Coronavirus sorgt für Ausfälle

Der Bremer Sport steht still

Das Coronavirus trifft den Sport bis in die untersten Ebenen. Wir geben einen Überblick über die Lage in den Bremer Verbänden und Vereinen.
12.03.2020, 23:14
Lesedauer: 6 Min
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Der Bremer Sport steht still
Von Jörg Niemeyer
Der Bremer Sport steht still

Ausgeblockt: Für den Drittligisten TV Eiche Horn mit Bernice Andoh (rechts) und Pauline Peeck ist die Saison 2019/20 am Donnerstag vorzeitig für ­beendet erklärt worden.

Oliver Baumgart/hansepixx

Das Coronavirus lähmt die Sportwelt und hat natürlich Aus­wirkungen bis hinab auf die unterste lokale Ebene. Der WESER-­KURIER gibt vor dem anstehenden Wochenende einen Überblick über die Lage in Bremer Verbänden und Vereinen. Die Ereignisse überschlugen sich am Donnerstag, am Nachmittag wurden fast im Minutentakt Spiele und Veranstaltungen abgesagt. Am Abend sagte auch der Bremer Fußball-Verband alle Spiele bis zum 30. März ab. Zuvor hatten bereits andere Verbände Spieltage ausgesetzt. Der Deutsche Volleyball-Verband erklärte, dass der Spielbetrieb in den 3. Ligen und in den Regionalligen sofort beendet ist. Der Niedersächsische Eissport-Verband stellt seinen Betrieb sogar komplett ein. Keine Play-off-Runde der Männer-Regionalliga, sofortiges Aus für die Jugendteams: Für die Weserstars endet die Saison abrupt.

Neben dem Spielbetrieb greift die Pandemie auch massiv in den Bereich der Spieltechnik und -organisation ein. Gemeinden schließen Sporthallen, Verbände und Vereine verschieben Sitzungen und denken darüber nach, welche Wettkampf- und Trainingsmaßnahmen noch stattfinden können. Traditionell sind die Osterferien eine bevorzugte Zeit für Trainingslager und Vereinsfahrten, auch ins Ausland. Das könnte 2020 anders werden.

Am kommenden Dienstag soll im GOP-­Varieté-Theater die Ehrung von Bremens Sportlern des Jahres 2019 über die Bühne gehen. Inzwischen haben sich die Veranstalter dafür entschieden, die Ehrung ohne Publikum vorzunehmen. So kommen – Stand am Donnerstag – die Sportler immerhin in den Genuss ihrer verdienten Auszeichnung.

Fußball

Der Amateur-Fußball in Bremen stellt vorerst seinen Spielbetrieb ein. Am Donnerstagabend verkündete der Bremer Fußball-Verband (BFV): Bis zum 30. März wird es im gesamten Verbandsgebiet keine Fußballspiele geben. „Über die Neuansetzung entscheiden die Ausschüsse des BFV in Kürze. Dabei kann dort, wo es möglich ist, die Saison bis zu den Sommerferien verlängert werden als auch Wochenspieltage angesetzt werden“, teilte der Verband mit. Weiter hieß es: „Im Laufe des Donnerstags ­erreichten uns bereits Meldungen, dass erste Mannschaften am ­Wochenende wegen aktueller Corona-­Verdachtsfälle und der damit einhergehenden Quarantäne nicht werden antreten können.“ Es sei davon auszugehen, dass diese Zahlen gerade in einem städtischen Ballungsraum in den kommenden Tagen weiter steigen werden.

Der Norddeutsche Fußball-Verband sagte den Spieltag für dieses Wochenende in der Regionalliga Nord, den A-, B- und C-Junioren-Regionalligen sowie der Frauen- und Futsal-Regionalliga ab. Ab dem 17. März gilt folgende Regelung: Spiele, bei denen nicht mehr als 1000 Zuschauer erwartet werden, finden statt. Spiele mit mehr als 1000 Zuschauern werden ohne Fans durchgeführt. Der DFB sagte keine Spiele ab. Demnach werden Werders Zweitliga-Fußballerinnen am Sonntag in Ingolstadt spielen, auch die Partien der A- und B-Junioren-Bundesligateams sollen stattfinden.

Basketball

Kurz vor Beginn der entscheidenden Saisonphase werden auch die Basketballer der Eis­bären Bremerhaven zu einer Zwangspause verdonnert. Im Basketball wurden vorerst alle Spiele bis in die unteren Ligen abgesagt. Wann das ProA-Spiel der Eisbären, die an diesem Wochenende bei den Kirchheim Knights antreten sollten, nachgeholt wird, ist völlig unklar. Allerdings sprechen die Funktionäre im Gegensatz zum Eishockey bislang nur von einer Saisonunterbrechung, alle Ligen sollen zu einem späteren Zeitpunkt beendet werden. „Die Liga wird sich gemeinsam mit den Vereinen in der kommenden Woche in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über den weiteren Saisonverlauf beraten und abstimmen“, heißt es in einer Mitteilung. Auch die Spiele der Weser Baskets in der Regionalliga Nord sind abgesetzt, das gilt auch für Sitzungen und Lehrgänge.

Handball

Zwischen den deutschen Landesverbänden im Handball glühten am Donnerstag die Drähte. „Die Entwicklung geht im Augenblick ja rasend schnell“, sagte Bremens Verbandspräsidentin Monika Wöhler mittags. Am Nachmittag teilte der Handball-­Verband Niedersachsen (HVN), zu dem Bremen als Region gehört, dann mit, dass der gesamte Spielbetrieb von den Oberligen abwärts bis in die unterste Jugendliga vom 13. März bis einschließlich 19. April unterbrochen wird. Der HVN empfiehlt den Vereinen, auch den Trainingsbetrieb einzustellen. Schon morgens hatte die Handball-Bundesliga Frauen (HBF), die sich um die Belange der 1. und 2. Bundesliga kümmert, für das anstehende Wochenende alle Spiele abgesagt, darunter auch das Heimspiel des SV Werder gegen die SG 09 Kirchhof. Wie es weiter geht, werde kommende Woche entschieden.

Volleyball

Morgens hatte sich noch angedeutet, dass die Saison unterhalb der Regionalligen komplett über die Bühne gehen würde. Schließlich stand nur noch der letzte Spieltag an diesem Wochenende an, entsprechend froh war Bremens Volleyball-Chef Lars Thiemann. Er könne sich aber auch eine sofortige Absage immer noch vorstellen, denn: „Sport ist die schönste Nebensache – aber eben nur Nebensache.“ Danach ging es Schlag auf Schlag. Erst erklärte der Deutsche Volleyball-Verband die Spielzeiten in den 3. Ligen und Regionalligen für beendet. So treten die Drittliga-Frauen des TV Eiche Horn zu ihren letzten fünf Punktspielen nicht mehr an. Abends folgte das Aus für die unteren Ligen, für die die Regionalverbände zuständig sind. Bremens Volleyball startet also komplett in die Pause. Derweil berät der Bundesspielausschuss über den Umgang mit Auf- und Absteigern sowie Relegationsteilnehmern.

Leichtathletik

Den auf diesen Sonntag verschobenen zweiten Teil der dreiteiligen beliebten Bremer Winterlaufserie hatte Veranstalter Utz Bertschy bereits nach den Behörden-Auflagen am Dienstag absagen müssen. 1200 Läufer hatten sich für die Rennen im Bürgerpark angemeldet. Ob demnächst auch etliche Trainingsgruppen der Werder-­Leichtathleten von der Coronakrise betroffen sein werden, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Zwar beginnt die Wettkampfsaison erst später im Frühjahr. Am 28. März planen jedoch drei Trainingsgruppen, in ein Trainingslager aufzubrechen. Die Sprinter aus der Gruppe von Trainer Andriy Wornat nach Kienbaum bei Berlin, die Gruppe von Sportwart Andrei Fabrizius nach Mallorca, die von Sprungtrainer Roman Ficke nach Südafrika. Die Flüge sind gebucht, in vielen Fällen tragen die Eltern der Athleten einen Großteil der Reisekosten. Stand jetzt, können die Trainingslager stattfinden.

Hockey

Bremens Hockeyspieler haben das Glück, dass ihre Spielzeit eine besondere Aufteilung hat: von November bis März die Hallen- und von Mitte April bis Oktober die Feldsaison. Deshalb fällt die aktuelle Dramaturgie um das Coronavirus in die etwa einmonatige Pause zwischen den Meisterschaftsspielen. „Insofern haben wir derzeit keine Probleme“, sagte Bremens Verbandsvorsitzender Frank Selzer. Die Betonung dürfte allerdings auf dem Wort „derzeit“ liegen, denn niemand weiß, wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickeln wird. Der Trainer des Damen-Zweitliga-Tabellenführers Bremer HC, Martin Schultze, geht davon aus, dass die Saison nicht wie geplant am 18. April fortgesetzt werden kann. Er befürchtet einen Ausfall der Saison, denn Ausweich­spieltage stünden wegen des engen Rahmenterminplans kaum zur Verfügung.

Tischtennis

Der Präsident des Fachverbands Tischtennis Bremen (FTTB), Tobias Genz, telefonierte am Donnerstagnachmittag fast pausenlos mit Vertretern anderer Landesverbände, um sich ein Bild für die abendliche FTTB-Präsidiumssitzung zu machen. Deren Ergebnis: Der Bremer Spielbetrieb wird ab sofort bis einschließlich Ostermontag unterbrochen. Ob die Saison fortgesetzt wird, werde sich erst nach erneuter Beurteilung der Lage zeigen, sagte Genz. Die Tischtennis-Bundesliga (TTBL), in der sich der SV Werder schon fürs Play-off-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft qualifiziert hat, wird wohl Anfang nächster Woche entscheiden, wie die Saison fortgeführt wird. Nach aktuellem Stand, so Werder-Trainer Cristian Tamas, werde der auf den 22. März vorgezogene letzte Hauptrunden-Spieltag mit Werder-Heimspiel vor Zuschauern stattfinden.

Schwimmen

Das Virus habe natürlich auch Konsequenzen für das Schwimmen in Bremen, sagte Landesverbandspräsident Stephan Oldag am Donnerstag. So ist die für die kommende Woche angesetzte Vereinsvertretungssitzung, also die Jahreshauptversammlung der bremischen Schwimmer, abgesagt worden. „Ich setze in dieser Zeit mehr auf telefonische Kontakte“, sagte Oldag, „Sitzungen werden verschoben. Über anstehende Veranstaltungen müssen wir uns noch unterhalten.“ So ist derzeit unklar, ob der TuS Huchting am 22. März sein „Huchtinger Championat“ durchführt. Vermutlich, so Trainer Tobias Bader, treffe der Verein Anfang der Woche eine Entscheidung, sofern die Behörden nicht vorher schon eine Vorgabe machen. Bundesweit ist die Linie der Schwimmer nicht einheitlich: Veranstaltungen in Kiel, Lübeck und Magdeburg wurden abgesagt, die Masters-Meisterschaften in Berlin an diesem Wochenende sollen ohne Publikum stattfinden.

Rhythmische Sportgymnastik

Die Bremer hatten bereits am Mittwoch, um beizutragen, die Virus-Ausbreitung zu verlangsamen, ihre Landesmeisterschaften abgesagt. Am Donnerstag teilte der nationale Dachverband DTV (Deutscher Turn-Verband) mit: Bis zum 5. April werden alle nationalen Wettkämpfe gestrichen „und wenn möglich, auf einen späteren Zeitpunkt verlegt“. In Bremen betrifft das zunächst die Regionalmeisterschaften in den Nachwuchsklassen, die in drei Wochen stattfinden sollten. Auch der Regio-Cup der Wettkampfklassen eine Woche später steht auf der Kippe. Für das Turnier in Athen, zu dem Julia Stavickaja und Jule Scheffer reisen sollten, traf ebenfalls am Donnerstag die Absage ein. Der Trainingsbetrieb am Bundesstützpunkt laufe derzeit normal weiter, sagte Landestrainerin Larissa Drygala. Gymnastinnen mit Erkältungssymptomen dürften ohnehin nicht zum Training erscheinen.

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