Fußball

Die Nienstermanns: Eine fußballverrückte Familie

Marvin und Kevin Nienstermann vom Fußball-Landesligisten TSV Melchiorshausen würden im Herrenbereich gerne mal mit ihrem Bruder Enrico zusammen kicken. Dieser läuft momentan für den Ligarivalen SC Weyhe auf.
15.11.2020, 14:30
Lesedauer: 3 Min
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Die Nienstermanns: Eine fußballverrückte Familie
Von Jannis Klimburg
Die Nienstermanns: Eine fußballverrückte Familie

Kevin Nienstermann ist im Angriff des TSV Melchiorshausen für die Tore zuständig.

Thorin Mentrup

Melchiorshausen/Weyhe. Im vergangenen Jahr wohnten sie noch alle zusammen bei den Eltern in Erichshof. Mittlerweile haben Kevin, Marvin und Enrico Nienstermann den Schritt gewagt und sich eigene Wohnungen gesucht. Auch wenn sie sich nicht mehr abends am Essenstisch sehen, sind die groß gewachsenen Brüder unzertrennlich, treffen sich regelmäßig und halten Kontakt. Wie es unter Geschwistern eben der Fall ist. Allerdings würden sich Kevin und Marvin wünschen, dass sie irgendwann wieder vereint sind. Und zwar beim Fußball. Die Zwillungsbrüder kicken zurzeit beim Bremer Landesligisten TSV Melchiorshausen, Enrico beim Liga-Konkurrenten SC Weyhe. „Wir würden ihn auch gerne wieder in Melchiorshausen sehen, damit wir im Herrenbereich mal zusammen spielen können“, verraten Marvin und Kevin.

Denn bislang war das nur im Juniorenbereich für eine kurze Zeit der Fall. Angefangen hat das Dreigespann in der Jugend des TSV Melchiorshausen. „Das war ganz praktisch, wir konnten mit dem Fahrrad zum Training fahren“, betont Kevin. Doch der Älteste aus dem Trio, Enrico, spielte eben nie in derselben Mannschaft wie seine Brüder. Und in der D-Jugend wechselten die Zwillinge dann auch noch zum SC Weyhe. „Wir wollten uns weiter verbessern, und die Mannschaften von Weyhe haben eben höherklassig gespielt“, erklärt Kevin. Der Schritt sollte sich lohnen. Mit der A-Jugend packte das Duo den Aufstieg in die Regionalliga. Mittlerweile war auch Enrico zum SC Weyhe gewechselt. „Ein halbes Jahr konnten wir immerhin mal zusammen kicken“, erzählt der Älteste der drei Nienstermanns. Unter Stephan Stindt, der nun zusammen mit Christian Meyer den TV Stuhr in der Bezirksliga trainiert, debütierten Marvin und Kevin im Seniorenbereich – um genau zu sein, in der ersten Herrenmannschaft des SC Weyhe in der Bezirksliga des Bremer Fußballverbandes.

Zwillingsbrüder nicht zu trennen

Marvin Nienstermann spielt in der Innenverteidigung der Melchiorshauser - und hat seinem Zwillingsbruder bereits den einen oder anderen Treffer aufgelegt.

Marvin Nienstermann spielt in der Innenverteidigung der Melchiorshauser - und hat seinem Zwillingsbruder bereits den einen oder anderen Treffer aufgelegt.

Foto: Thorin Mentrup

Mit 22 Jahren ging das Duo dann mit einigen anderen Spielern zurück zum TSV Melchiorshausen, Enrico fand seine Clique in der zweiten Herren des SC Weyhe. „Für mich war das kein Thema, mit meinen Brüdern zurück nach Melchiorshausen zu gehen“, bekräftigt er. Die Zwillingsbrüder dagegen wollten weiter hoch hinaus. „Wir hatten die Möglichkeit, in der Landesliga zu kicken. Die Chance wollten wir ergreifen. Und wir bereuen es auch nicht“, unterstreicht Marvin. „Es gab zwar auch schon Angebote von anderen Vereinen, aber hier in Melchiorshausen fühlen wir uns pudelwohl.“ Ohnehin sind die beiden nicht zu trennen. Nicht nur als Spieler stehen sie gemeinsam auf dem Platz, sondern auch seit vier Jahren als Jugendtrainer des SC Weyhe. Momentan trainieren sie eine D-Jugend der Grün-Weißen. Und darüber hinaus kümmern sie sich auch jedes Jahr um die Planung des Wintercups des SC Weyhe. Oftmals mit der Unterstützung des Bruders Enrico. Familiensache eben. „Wir versuchen, viele organisatorische Dinge zu übernehmen, damit wir den Verein etwas entlasten können“, sagt Kevin, der von einer besonderen Verbindung zu seinen beiden Brüdern spricht. So zum Beispiel auch auf dem grünen Rasen. „Marvin kennt meine Laufwege ganz genau, hat so schon einige Tore für mich vorgelegt. Auch mit den Emotionen ist man dann logischerweise ganz anders dabei, wenn dein Bruder gefoult wird.“

Erstmal wieder fit werden

Enrico Nienstermann hat beim SC Weyhe sein sportliches Glück gefunden. Sein Team ist mittlerweile ein Ligarivale von Melchiorshausen.

Enrico Nienstermann hat beim SC Weyhe sein sportliches Glück gefunden. Sein Team ist mittlerweile ein Ligarivale von Melchiorshausen.

Foto: Thorin Mentrup

Auch wenn das Trio nicht mehr bei den Eltern wohnt, kommt die gemeinsame Zeit nicht zu kurz. „Wenn dann mal Champions League oder Bundesliga läuft, gucken wir oftmals zusammen“, erzählt Enrico, der sich nach einer langen Verletzungspause zurück in den Kader der ersten Mannschaft des SC Weyhe gekämpft hat. „Mein Ziel ist es jetzt natürlich, in erster Linie fit zu bleiben. Und wenn es dann wieder möglich ist, will ich meinen Stammplatz zurückerobern“, betont der Verteidiger des Landesligisten, der mit dem bisherigen Saisonverlauf total zufrieden ist. „Als Aufsteiger kann sich die Bilanz sehen lassen. Wir können in der Liga gut mithalten, und es steckt noch viel mehr Potenzial in der Truppe. Dennoch steht der Klassenerhalt weiterhin an erster Stelle.“

Das Fußballfieber des Trios kommt nicht von ungefähr. Vater Ralf hat selbst einige Jahre hier im Kreis für den TSV Heiligenrode gekickt. „Er selbst bezeichnet sich als Kopfballungeheuer, ist ehrlicherweise auch noch ein bisschen größer als wir Kinder“, scherzt Kevin. Obwohl er als einziger Werder-Fan drei Sympathisanten des Rekordmeisters FC Bayern München gegenübersteht, gibt es in der Familie keine Streitigkeiten. „Wenn wir dann mal alle zusammen Fußball gucken, läuft es eigentlich immer friedlich ab“, sagt Marvin. Und wie soll es auch anders sein: Wenn es um den runden Ball geht, kommt die Familie wieder zusammen. Und wer weiß, vielleicht erfüllt sich eines Tages der Traum und Kevin, Marvin sowie Enrico laufen für die gleichen Farben auf.

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