Ein 21-jähriger Russe lässt Matthias Blübaum vergessen und Werders Schachteam optimistisch in die Saison blicken

Daniil Dubov und die stärkste Liga der Welt

Bremen. Ein wenig traurig waren sie schon, die Verantwortlichen des Schach-Bundesligisten SV Werder Bremen, als Matthias Blübaum Ende Juni seinen Abschied aus Bremen bekannt gab. Nach fünf Jahren im grün-weißen Trikot, in denen der 2012 als 14-Jähriger an die Weser gekommene Blübaum zum Großmeister und Nationalspieler gereift ist, hat sich der deutsche Topspieler dem finanzstarken Zweitligaaufsteiger und künftigen Ligarivalen Schachfreunde Deizisau (Baden-Württemberg) angeschlossen.
19.10.2017, 00:00
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Daniil Dubov und die stärkste Liga der Welt
Von Frank Büter

Bremen. Ein wenig traurig waren sie schon, die Verantwortlichen des Schach-Bundesligisten SV Werder Bremen, als Matthias Blübaum Ende Juni seinen Abschied aus Bremen bekannt gab. Nach fünf Jahren im grün-weißen Trikot, in denen der 2012 als 14-Jähriger an die Weser gekommene Blübaum zum Großmeister und Nationalspieler gereift ist, hat sich der deutsche Topspieler dem finanzstarken Zweitligaaufsteiger und künftigen Ligarivalen Schachfreunde Deizisau (Baden-Württemberg) angeschlossen.

Die Trauer über den Verlust des einstigen Bremer Aushängeschildes ist indes verflogen, inzwischen überwiegt die Vorfreude auf die an diesem Wochenende mit zwei Auswärtsspielen in Mülheim beginnende Erstligasaison. Denn mit der Verpflichtung des Russen Daniil Dubov (Elo-Zahl 2677) ist dem SV Werder offenbar ein echter Coup gelungen. „Daniil ist ein absoluter Topmann, der Matthias Blübaum adäquat ersetzt“, schwärmt Werder-Trainer Matthias Krallmann und ergänzt: „Ich bin davon überzeugt, dass Daniil noch mal ein echter Weltklassespieler werden wird.“

Nummer 66 der Weltrangliste

Über welch großes Potenzial der in Moskau heimische Dubov – 21 Jahre jung und aktuell bereits die Nummer 66 der Weltrangliste – verfügt, zeigte der Großmeister unter anderem in der ersten Septemberhälfte beim Fide-World-Cup in Tiflis. Bei der topbesetzten und mit 1,6 Millionen Dollar Preisgeld dotierten Veranstaltung hatte der Bremer Neuzugang im Feld der 128 Teilnehmer überraschend die Runde der besten 16 erreicht – was auch beim SV Werder erfreut zur Kenntnis genommen wurde und nicht nur Krallmann für die neue Saison optimistisch stimmt.

„Vom Leistungsniveau her sollte die Mannschaft im Bereich der beiden Vorjahre liegen“, sagt A-Lizenz-Inhaber Krallmann, der künftig auch auf den aus beruflichen Gründen in seine Heimat zurückgekehrten Australier David Smerdon verzichten muss. Nach der deutschen Vizemeisterschaft 2015 hatte Werder zuletzt zweimal den fünften Platz belegt – und sollte man sich nun hinter den Topklubs Baden-Baden, Solingen und Hockenheim sowie SK Schwäbisch Hall einreihen können und abermals Rang fünf herauskommen, „dann wäre das eine tolle Sache“.

Insgesamt 16 Akteure umfasst das Bremer Erstligaaufgebot um Routinier und Mannschaftsführer Gennadij Fish, darunter auch die beiden weiteren Neuzugänge Wouter Spoelman aus den Niederlanden und Martin Zumsande (Georgsmarienhütte). Angeführt wird die Teamliste in dieser Saison von Alexander Areshchenko (Ukraine), der die Position mit der neuen Nummer drei Laurent Fressinet (Frankreich) getauscht hat. Für Brett zwei ist Daniil Dubov vorgesehen. An Brett vier folgt Werders früherer Spitzenspieler Luke McShane (England) vor Zahar Efimenko (Ukraine), Romain Edouard (Frankreich), Zbynek Hracel (Tschechien) und dem Finnen Tomi Nyback.

Diese Akteure wären also nominell die Top acht des SV Werder – doch die Wahrscheinlichkeit, dass Werder in eben dieser Besetzung zu einem Ligaspiel antreten wird, ist eher gering. Aus Kostengründen. Und aus logistischen Gründen. Denn die genannten Profis leben allesamt nicht in Bremen, sondern werden zu den einzelnen Bundesligawochenenden, sieben an der Zahl, jeweils eingeflogen. Zudem werde in puncto Aufstellung auch geguckt, welcher Spieler wann verfügbar ist, „denn die Profis haben ja auch noch andere Verpflichtungen“, schildert Krallmann. Außerdem sei es ihm wichtig, regelmäßig „zumindest zwei deutsche Spieler“ aus dem 18er-Kader aufzubieten.

Sieg zum Auftakt ist Pflicht

Sieben Deutsche stehen auf der Setzliste, angefangen bei Position zwölf. Eigene, junge Talente an die Bundesliga ranzuführen, etwa Thorben Koop (21) oder Spartak Grigorian (20), sei schwer, denn die Bundesliga „ist die stärkste Liga der Welt und das Niveau entsprechend hoch“, sagt Krallmann, der in seiner Arbeit auch weiterhin von Bundesliga-Manager Olaf Steffens unterstützt wird. Am Wochenende geht der frühere Realschullehrer Krallmann (Fächer Deutsch und Geschichte) als hauptamtlicher Werder-Trainer in seine sechste Saison. In der Auftaktpartie gegen Aufsteiger SV Hofheim sieht er sein Team dabei klar favorisiert, „das muss ein Pflichtsieg werden“. Anders ist die Ausgangssituation am Sonntag gegen den ambitionierten Vorjahreszweiten SV Hockenheim, der mit Baadur Jobava, Evgeny Tomashevsky, Ruslan Ponomariov und David Howell gleich vier Spieler mit einer Elo-Zahl von mehr als 2700 aufbieten kann. „Da wäre ein Unentschieden bereits ein großer Erfolg“, sagt Matthias Krallmann.

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