", sagt Fabian freimütig, "komme ich auf 400 Euro im Monat."

Der Job neben der Planche ist denn auch zurzeit die einzige Verdienstquelle für den 18-Jährigen, der jetzt seinen Computer hochfährt. Und schon ist zu sehen, was ihn neben dem Fechtsport fasziniert: die Fotografie.

Zigtausende von Aufnahmen hat er gespeichert. "Chita", die 15-jährige Katze des Hauses, von allen Seiten. Die Wand über Schreibtisch und Computer gleicht einem großes Mosaik von Fotografien. Meistens Portraitaufnahmen beispielsweise von Freundin Charlotte. Sicher ist er sich nicht, aber Fotograf zu werden und damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, könnte sich der junge Vegesacker schon vorstellen.

"Zunächst wird ein freiwilliges soziales Jahr gemacht"

So richtig aber, räumt der einzige Sohn der Familie Clauß in der Kuhlmaystraße ein, wisse er noch nicht, welchen Berufsweg er einmal einschlagen werde. Nur so viel steht für ihn fest: "Zunächst wird ein freiwilliges soziales Jahr gemacht." Und natürlich weiter darauf geachtet, dass die Gegner auf der Planche nicht gegeneinander, sondern miteinander die Klingen kreuzen. Gemäß Lektion eins für jeden Fecht-Anfänger: "Der Gegner ist nicht der Gegner, sondern der Partner."

Die Gegner, die diese Regel vor drei Wochen im französischen Lille zu beachten hatten, waren so alt wie Fabians Eltern. Zum ersten Mal war der Nordbremer als Kampfrichter zu einer Europameisterschaft eingeladen worden. Rund 1800 Aktive kämpften in der Kategorie "40 plus" um Titelehren.

Und als Fabian Clauß das Duell eines französischen und eines belgischen Musketiers unterbrechen musste, fragten sie ihn, ob er Franzose sei. Das, sagt der 18-Jährige, der in der Schule vor allem den Mathe- und Französisch-Unterricht mochte, habe ihn schon mächtig stolz gemacht.

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