Interview mit OT-Trainer Henrik Ohanyan „Da schmerzt mein Herz“

Henrik Ohanyan ist seit zehn Jahren Box-Trainer bei OT Bremen. Im Interview spricht er darüber, wie er den Boxsport in Bremen voran bringen will.
25.01.2019, 21:44
Lesedauer: 2 Min
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„Da schmerzt mein Herz“
Von Olaf Dorow

Herr Ohanyan, Sie versuchen seit Jahren, den Boxsport in Bremen voranzubringen. An welchem Punkt stehen Sie da gerade?

Henrik Ohanyan: Es wird alles blockiert vom Weser-Boxring Bremerhaven, der den Landesverband beherrscht. Ich konnte mit meinen Leuten kaum Kämpfe machen, weil Bremerhaven das verhindert. Die entscheiden über uns, und sie machen nur Sachen für sich. Die haben ein Boxcenter und ein Liga-Team mit Boxern, die nicht aus Bremerhaven kommen. Das kostet. Wenn wir irgendwo starten wollen, heißt es immer: Ist kein Geld da. Ihr müsst für Bremerhaven starten, sonst gibt‘s keine Finanzierung.

Sie können da nichts machen?

Ich kann mit meinen Leuten nur trainieren. Die Jungs fragen: Trainer, wann kämpfen wir? Wo kämpfen wir? Und ich stehe dann allein da, der Landesverband hat null Interesse. So geht es doch nicht. Bremen muss Bremen bleiben. Nicht Bremerhaven. Da schmerzt mein Herz. Es sind doch unsere Kinder, unsere Jugendlichen. Du musst aber Boxer aus dem Landesverband rausnehmen, damit sie kämpfen können. Es gibt keine Kommunikation mit Bremerhaven.

Sie fühlen sich ausgebremst?

Es läuft zum Beispiel so: Wir sind hier knapp 70 Boxer, darunter zehn bis 15 Kämpfer. Beim Weser-Boxring haben sie angeblich 350 Boxer. Ich sage: niemals. Sie zählen dort, glaube ich, da auch alle anderen Sportarten mit. Und kriegen so mehr Stimmen und mehr Einfluss im Verband.

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Und Sie haben dann Kämpfer, die kaum kämpfen dürfen?

Mit viel Mühe habe ich eine Wettkampfreise nach Boizenburg organisieren können, damit meine Jungs wenigstens einmal im Jahr kämpfen können. Einer, Tarek Hossien, hat sogar gewonnen. Aber man merkt, wie wenig Kampferfahrung die Jungs haben. Nächstes Jahr will ich Tarek zu deutschen Meisterschaften bringen. Und ich muss schon überlegen, ihn rauszunehmen aus dem Landesverband, damit er eine Chance hat zu starten. Das macht mich traurig. Weil ich das ja eigentlich nicht will. Aber welche Wahl habe ich? Und ich habe doch noch mehr gute Jungs bei OT.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel Derbo Keremit, Ramir Saroukhan oder Firat Kaya. Ich habe Jungs von der Straße geholt. Aber wenn sich jetzt nichts tut, dann gehen sie weg, oder sie verlieren die Lust. Ich stelle zum Beispiel einen Antrag für einen Boxer, damit er bei deutschen Meisterschaften antritt. Er ist bereit. Und dann werden lauter bürokratische Hürden aufgebaut, und es geht nicht.

Der Landesverband verhindert das?

Man konzentriert sich nur in Richtung Bremerhaven. Anstatt was für Bremen zu tun. Kaum einer kennt uns. Dabei kommen hier Eltern an, die bringen ihre Kinder 40 Kilometer weit her. Tarek Hossien kommt aus Kirchweyhe hierher. Weil es in Kirchweyhe keine Halle gibt? Nein, wegen des Trainers, wegen der Trainingsmethoden bei uns.

Im Vorjahr hatten Sie mit David Brzezinski immerhin einen deutschen Jugendmeister …

… den habe ich verloren. Es gab immer Stress, weil er mal kämpfen durfte, mal nicht. Sein Vater hat ihn dann rausgenommen.

Das Gespräch führte Olaf Dorow.

Info

Zur Person

Henrik Ohanyan

ist seit rund zehn Jahren Box-Trainer bei OT Bremen. Der gebürtige Armenier trainiert in dem kleinen Boxcenter in Tenever derzeit rund 70 Kinder und Jugendliche, die zumeist einen Migrationshintergrund haben. Ohanyans Sohn Artur boxt in Schwerin in der Bundesliga.

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