Bremer Talente: Was Nationalspielerin Hanna Ferber-Rahnhöfer für die Bundesligisten so interessant macht Das Mädchen und der Zaubertrank

Bremen. Es war diese eine Woche im Januar, die vieles verändert hat im Leben von Hanna Ferber-Rahnhöfer. Genau gesagt, waren es fünf Tage.
30.07.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Das Mädchen und der Zaubertrank
Von Frank Büter

Bremen. Es war diese eine Woche im Januar, die vieles verändert hat im Leben von Hanna Ferber-Rahnhöfer. Genau gesagt, waren es fünf Tage. Mutter Christiane hatte ihre zu dem Zeitpunkt noch 14-jährige Tochter nach Erfurt gebracht, dorthin, wo Handball-Bundesligist Thüringer HC mit einem Nachwuchsleistungszentrum heimisch ist. Von Montag bis Freitag lebte Hanna Ferber-Rahnhöfer im angeschlossenen Internat, besuchte das Erfurter Sportgymnasium, nahm am Stützpunkt- und Vereinstraining teil – und hatte sogar das Vergnügen, eine Trainingseinheit mit dem Frauen-Bundesligateam zu absolvieren.

Es war für Hanna Ferber-Rahnhöfer der Beginn einer aufregenden Zeit mit vielen neuen Erfahrungen und einer neuen Bewertung ihrer Fähigkeiten. Denn die torgefährliche Nachwuchsspielerin des SV Werder Bremen hat viel erlebt seither – und auch sehr viel nachdenken müssen. Zum einen über das Angebot des sechsmaligen deutschen Meisters Thüringer HC, ins Sportinternat nach Erfurt zu wechseln. Aber auch über eine Anfrage des Erstligisten HSG Blomberg-Lippe, der ihr einige Wochen später ebenfalls einen Vereinswechsel inklusive Umzug in ein Internat nahegelegt hatte.

Damit aber nicht genug. Denn die gebürtige Bremerin stieg zwischenzeitlich sogar von einer Landesauswahl- zu einer Nationalspielerin auf. Hanna Ferber-Rahnhöfer überzeugte die Talentspäher des Deutschen Handball-Bundes (DHB) bei einem Sichtungsturnier in Kienbaum und auch bei einer ersten Lehrgangsmaßnahme im Frühjahr in Warendorf. Jetzt steht sie auf der DHB-Kaderliste für den Jahrgang 2002. Als die E-Mail mit dieser Nachricht kam, sagt Hanna Ferber-Rahnhöfer, da sei ihr erst bewusst geworden, dass sie wohl doch ganz gut sein muss, „das hatte ich selbst bis dahin gar nicht so wahrgenommen“.

Auf dem DHB-Radar

Im September soll nun die nächste Lehrgangsmaßnahme des DHB stattfinden. Ob Hanna auch dazu eingeladen wird, weiß sie noch nicht. Sie hofft es aber sehr. Und sie erfüllt eifrig ihren individuellen Trainingsplan, den sie von Bundestrainer Frank Hamann erhalten hat. Sie absolviert regelmäßig ihre Kraft- und Laufeinheiten, die Ergebnisse trägt sie dann detailliert in eine Datenbank ein. Vor allem im läuferischen Bereich muss sich Hanna Ferber-Rahnhöfer verbessern. Deutlich sogar. Vorgabe ist es, einen Ausdauerlauf über drei Kilometer unter 13 Minuten zu absolvieren. Bei der Leistungsdiagnostik hat Hanna 14:30 Minuten benötigt – „ich arbeite daran“, sagt sie. Die 15-Jährige klingt dabei sehr überzeugend, man spürt: Sie hat Witterung aufgenommen. Ihr gefällt die Vorstellung, auf dem Radar des Deutschen Handball-Bundes zu sein. Und sie reizt inzwischen auch der Gedanke an eine Karriere als Bundesliga­spielerin. Das war nicht immer so.

Seit ihrem achten Lebensjahr spielt Hanna Ferber-Rahnhöfer Handball. Bei einem Schulturnier für Drittklässler findet sie Gefallen an dieser Sportart und schließt sich im Anschluss dem SV Werder an. Weil ihr Handball Spaß macht. Und weil sie es mag, sich körperlich zu messen und auszupowern. Da sie überdies großes Talent sowie die nötige Portion Einsatzbereitschaft und Willensstärke mitbringt, entwickelt sich Hanna schnell zu einer Leistungsträgerin und hilft auch schon in der höheren Altersstufe aus.

„Hanna ist immer eine der auffälligsten Spielerinnen“, sagt Rabea Neßlage. Die Zweitligaspielerin des SV Werder trainiert die weibliche B-Jugend des Klubs und hat in der vergangenen Saison regelmäßig auf die veranlagte Rückraumakteurin zurückgegriffen, die da altersmäßig eigentlich noch in der C-Jugend angesiedelt war. Und Neßlage sagt auch: „Wenn Hanna in der B-Jugend mal nicht dabei war, hat man das gemerkt, da hat sie uns schon gefehlt.“

Wie Obelix

Hanna Ferber-Rahnhöfer ist groß, sie misst 1,75 Meter. Und sie ist athletisch gebaut, hat breite Schultern und kräftige Arme. „Für ihr Alter“, sagt Neßlage über die wurfstarke Rechtshänderin, „für ihr Alter ist sie weiter als andere“. Hannas größtes Plus aber ist ihre Aggressivität. Heißt: Wenn Hanna zum Torwurf ansetzt, ist sie angesichts ihrer Dynamik und ihres Durchsetzungsvermögens kaum zu stoppen. Weil sie sich nicht stoppen lassen will. Heißt aber auch: Wenn Hanna in der Abwehr im Mittelblock steht und ihre Arme ausbreitet, gibt es für die gegnerischen Spielerinnen kaum ein Durchkommen. Weil sie aggressiv dagegenhält – hart, aber fair. „Diese aggressive Grundstimmung“, sagt Hanna Ferber-Rahnhöfer, „die steckt in mir drin“. Sie ist eine Führungsspielerin, die jederzeit Verantwortung übernimmt und ihre Nebenleute mitreißt. Auch emotional.

„Ein Trainer hat mal gesagt, sie spielt wie ein Junge“, erzählt Christiane Ferber-Rahnhöfer. Sie sagt mit einem Schmunzeln: „Mich erinnert ihre Stärke ein wenig an Pippi Langstrumpf oder Obelix.“ Nun ist Hanna Ferber-Rahnhöfer weder das stärkste Mädchen der Welt noch ist sie wie Obelix in einen Zaubertrank gefallen, doch sie verfügt über außerordentliche Qualitäten, die ihr jetzt den Weg bis in den Nationalkader und in die Notizbücher der Bundesligascouts geebnet haben.

Hanna Ferber-Rahnhöfer hat sich inzwischen entschieden, wie sie diesen Weg künftig beschreiten möchte. Die Gymnasiastin bleibt in Bremen – vorerst. Sie wird weiter die Sportbetonte Schule an der Ronzelenstraße besuchen. Und sie wird Werder die Treue halten – zumindest noch für eine Saison. „Ich habe mir auch gut vorstellen können, nach Erfurt ins Internat zu gehen – das waren gute Gespräche“, sagt Hanna Ferber-Rahnhöfer. „Aber das Konzept von Florian Marotzke hat mich überzeugt. Jetzt bin ich auf die Umsetzung gespannt.“

Florian Marotzke ist der neue hauptamtliche Werder-Trainer. Er hat Hanna Ferber-Rahnhöfer in einem Gespräch offenbar gute Argumente geliefert, warum es sich lohnt, die nächsten Entwicklungsschritte vor der Haustür in Angriff zu nehmen. „Früher wollte ich immer nur Spaß haben. Jetzt will ich etwas erreichen“, sagt die 15-Jährige. Hanna Ferber-Rahnhöfer ist zu einer ambitionierten Nachwuchshandballerin gereift. Sie will sich noch mehr auf den Sport fokussieren. Und sie will bald auch ihr erstes Länderspiel absolvieren – „unbedingt, denn das wird für mich ein ganz besonderer Moment sein“. Diese eine Woche im Januar, sie hat viel verändert.

Im nächsten Teil unserer Serie erzählen wir, wieso sich Floorballer Nicolas Flathmann in Schweden wie ein Profi fühlte.
„Das erste Länderspiel wird für mich ein ganz besonderer Moment sein.“ Hanna Ferber-Rahnhöfer
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+