Zur Eröffnung der Sixdays treffen erstmals in Bremen Radsport und Klassik aufeinander

Das Experiment

Bremen. Still wird es bei ihnen nie. Selbst in der Pause nicht.
12.01.2017, 00:00
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Von Nico Schnurr
Das Experiment

Das Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte wird die Sixdays musikalisch eröffnen. Die Stücke sind extra auf den besonderen Anlass zugeschnitten.

Frank Thomas Koch

Bremen. Still wird es bei ihnen nie. Selbst in der Pause nicht. Martin Lentz müht sich, anzukommen gegen das dichte Gewirr aus schallenden Becken, surrenden Cellos, fiependen Geigen und röhrenden Hörnern. Es ist spät geworden in der Musikschule Bremen, und noch ist die Generalprobe nicht vorbei. Lentz, der Herr des kreativen Chaos, ist noch nicht ganz zufrieden. Die Fanfaren klingen ihm noch „zu haarig“, die Hörner „zu verwaschen“, die Klarinetten „schreien zu viel“.

Lentz dirigiert das Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte. An diesem Tag nimmt er es besonders genau. Es ist die letzte Probe „vor dem Experiment“. Der letzte Versuch, zu kontrollieren, was kaum zu kontrollieren ist. Zu berechnen, was eigentlich unberechenbar ist. „Niemand von uns ahnt genau, was da passieren wird“, sagt Lentz. „Es ist ein Wagnis – für alle.“

Zusammen mit seinem 108-köpfigen Orchester wird Lentz die Sixdays musikalisch eröffnen. Ein Walkürenritt übers hölzerne Oval soll es werden für die Radprofis. Zu Richard Wagner werden sie nach dem Startschuss die ersten Runden rasen. Für insgesamt 30 Minuten soll am Eröffnungstag aufeinandertreffen, was es auf den Sixdays so noch nicht zusammen gegeben hat: live orchestrierte Klassik und Radrennsport.

Für Hallenchef und Sixdays-Leiter Peter Rengel ist es ein neues „Unterhaltungserlebnis im Programm“, für Lentz und sein Orchester „eine echte Herausforderung, weil der Rahmen für uns völlig neu ist“. Bei einer Sportveranstaltung hat das Orchester noch nie gespielt. „Keiner weiß, wie die Leute da auf uns reagieren werden“, sagt Lentz. Wenn das Jugendsinfonieorchester auftritt, in der Glocke oder am Holler See, „dann kommen die Leute für uns und unsere Musik“. An diesem Donnerstag wird das anders sein, glaubt der Dirigent. „Hier erwartet uns keiner. Niemand kommt zu den Sixdays, nur um uns zu hören.“

Lentz hat das Orchester auf diese ungewohnte Situation vorbereitet. Er lässt sie Stücke spielen, „die man auch gut finden kann, wenn man ansonsten keine Klassik mag“. Neben Wagner und „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss gibt es Passagen aus den Titelmelodien von Star Wars und Rocky zu hören. Der Dirigent will das Sixdays-Publikum abholen und überraschen. „Dafür schmeiße ich auch gerne meinen Bildungsauftrag über Bord und verzichte auf Beethoven“, sagt er.

Erst im Oktober erfuhr der Dirigent von der Chance, bei den Sixdays auftreten zu können. Seitdem ist viel passiert. Lentz hat sein Orchester erweitert, von rund 80 auf 108 Musiker, alle sind sie zwischen 13 und 23 Jahre alt. Er hat Stücke ausgewählt, gekürzt und immer wieder neu angepasst – damit der Spannungsbogen stimmt, das Publikum dabei bleibt. Und er hat mit dem Berliner Matthias Middelkamp einen eigenen Tonmeister dazu geholt. Er soll mit einer Konstruktion aus 128 Mikrofonen für den perfekten Klang in der Arena sorgen. Beide glauben sie, dass es funktionieren kann, Klassik und Radsport zusammenzubringen.

„Sport und Musik gehören zusammen, das ist sehr eng miteinander verbunden. Es sind nur verschiedene Ausdrucksformen“, sagt Lentz. Für Tonmeister Middelkamp, der selbst Radsportler ist, geht das eine ohne das andere nicht – für ihn funktioniert beides nur zusammen. „Ich kann nur mit klassischer Musik auf den Ohren Rad fahren“, sagt er. Ausdauersportler neigten dazu, sich berauschen zu lassen während eines längeren Wettkampfes. Popmusik könne da verführerisch sein. Sie könne zu sehr begeistern und dazu verleiten, zu überdrehen, glaubt Middelkamp.

„Pop treibt und hetzt einen“, sagt er. „Popmusik will immer und sofort die ganz große Euphorie, den kompletten Adrenalinspeicher vom Sportler.“ Pop sei vielleicht etwas für die kurze Distanz, eigne sich womöglich für den Sprint. Klassik dagegen könne Radsportlern dabei helfen, sich zu entspannen und einen „rhythmischen Fluss“ zu finden. Eine Art „inneren Takt, einen gleichmäßigen inneren Pedaltritt“.

Middelkamp glaubt, dass die Fahrer von der Musik des Jugendsinfonieorchesters profitieren können. Schon deshalb, weil die Geräuschkulisse um sie herum nicht alle drei Minuten wie bei einem Popsong wechselt. „Klassische Musik ist dem Radsport sehr ähnlich: Beide sind etwas für die lange Strecke und die Ausdauer.“

Hallenchef und Sixdays-Leiter Peter Rengel sieht das ähnlich, und seine Gespräche mit den Radprofis in Rotterdam, dem großen Wettkampf kurz vor den Sixdays, bestätigen ihn. Vorjahressieger Christian Grasmann habe er von der neuen, ungewöhnlichen musikalischen Eröffnung erzählt, sagt Rengel. „Grasmann war total begeistert und beeindruckt, er geht von einem außergewöhnlichen Fahrerlebnis aus.“

Außergewöhnlich – wenn das als Eindruck auch beim Radsport-Publikum nach ihrem Auftritt bleiben sollte, dann wären sie zufrieden beim Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte. „Ich würde am Donnerstagabend niemals zufrieden die Arena verlassen, wenn ich das Gefühl hätte, es war ein Riesenaufwand, aber im Publikum hat es niemand interessiert“, sagt Lentz. „Wir wollen gehört werden – und zwar unbedingt.“

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