Fußball

Ein Risiko – oder doch nicht?

Die Lindenstädter haben Bedenken, zum Bezirksliga-Spiel bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst anzutreten. Die teilen die Gastgeber nicht. Sie werden am Grünen Tisch wohl die Punkte erhalten.
27.09.2020, 13:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Ein Risiko – oder doch nicht?

Nachdenklich ob der Corona-Pandemie: Torsten Klein und seine Bassumer traten in Seckenhausen nicht an.

Thorin Mentrup

Bassum/Seckenhausen. Spielen sie oder spielen sie nicht? Mit dieser Frage haben sich die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst und der TSV Bassum intensiv beschäftigt. Am Ende mit unterschiedlichen Meinungen: Während die TSG kein Risiko für die Austragung des Bezirksligaspiels sah, entschloss sich der TSV dazu nicht anzutreten. Damit verzichteten die Lindenstädter auf die Chance auf drei Punkte.

Doch was ist der Hintergrund? Wegen eines Covid-19-Falles an der KGS Brinkum mussten sich einige Spieler und Trainer der TSG in Quarantäne begeben, der Verein sagte viele Spiele der Fußballabteilung ab. Unter anderem die Duelle der ersten und der sechsten Herrenmannschaft aber sollten stattfinden. „Es gab keinen Kontakt zwischen den Mannschaften“, erklärte Fußballspartenleiter Hauke Janssen. Ohnehin gebe es weder im Verein noch in der Ortschaft Seckenhausen einen Coronafall. Einzig beim TSV Heiligenrode, ebenfalls aus der Gemeinde Stuhr, sind ein Trainer und ein Spieler infiziert. Dort fielen alle Spiele aus, die zweite Mannschaft ist in Quarantäne. Deswegen den Sport in allen Vereinen der Gemeinde abzusagen, sei jedoch abwegig, so Janssen.

Auf die Situation in Heiligenrode, aber auch auf die Spielabsagen im TSG-Lager berufen sich die Bassumer in einem Schreiben ihres Fußballspartenleiters Jürgen Schäfer an Bezirksliga-Staffelleiter Axel Rose, in dem sie um eine Verlegung bitten. „Es ist einfach eine unsichere Situation“, erklärte Bassums Erste-Herren-Trainer Torsten Klein. „Die Mannschaft macht sich Gedanken, was los ist.“ Einige Spieler hätten Bedenken geäußert, weitere seien aus der Sparte selbst gekommen. Nach Rücksprache mit allen Beteiligten sei entschieden worden nicht anzutreten. „Man muss auch überlegen, was die Folgen sind. Nicht nur für den Einzelnen im Privat- und Berufsleben, sondern auch im Verein, wenn sich jemand von uns infiziert“, sagte Klein. Gegen den Willen einiger eigener Spieler und anderer Fußballer anzutreten, wäre nicht richtig gewesen. Seine Elf hätte nur verlieren können, selbst wenn sie das Spiel gewonnen hätte, fand er.

Ein Leben für den Fußball: Hauke Janssen ist seit etwas mehr als einem Jahr Fußballspartenleiter bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst.

Hauke Janssen, Seckenhausens Fußballspartenleiter, sieht eine Verlegung nicht als nötig an.

Foto: Thorin Mentrup

Deshalb wünschten sich die Bassumer eine Spielverlegung, stießen dabei jedoch nicht auf offene Ohren. „Es gibt keine Veranlassung, das Spiel abzusagen. Nichts spricht dagegen es auszutragen“, betonte Jassen. Die Seckenhauser hatten sich dazu entschlossen, die Partie ohne Zuschauer auf ihrem Kunstrasenplatz in Brinkum auszutragen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, um den Bedenken entgegenzuwirken, wie Janssen und Erste-Herren-Trainer Iman Bi-Ria erklärten. „Wir hätten das nicht machen müssen“, unterstrich der Coach, der fand: „Wir sollten spielen, so lange es möglich ist.“ Wer wisse schon, was in zwei, drei Wochen sei. Ob dann überhaupt noch gespielt werden könne. Corona sei auch dann noch nicht weg. Deshalb sei eine Verlegung auf unbestimmte Zeit keine Alternative gewesen.

Man habe sich nicht nur mit der Mannschaft, sondern „mit vielen klugen Köpfen“ abgestimmt, verdeutlichte Janssen, dass der Verein alles getan habe, um ohne erhöhtes Risiko spielen zu können. Auch mit Staffelleiter Rose habe man gesprochen. „Wir haben mehr als nötig getan“, fand Seckenhausens Spartenleiter. Auch Rose bestätigte, die TSG habe sich den Leitlinien des Niedersächsischen Fußballverbandes entsprechend verhalten.

Das mulmige Gefühl auf Bassumer Seite konnten die Seckenhauser allerdings nicht zerstreuen. Und auch der TSV Barrien II, Gegner der sechsten Seckenhauser Auswahl, trat nicht an. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte Janssen. Nachvollziehen könne man die Entscheidung allerdings nicht. Nicht zuletzt weil es in Sulingen vor Kurzem eine ähnliche Situation gab: Die Jugendspiele wurden nach einem Covid-19-Ausbruch an einer Schule abgesetzt, die Herrenspiele durchgezogen. Sogar mit Zuschauern.

Umstimmen ließen sich die Bassumer nicht. Die Entscheidung des Vereins trügen er und die Mannschaft mit, so Klein, obwohl sie einen empfindlichen Rückschlag bedeutet im Kampf um einen Platz in der Aufstiegsrunde. Denn die Begegnung dürfte mit 5:0 Toren und drei Punkten an Seckenhausen gehen, auch wenn Rose das noch nicht bestätigen wollte. Über die Handhabung von Fällen wie diesem werde sich der Vorstand noch einmal unterhalten. Doch selbst wenn es so kommt wie erwartet, trüge Klein es mit Fassung: „Das müssen wir akzeptieren, aber wir haben als Verein ein Zeichen gesetzt“, sah er Wichtigeres als den Sport.

Glücklich waren auch die Seckenhauser nicht, die ihre Tabellenführung mit dem wahrscheinlichen Sieg festigen. „Wir sind Sportler, wir hätten gern gespielt“, sagte Bi-Ria. „Aber Bassum hat eine Entscheidung getroffen. Die müssen wir akzeptieren.“ Jetzt wolle er sich wieder auf das Sportliche konzentrieren. In dieser Hinsicht lag er mit Klein auf einer Wellenlänge: Beide beobachteten am Sonntagnachmittag das Spiel zwischen dem TSV Okel und dem SV Bruchhausen-Vilsen.

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