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Hiesige Vereine hängen weiter in der Warteschleife

Die hiesigen Tennisspieler hoffen auf eine baldige Rückkehr auf den Platz und blicken neidisch nach Bremen. Anfang kommender Woche könnte es neue Regelungen seitens der Politik geben.
01.05.2020, 13:28
Lesedauer: 5 Min
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Hiesige Vereine hängen weiter in der Warteschleife
Von Michael Kerzel
Hiesige Vereine hängen weiter in der Warteschleife

In Niedersachsen dürfen Tennisspieler derzeit nicht auf die Anlagen. Sie hoffen, dass es in der kommenden Woche Lockerungen geben wird.

imago

Die hiesigen Tennisspieler werfen aktuell neidische Blicke auf ihre Nachbarn aus Bremen. Der aus diversen politischen Entscheidungen entstandene Flickenteppich ist um eine Facette reicher. Seit Kurzem dürfen die Tennisvereine aus Bremen ihre Plätze wieder nutzen, während in Niedersachsen weiterhin die Ampel auf rot steht. Zuletzt hatte sich Niedersachsens Sportminister Boris Pistorius für eine schrittweise Wiederaufnahme des Sportbetriebs ab Anfang Mai ausgesprochen, wenn der Verlauf der Corona-Pandemie sich nicht verschlechtere. Doch wie die Entscheidung ausfällt und ob die Filzkugel bald wieder über das Netz fliegen darf, ist noch nicht geklärt.

Jochen Koberg, Vorsitzender des Huder TV, hofft auf eine Öffnung der Tennisplätze unter Auflagen und hält diese auch für richtig und sinnvoll. Die Risiken einer Ansteckung seien händelbar. „Wir haben viele Kinder und Jugendliche und auch viele ältere Spieler in unseren Verein. Die Jüngeren sind unbedacht und bei einigen der Älteren ist Corona in der Aufmerksamkeit noch nicht so richtig angekommen. Es gibt also schon die Gefahr, dass der Tennisverein eine Übertragungsstation für das Coronavirus ist“, sagt Koberg vorweg. Dennoch könne der Kontakt auf der Anlage vermieden werden, da diese groß genug sei. „Die Duschräume können wir abschließen und unter freiem Himmel auf unseren beiden Trainingsplätzen ist genug Raum“, erklärt er. Die jüngeren Spieler stünden zudem unter der Aufsicht eines Trainers, sollte der Tennissport wieder erlaubt werden. „In Bremen ist Training mit einem Trainer und zwei Leuten erlaubt. Der Trainer achtet dann schon darauf, dass da nicht fünf Kinder als Gruppe rumlaufen“, meint Koberg.

In Bremen funktioniert es

Er selbst wohnt in Bremen und hat auch schon wieder gespielt. „Ich habe da sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Leute gehen mit der Lockerung sehr verantwortungsbewusst um. Es herrscht, zumindest gefühlt, eine große Dankbarkeit, dass wieder gespielt werden darf. Und das will niemand aufs Spiel setzen“, meint Koberg. Ob Niedersachsen dem Beispiel Bremens folgt? Koberg ist eher skeptisch. „Ich bin mir da nicht so sicher, dass es in Niedersachsen Lockerungen gibt. Die Verantwortlichen haben da manchmal ihre eigenen Ansichten, das hat man beispielsweise bei den Baumärkten gesehen, die in Niedersachsen geschlossen waren, als sie überall drumherum auf hatten“, sagt Koberg.

Vor allem um die Tennistrainer und Übungsleiter macht er sich Sorgen: „Deren Einkommen fällt weg und sie bekommen aktuell auch keine Hilfen vom Staat.“ Zudem moniert Koberg, dass die Fußball-Bundesliga voraussichtlich starten darf, der Breitensport aber lahm liegt. „Wir diskutieren über die Fußball-Bundesliga. Die ist aber nicht systemrelevant. Alle, die im Amateur- und Breitensport arbeiten, bekommen derzeit nichts. Dabei könnte man an der freien Luft in kleinen Gruppen was machen. Ich verstehe nicht, warum das nicht erlaubt wird. Beim Profifußball wird argumentiert, dass so auch wieder Freude ins Wohnzimmer kommt, aber gleichzeitig dürfen die Leute selbst nicht raus, um selber zu spielen“, meint er. Koberg betont, dass er dabei keine Wettkämpfe oder Training mit Körperkontakt im Sinn hat, sondern lediglich sportliche Betätigung unter Anleitung eines Trainer unter Einhaltung der Hygienevorschriften.

Die Huder wären auf jeden Fall bereit, loszulegen – sofern die Politik den Betrieb erlaubt. „Unsere Plätze sind top in Schuss seit März. Es könnte direkt gespielt werden“, sagt Koberg. An Punktspiele in dieser Saison, die im Juni beginnen soll, glaubt er derweil nicht. „Kontaktbeschränkungen sollen ja bleiben. Und im Doppel steht man nun mal zu viert auf dem Platz und kommt sich am Netz auch mal nah. Von mir aus sollte die Sommersaison eingefroren, abgesagt und im kommenden Sommer mit den gleichen Mannschaften gestartet werden. Die Bundesliga hat das schon gemacht“, erzählt der HTV-Vorsitzende. Er habe schon von einigen Teams, beispielsweise in der Altersklasse Herren 70 gehört, dass diese auch dann nicht antreten würden, wäre der Spielbetrieb erlaubt. Koberg plädiert jedoch dafür, dass Turniere um Leistungsklassenpunkte ausgetragen werden. „Man spielt da dann nur Einzel, nur die Spieler dürfen aufs Feld. Die Vereine hätten ein paar Einnahmen und die Spieler würden den Leistungsklassenpunkten hinterherjagen“, sagt Koberg.

Training zu Corona-Zeiten

Wie kann Training ablaufen, sollte es Lockerungen geben? Genau mit dieser Thematik beschäftigt sich Oliver Mutert intensiv. Der Regionstrainer im Tennisverband Niedersachsen-Bremen geht davon aus, dass Niedersachsen die Freigabe der Tennisanlagen ab der kommenden Woche erteilt. „Sicherlich muss man abwarten, was die Politik Mitte der Woche entscheidet. Aber alles andere würde mich schon sehr überraschen“, erklärt er. Es verwundert ihn nicht, dass die derzeitige Situation für Ärger gesorgt hat: „Solch eine Unterscheidung kann doch nur für Unverständnis sorgen. Ähnlich wie es vor einigen Wochen bei den Baumärkten der Fall war, führt so etwas doch zu einem wahren Tennistourismus. Einige Bremer Vereine hätten diese Woche mit einer Vermietung ihrer Plätze für Auswärtige vermutlich richtig Geld machen können.“ Selbst bei der zu erwartenden Freigabe ab Anfang Mai geht Mutert von einer veränderten Trainerrolle aus: „Die Vorgaben werden da schon sehr deutlich sein. Ein geregeltes Training in Gruppen, wie es vor Corona der Fall war, wird es erst mal noch nicht geben. Auch in Bremen dürfen ja aktuell nur zwei Spieler zusammen auf den Platz. Ich sehe uns Trainer daher eher in der Aufsichtsrolle, also als Hüter und Wächter der neuen Regularien.“ Vorsorglich wurden die Kinder des Regionstrainings zu Beginn dieser Woche bereits informiert, auf welche Dinge zukünftig verstärkt zu achten ist: Mindestabstand, regelmäßiges Händewaschen, sofortiges Verlassen der Anlage sowie das Spielen mit markierten Trainingsbällen.

Mit vielen dieser Vorgaben hat Hartmut Schmidt-Klute bereits Erfahrungen gemacht. Der Kapitän der Herren 55-Mannschaft des TC Oyten hat das Glück, in einer Spielgemeinschaft mit dem TV Ost Bremen zu agieren. „Dadurch konnte ich tatsächlich schon am Wochenende in Bremen auf den Platz. Das war schon ein tolles Gefühl, endlich wieder seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Aber es hat sich alles schon deutlich geändert: Wir wurden von einem Corona-Beauftragten des Vereins empfangen und auf die Einhaltung der Regeln hingewiesen. Natürlich durften wir nur zu zweit auf den Platz. Die Umkleideräume waren verschlossen und wir haben selbst drauf geachtet, den Abstand zu wahren“, sagt Schmidt-Klute, der hofft, dass es bald auch in Niedersachsen wieder losgeht. „In Oyten sind wir genau darauf vorbereitet. Die Plätze warten seit drei Wochen darauf, endlich bespielt zu werden.“ Der Mannschaftsführer weiß zu berichten, „dass unser Vorstand zurecht etwas missmutig war. In einigen Bundesländern durfte ja sogar schon seit dem 20. April wieder gespielt werden, im direkten Oytener Umkreis – also in Bremen – seit dem Wochenende und hier schaut man noch zu.“

Nicht nur in der Bewertung des Termins zu einer möglichen Freigabe der niedersächsischen Tennisanlagen sowie in der Unterscheidung zwischen den Bundesländern sind sich Mutert und Schmidt-Klute einig: Auch die Einschätzung hinsichtlich der Durchführung der Punktspiele fällt identisch aus. „Wenn man aktuell betrachtet, wie sich alles entwickelt, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir Anfang/Mitte Juni mit den Punktspielen beginnen. Viel mehr Luft nach hinten raus haben wir ja auch nicht. Ich befürchte also, dass die Punktspiele und sicher auch noch einige Turniere sowie Meisterschaften abgesagt werden müssen“, meint Mutert und wird in seiner Meinung von Schmidt-Klute bestätigt.

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