Käferlarven haben sechs Fußballplätze im Landkreis Oldenburg befallen und bereiten den Vereinen ernste Sorgen Das große Krabbeln

Wildeshausen, Dötlingen, Littel, Wüsting, Ganderkesee, Vielstedt – gleich in sechs Orten des Landkreises Oldenburg kämpfen die Fußballvereine mit Käferlarven, die ihre Plätze zerstören. Die sogenannten Engerlinge fressen die Graswurzeln von unten ab und sind zudem ein Leckerbissen für Vögel, die den Rasen bei der Nahrungssuche zusätzlich beschädigen. Somit verursachen die ungebetenen Gäste Spielausfälle und immense Kosten.
08.09.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Das große Krabbeln
Von Christoph Bähr

Wildeshausen, Dötlingen, Littel, Wüsting, Ganderkesee, Vielstedt – gleich in sechs Orten des Landkreises Oldenburg kämpfen die Fußballvereine mit Käferlarven, die ihre Plätze zerstören. Die sogenannten Engerlinge fressen die Graswurzeln von unten ab und sind zudem ein Leckerbissen für Vögel, die den Rasen bei der Nahrungssuche zusätzlich beschädigen. Somit verursachen die ungebetenen Gäste Spielausfälle und immense Kosten.

Landkreis Oldenburg. Sie sind gerade einmal 15 Millimeter lang, doch schaffen es, dass mancherorts ganze Fußballmannschaften zur Untätigkeit verdammt sind. Larven des Gartenlaubkäfers, sogenannte Engerlinge, haben in den vergangenen Wochen gleich sechs Sportplätze im Landkreis Oldenburg heimgesucht und das einstmals satte Grün teilweise in braunes Brachland verwandelt. Die Larven fressen die Graswurzeln von unten ab. Dadurch lässt sich der Rasen an manchen Stellen wie ein Teppich hoch nehmen, an Fußballspielen ist auf einem großflächig befallenen Platz nicht zu denken.

Wie schnell sich die Engerlinge durch große Grasflächen fressen, ist auf dem Hauptplatz des Wildeshauser Krandelstadions zu sehen. Mitte August entdeckte der Platzwart erste braune Stellen, inzwischen ist der Rasen übersät davon. Wolfgang Sasse macht der Anblick immer noch traurig: "Was mit unserem schönen Stadionplatz passiert ist, finde ich unheimlich schade", sagt der Vorsitzende des VfL Wildeshausen. Nicht nur die Graswurzeln nehmen Schaden, zusätzlich verunstalten Vögel den Rasen, die die Käferlarven aus dem Boden picken und fressen.

Besserung ist immerhin in Sicht: Spezialisten der Firma Sommerfeld aus Edewecht haben in Wildeshausen vor zehn Tagen Nematoden in den Boden eingebracht (wir berichteten). Die Fadenwürmer töten Engerlinge ab. Arnold Pape, bei Sommerfeld für Sportplatz-Renovationen zuständig, erklärt das Vorgehen: "Zunächst setzen wir ein Mittel namens Confidor zur Vorbehandlung ein. Dadurch hören die Engerlinge auf zu fressen. Anschließend kommen die Nematoden zum Einsatz, die üblicherweise einen weitreichenden Erfolg erzielen." In Dötlingen-Grad, wo auch ein Sportplatz von Käferlarven befallen war, ist die Edewechter Firma ebenso verfahren – mit Erfolg. Am vergangenen Mittwoch hat Pape nun den Rasen im Krandelstadion inspiziert. Erste verendete Engerlinge waren dort bereits zu finden: "Wir sind auf einem guten Weg", meint der Fachmann. Wie lange die Nematoden brauchen, bis sie den Großteil der Käferlarven unschädlich gemacht haben, lasse sich jedoch nicht genau sagen. "Es ist ein biologischer Vorgang. Danach lässt sich nun mal nicht die Uhr stellen", betont Pape.

Klar ist ohnehin: Ist man in Wildeshausen der Engerlinge Herr geworden, wartet die nächste Herausforderung. Der Platz muss schließlich wieder hergerichtet werden. Entweder werden die betroffenen Stellen gezielt ausgebessert, oder der gesamte Rasen wird geschält und neu angesät. Letzteres wäre nachhaltiger, allerdings auch teurer, und der Platz wäre wohl in der laufenden Fußballsaison nicht mehr zu nutzen. "Die Kosten müssen jetzt genau ermittelt werden, damit das weitere Vorgehen emotionslos geplant werden kann", fordert Sasse. Dass die Stadt Wildeshausen als Eigentümerin der Anlage am Krandel für die Ausgaben aufkommt, sei sichergestellt. Das Einbringen der Nematoden hat laut Sasse mit allem Drumherum bereits rund 10000 Euro gekostet. Ganz gleich, wie weiter verfahren wird, am Ende dürften die kleinen Käferlarven also für hohe Kosten sorgen. Zumal Sasse zudem den Bau einer Beregnungsanlage mitsamt Brunnen ins Gespräch bringt. Gerade auf den Fußballfeldern im unteren Krandel wird derzeit nämlich viel Wasser benötigt. Der Käferbefall ist dort derart gering, dass intensive Bewässerung noch ausreicht, um die Larven im Zaum zu halten. Der Spiel- und Trainingsbetrieb kann auf den Nebenplätzen aufrechterhalten werden. Das ist das große Glück des VfL Wildeshausen.

Dramatischer stellt sich die Lage bei den SF Littel-Charlottendorf dar: Der Verein aus der Gemeinde Wardenburg verfügt über zwei Fußballfelder, auf beiden haben sich Engerlinge breit gemacht. Ein Spiel des Herrenteams in der 1. Kreisklasse gegen den SV Atlas Delmenhorst ist deswegen bereits ausgefallen. "Zum Glück hat die Gemeinde schnell reagiert und eine Firma beauftragt, die die Plätze gespritzt hat", berichtet Stephan Köhler. Der Fußball-Obmann hofft, dass die Anlage in der kommenden Woche schon wieder genutzt werden kann. Bis dahin weichen die Litteler Fußballer zum Trainieren in nahegelegene Orte aus.

"Glück im Unglück" in Wüsting

Trainieren können die Mannschaften auf der Anlage der SF Wüsting-Altmoorhausen immerhin noch. "Wir haben Glück im Unglück", sagt Abteilungsleiter Dieter Waje. Der Flutlichtplatz in Wüsting ist von Käferlarven befallen, der Nebenplatz nicht. Also sind der Spiel- und Trainingsbetrieb vorerst nicht beeinträchtigt. Die Regionalliga-Frauen können morgen auf das hintere Feld ausweichen. Das Pokalspiel der Wüstinger Herren am kommenden Mittwoch wird dagegen per Heimrechttausch auf die Anlage des Delmenhorster TB verlegt. Die Gemeinde Hude hat die Firma Sommerfeld bereits mit der Bekämpfung der Schädlinge beauftragt. Anfang kommender Woche soll es losgehen.

Ungewiss ist die Lage noch beim TSV Ganderkesee, auf dessen Anlage am Immerweg sich ebenfalls Engerlinge angesiedelt haben. "Bisher holen sich die Krähen die Käfer zum Glück nur auf den Randflächen neben den Plätzen", berichtet Uwe Vogel. Der Vereinsvorsitzende führt derzeit Gespräche mit der Gemeinde Ganderkesee und will in der kommenden Woche entscheiden, was unternommen wird. "Der Spielbetrieb muss in jedem Fall weiterlaufen können", betont Vogel, der das Engerlingsproblem bereits aus den vergangenen Jahren kennt. Nachdem gestern zudem bekannt wurde, dass auch der Platz des TuS Vielstedt von Käferlarven befallen ist, steht fest: So massiv wie in diesem Jahr sind die Tierchen noch nie auf den Sportplätzen der Region in Erscheinung getreten.

"Dieses Jahr ist ein Engerlingsjahr", bestätigt Experte Arnold Pape. "Bei höheren Temperaturen und regelmäßigem Regen kommen sie häufiger vor." In vielen Privatgärten finden sich die Käferlarven, die zwei bis vier Jahre in der Erde leben, momentan ebenfalls. Auf Sportplätzen gefällt es ihnen jedoch noch besser. "Engerlinge aller Käferarten mögen es im Boden warm und trocken", erklärt Horst Bathon, pensionierter Biologe aus Roßdorf nahe Darmstadt und Vorsitzender des Internationalen Entomologischen Vereins. Auf Sportanlagen sei das Gras durch die stetige Bewässerung einerseits besonders saftig, andererseits gebe es oft gute Drainagen, sodass das Wasser schnell abfließen kann. Für Bathon ist daher klar, warum die Käferlarven besonders gerne auf Fußballplätzen heimisch werden: "Dort sitzen die Engerlinge etwa drei Zentimeter unter der Oberfläche. Es ist relativ trocken und ihnen wächst die Nahrung praktisch ins Maul."

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