Saisonrückblick 2009/2010: B-Junioren-Bundesligist SC Weyhe Das Außergewöhnliche endet normal

Weyhe. Es blieb eine 'Mission Impossible', eine nicht zu erfüllende Aufgabe. Der sofortige Wiederabstieg der Fußball-B-Junioren des SC Weyhe aus der Bundesliga Nord/Nordost war einer mit Ansage.
25.06.2010, 05:55
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Das Außergewöhnliche endet normal
Von Jens Hoffmann

Weyhe. Es blieb eine 'Mission Impossible', eine nicht zu erfüllende Aufgabe. Der sofortige Wiederabstieg der Fußball-B-Junioren des SC Weyhe aus der Bundesliga Nord/Nordost war einer mit Ansage. Der Stempel des totalen, unwiderruflichen, krassen - wie auch immer man es bezeichnen will - Außenseiters drückte von Anfang an tonnenschwer auf das Team von Julian Kreienhoop. Der Trainer wurde nicht müde zu betonen, dass 'wir auf jeder Position schlechter besetzt sind, als alle anderen Teams dieser Liga'. Das war kein Understatement, sondern Realitätssinn. Trotzdem fanden Kreienhoops Worte im Umfeld nicht immer Gehör.

Es dauerte exakt drei Spieltage und drei Niederlagen, bis die Weyher jenen Tabellenplatz einnahmen, den sie bis zum Ende behielten: den letzten. Und je länger der Aufenthalt im finstersten Keller wurde, desto stärker mehrten sich die kritischen Stimmen der Besucher. 'Wir haben es doch gleich gesagt . . .' - mit dieser Floskel begannen fortan die meisten Standardaussagen der selbsternannten Experten. Schön und gut. Vergessen wurde dabei jedoch, dass die Weyher B-Junioren genau das spielten, was kraft ihrer Qualität möglich war. Meistens zumindest. Den technischen und taktischen Vorteilen aller Gegner musste sich Weyhe vor allem mit Einsatz und Engagement entgegenstemmen. Das gelang mal mehr, mal weniger gut.

Unter Wert und über Wert

Es gab Klatschen wie das 0:7 gegen den VfL Osnabrück oder das 0:3 bei Tebe Berlin, bei denen sich die Diepholzer Nordkreisler unter Wert verkauften, und es gab Partien, wie den 3:0-Erfolg in Osnabrück oder das 4:2 gegen Holstein Kiel, in denen Weyhe über seinem normalen Limit agierte. Das jedoch passierte selten. Mehr Erfolgserlebnisse als diese beiden Siege gab es nicht. Julian Kreienhoop sah sich bestätigt. 'Es ist nicht immer so einfach, die Spannung und die Begeisterung innerhalb der Truppe aufrechtzuerhalten', bekannte er Mitte der Rückserie. Allerdings fand er immer wieder Ansätze, um seinen Jungs Mut zuzusprechen.

Sicherlich - es hagelte Woche für Woche Niederlagen, die sich jedoch zumeist im Rahmen hielten. Richtige Klatschen gab es so gut wie nie. 'Es ist ein Unterschied, ob man verliert oder abgeschlachtet wird. Wir verlieren', erklärte der angehende Pädagoge Kreienhoop. Er suchte und fand einen Weg, die regelmäßigen Niederlagen als partielle Erfolge zu verkaufen. Oft verknüpfte er seine Analysen mit einem Pauschallob, das dann so klang: 'Insgesamt machen die Jungs das richtig gut.'

Durchgegriffen

Kreienhoop, gerade mal 27 Jahre alt, verzweifelte selten. Nur einmal wurde es selbst ihm, der es so gut verstand, Zweckoptimismus mit den passenden Fakten zu verbinden, zu bunt. Vor dem Duell bei Tebe Berlin reichten Worte nicht mehr aus, um die Mannschaft auf Kurs zu bringen. Kreienhoop handelte und suspendierte Mathis Kröger und Christian Wagner. Der Trainer sprach zunächst von 'Differenzen, die sich summiert haben' und wurde alsbald konkreter: Die beiden Akteure hätten mit ihrer destruktiven Art der Kritik die Stimmung innerhalb des Teams nachhaltig beeinflusst. Das sportlich ohnehin sehr wacklige Konstrukt SC Weyhe/Bundesliga drohte zu kippen. Kreienhoops kompromissloses Durchgreifen verhinderte das.

So durfte der junge Übungsleiter in der Rückserie noch einen klasse Auftritt seiner Mannen erleben: das 4:2 gegen Holstein Kiel war nicht nur subjektiv herausragend, sondern, ganz objektiv betrachtet, auch völlig verdient. 'Dafür, dass sich die Mannschaft nie hat hängen lassen, ist sie heute belohnt worden', frohlockte der Coach. Es war ein Erfolg des Willens, der Abstieg stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest. Und der Abschied von Julian Kreienhoop konkretisierte sich in dieser Zeit ebenfalls heraus. Der aber hat keine sportlichen Gründe. Kreienhoop, der Lehramt auf Sekundarstufe II studierte, beginnt im südhessischen Heppenheim sein Referendariat Zum Ortswechsel hat er sich bewusst entschieden - der Liebe wegen.

Was vom SC Weyhe für ihn, der ganze anderthalb Kilometer entfernt von der Zentralsportanlage aufgewachsen ist, hängenbleibt? Eine ganze Menge! 'Ich würde das Abenteuer Bundesliga wieder eingehen', versicherte er nach dem letzten Saisonspiel gegen Werder Bremen. Es klang überzeugend. Das Derby endete übrigens 1:5 - die Normalität hatte Weyhe bis zum finalen Abpfiff im Griff.

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