Corona-Pandemie Wirbel um Corona-Verordnung

Der Bremer Senat hat weitere Lockerungen für den Sport angekündigt, Kontaktsport mit bis zu zehn Personen soll ab kommendem Sonnabend wieder erlaubt sein. Die Details dazu werden am Freitag veröffentlicht.
25.06.2020, 10:32
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Wirbel um Corona-Verordnung
Von Frank Büter

Später Vormittag in der Geschäftsstelle des Landessportbundes (LSB) Bremen, es herrscht rege Betriebsamkeit. Am Vortag hat der Senat im Rahmen einer Pressekonferenz Lockerungen für den Sport im Land Bremen bekanntgegeben. „Und nun warten wir alle auf die Details dieser Lockerung“, schildert LSB-Geschäftsführerin Karoline Müller. Details zur neuen Corona-Verordnung, die die Hansestadt Bremen als sogenanntes Gesetzblatt an diesem Freitag öffentlich macht. Das Telefon klingelt in schöner Regelmäßigkeit, zudem gibt es viele Nachfragen per Email.

Karoline Müller und Daniel Fangmann, Koordinator für Breiten-, Gesundheits- und Leistungssport im LSB, kennen ein solches Szenario. Seit Beginn der Corona-Pandemie bemüht sich dieses Duo, den Vereinen Antworten zu geben. Unsicherheiten zu beseitigen. „Wir sind die Corona-Task-Force“, sagt Karoline Müller und muss dabei lachen. Daumen hoch, Fangmann pflichtet bei. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten tun die beiden LSB-Mitarbeiter ihr Möglichstes und lassen sich dabei nicht stressen. Auf der Geschäftsstelle denkt man serviceorientiert. Man will den im LSB organisierten Sportvereinen entgegenkommen. Will ihnen Hilfestellung geben und Sorgen nehmen.

Nach jeder neuen, den Sport betreffenden Verordnung rund ums Thema Corona werden die Klubs per Mail auf den neusten Stand gebracht. Gleichzeitig werden in der Geschäftsstelle noch offene Fragen gesammelt, gebündelt und dann sportartübergreifend zur Beantwortung an das Gesundheits- oder Ordnungsamt weitergeleitet. „In der Corona-Krise ist das nun schon seit Monaten Teil unseres Jobs“, sagt Karoline Müller.

An diesem Mittwoch herrscht nun also wieder Hochbetrieb bei der Task Force des LSB. „Kontaktsport ist mit bis zu zehn Personen wieder möglich“, heißt es in einer Senatsmitteilung. Gelten soll die Verordnung ab Sonnabend. Die Formulierung ist knapp gehalten. Und sie lässt inhaltlich – und sportartübergreifend – noch ganz viel Raum für Interpretationen. Kleinfeld-Fußball? Fünf gegen fünf? Mit echten Zweikämpfen um den Ball? „Ich habe die Formulierung so verstanden, als wenn das wieder möglich ist und die Abstandsregelung hier nicht mehr zur Anwendung kommt“, sagt Oliver Baumgart, der Pressereferent des Bremer Fußball-Verbandes.

Endlich wieder Zweikämpfe, Spiele auf kleine Tore. Nicht nur Technik-, Pass- und Schusstraining. „Gerade die Kids in den jüngeren Altersklassen“, mutmaßt Baumgart, „wird es freuen, dass wieder andere Trainingsformen möglich sind.“ Im Seniorenbereich wiederum herrsche derzeit Land auf, Land ab Pause, nachdem die Spielzeit im Rahmen des jüngst online abgehaltenen Verbandstages offiziell für beendet erklärt wurde. Die Lockerung des Bremer Senats hinsichtlich des Kontaktsports wertet der Verbandssprecher aber „als Zeichen, dass es in die richtige Richtung geht“, so Baumgart. Als Zeichen mit Blick auf einen möglichen Start der neuen Saison 20/21 im September und gerade auch mit Blick darauf, dass unter Wahrung der grundsätzlichen Abstands- und Hygieneregeln nun auch wieder bis zu 200 Zuschauerinnen und Zuschauer bei Sportveranstaltungen erlaubt sind. „200 ist eine gute Zahl“, sagt Oliver Baumgart. „Mit 200 Zuschauern kommen wir abgesehen von zwei, drei Ausnahmen im Bremer Amateurfußball ja gut hin.“

In anderen Sportarten mag man sich derweil noch nicht so viele Gedanken um Zuschauerzahlen machen. In anderen Sportarten geht es in erster Linie mal darum, überhaupt wieder die Sportart mit Kontakt ausüben zu können. Etwa im Judo, eine Sportart, „die man nur mit echtem Partner ernsthaft ausüben kann“, wie Verbands-Chef Norbert Specker betont (siehe auch nebenstehendes Interview). Oder wie beim American Football, einer weiteren typischen Kontaktsportart. Normalerweise kämpfen sich die Aktiven hier mit großem körperlichen Einsatz Yard für Yard in Richtung gegnerische Endzone vor. Bei den Bremen Firebirds aber sah das Training zuletzt so aus, dass sich die Spieler beim Tackeln mit einem Stapel Autoreifen messen mussten.

Die Verhältnisse seien schwierig, sagt Oliver Minschke, der Headcoach der Firebirds. Woche für Woche muss er seine Mannen bei Laune halten, hinzu kommt, dass die Footballsaison 2020 bereits komplett abgesagt worden ist. Keine leichte Aufgabe also für Oliver Minschke und seine Kollegen im Trainerstab. Umso mehr, sagt Minschke, „freue ich mich, wenn wir bald wieder in Kleingruppen mit Körperkontakt trainieren dürfen“.

Freude, die übrigens auch die Tänzer im Grün-Gold-Club Bremen teilen. Egal ob im Paar- oder Formationsbereich, die Aktiven können hier ihrem Hobby wieder fast ohne Einschränkungen nachgehen. Natürlich seien weiterhin einige Hygienevorschriften und auch die Indoorabstandsregel von zwei Meter einzuhalten, erklärt Vereinspräsident Jens Steinmann. Die Belegung der Trainingssäle sei aber von der Anzahl der Paare her fast wieder im üblichen Bereich. Dass man sich anfassen und nun auch den Tanzpartner mal wechseln darf, ist für Steinmann „ein Schritt mehr zurück in die Normalität“.

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