Rasta Vechts plant ohne Coach Patrick Elzie Das Ende eines Basketball-Märchens

Patrick „Pat“ Elzie klingt niedergeschlagen. „Plötzlich ist einfach alles weg“, sagt er. Alles, das sind für ihn seine fünf Jahre als Trainer beim SC Rasta Vechta und vor allem das große Vertrauen, das er im Verein genoss.
15.04.2015, 08:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Schnurr

Patrick „Pat“ Elzie klingt niedergeschlagen. „Plötzlich ist einfach alles weg“, sagt er. Alles, das sind für ihn seine fünf Jahre als Trainer beim SC Rasta Vechta und vor allem das große Vertrauen, das er im Verein genoss. Das alles ist nun dahin, weg, Vergangenheit – so kommt es Elzie vor. Und so ist es ja auch. Patrick Elzie kann es noch immer nicht wirklich fassen und verstehen. Seit gut einer Woche ist bekannt, dass Rasta Vechta nicht mit Elzie als Trainer in die kommende Saison der 2. Basketball-Bundesliga, der ProA, gehen wird. Für Elzie ist das nicht nur eine Überraschung – es ist „eine sehr große Enttäuschung“.

Bereits nach dem Abstieg aus der Basketball-Bundesliga 2014 trat der US-Amerikaner ein erstes Mal von Rastas Trainerposten zurück. Elzie gestaltete fortan den Jugend- und Amateurbereich neu, während Ex-Nationalspieler Stephen Arigbabu Coach wurde. Doch blieb Vechta in dieser Spielzeit unter dem neuen Trainer hinter den Erwartungen zurück. Statt um den direkten Wiederaufstieg kämpfte Rasta auch in der ProA um nicht vielmehr als den Nicht-Abstieg. Zum Beginn der Rückrunde übernahm Elzie im Januar daher erneut das Amt des Cheftrainers. Den Ligaverbleib sicherte er, für die Play-offs reichte es nicht.

Drei Siege aus elf Spielen, Tabellenplatz zehn – zu wenig für Vechtas Verantwortliche. „Wir haben uns nach eingehender Analyse der letzten Saison – und auch der davor – dazu entschieden, den Vertrag mit Patrick nicht zu verlängern“, sagt Geschäftsführer Stefan Niemeyer. Man möchte einen neuen Weg im Verein einschlagen, heißt es. Dass er kein Teil dieses Weges sein wird, verwundert Elzie. Er hielt, wie vom Vorstand gefordert, die Klasse und betont: „Diese Mannschaft war nicht meine Mannschaft. Ich habe sie nicht zusammengestellt, ich habe nur geholfen.“

Für die kommenden Spielzeiten hätte er bereits einen eigenen Plan entworfen, um mit Vechta in die Bundesliga zurückzukehren. „Ich war überzeugt, dass ich ein gutes Team hätte zusammenstellen können, um das zu schaffen“, sagt Elzie. Genau das ist ihm in Vechta schon einmal gelungen.

Als Elzie 2009 nach Vechta in die niedersächsische Basketball-Provinz kam, übernahm er die sportliche Leitung eines maximal durchschnittlichen Regionalligisten. Nicht mal das Präsidium habe zu diesem Zeitpunkt daran geglaubt, dass aus Rasta jemals ein ambitionierter Profi-Verein werde könnte, sagt Elzie. Die ProB sei in allen Belangen das absolute Limit für den kleinen Verein, hätte man ihm erklärt. Elzie sah das anders. Er legte der Vereinsführung einen Drei-Jahres-Plan vor – und erfüllte ihn. Rasta wurde zu seinem Projekt – und Elzie zu mehr als einem gewöhnlichen Trainer. Er wurde zum Visionär und Macher einer der unerwartetsten und rasantesten Entwicklungen im deutschen Basketball-Geschäft der vergangenen Jahre.

„Die Schnelligkeit, mit der wir nach oben gegangen sind, ist im deutschen Basketball einmalig“, sagt Elzie. Auf den Aufstieg in Liga zwei (2012) folgte im Jahr darauf die Meisterschaft in der ProA und der direkte Aufstieg in die Bundesliga. Plötzlich war Basketball in Vechta Profisport, die Kleinstadt euphorisiert, und die Heimspiele mit über 3000 Zuschauern waren schon Wochen vorher ausverkauft. Ihre Spielstätte, der Rasta Dome, wurde zum Epizentrum des Lebensgefühls einer ganzen Stadt, wie Elzie es einst selbst formulierte. Und er, der Trainer, wurde zum Star des Teams und Held der Kleinstadt. Mit minutenlangen Sprechchören huldigten die Fans ihrem Trainer auf dem Festumzug nach dem BBL-Aufstieg. Spätestens da war Elzie und den Verantwortlichen Vechtas klar: Sie hatten eine Erfolgsgeschichte, ein kleines Basketball-Märchen geschrieben.

Es war nicht nur die märchenhafte Geschichte eines Vereins, sondern auch die ihres Trainers. Eines Trainers, der in Vechta nach unzähligen Stationen im In- und Ausland angekommen schien. Der nach vielen Rückschlägen, schwierigen Phasen und finanziell bankrotten Klubs seinen Verein gefunden zu haben schien. Dass der Verein nun nicht mehr mit ihm plane, bezeichnet Elzie als einen persönlichen Rückschlag. „Immerhin“, sagt er, „hinterlasse ich hier einen sehr guten Boden für professionellen Basketball.“ Auch wenn alles andere weg ist, wie er es formuliert: Es ist das, was von Elzie in Vechta bleiben wird.

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