Fußball-Bezirksoberliga Lüneburg Das Wunder von Moisburg - Etelsen nach 8:0 gerettet

Etelsen. Als Wolfgang Goerdel am Sonnabend um 19.46 Uhr mit dem Handy am Ohr wie ein Irrwisch über den Rasen des Moisburger Esteparks tobte, kannte der Jubel bei den Fußballern des TSV Etelsen und den zahlreich mitgereisten Schlachtenbummlern keine Grenzen mehr.
31.05.2010, 09:00
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Das Wunder von Moisburg - Etelsen nach 8:0 gerettet
Von Lars Köppler

Etelsen. Als Wolfgang Goerdel am Sonnabend um 19.46 Uhr mit dem Handy am Ohr wie ein Irrwisch über den Rasen des Moisburger Esteparks tobte, kannte der Jubel bei den Fußballern des TSV Etelsen und den zahlreich mitgereisten Schlachtenbummlern keine Grenzen mehr. Mit einem fulminanten 8:0 (3:0) beim MTV Moisburg sicherten die Schlossparkkicker in einem Herzschlagfinale doch noch den Klassenerhalt in der Fußball-Bezirksoberliga Lüneburg.

Der Informant des Managers, der das Parallelspiel des TuS Celle FC gegen Jahn Schneverdingen besuchte, hatte wahrlich Unglaubliches zu berichten. Die wegen ihrer Fans gefürchteten Celler hatten bis kurz vor dem Spielende zwar ihren Sechs-Tore-Vorsprung gegenüber den Etelsern nahezu einbüßt, doch das 3:0 sollte ihnen reichen. Als Schneverdingen noch der Ehrentreffer gelang, herrschte nur noch Entsetzen beim tief gestürzten Traditionsverein, der nun mit 41 Punkten - wie auch der FC Worpswede - den bitteren Gang in die Bezirksliga antreten muss.

In Moisburg hingegen stand Party auf dem Programm. 'Ich glaube, dass wir es schaffen können', hatte der verletzte Stürmer Stefan Danylyszyn unmittelbar vor dem Anpfiff orakelt. Zweieinhalb Stunden später stand der Torjäger - in Bier und Sekt getränkt - in der jubelnden Menschentraube und konnte das Glück kaum fassen. Auch Wolfgang Goerdel war dem 'Herzkasper' nahe, herzte überschwänglich jeden Spieler und verdrückte manche Träne.

Einziger Sturmlauf

Auf dem Platz hatte es Einbahnstraßenfußball von der ersten Minute an gegeben. Die ersatzgeschwächten Moisburger hatten dem Mute der Verzweiflung, mit dem die Blauhemden agierten, nichts entgegenzusetzen. Angetrieben von dem überragenden Dreigestirn Mario Gloger, Kato Tavan und Davut Kilinc rollte Angriff auf Angriff auf das von Robert Cohrs gehütetet MTV-Tor. Der von Verletzungssorgen geplagte Aufsteiger, der sich frühzeitig den Ligaverbleib gesichert hatte, hielt dem Wirbel des TSV Etelsen nur zwölf Minuten stand.

Dann drang der eminent quirlige Kato Tavan über rechts in den Strafraum ein, legte zurück auf den mitgelaufenen Davut Kilinc, der sich mit einer Körpertauschung freie Schussbahn verschaffte und trocken aus zehn Metern vollendete. Nun witterten die Gäste Morgenluft. Seine erste und einzige Prüfung musste Keeper Eugen Deschner nach 20 Minuten bestehen, als er den Sololauf von Mark Visser mit einer Parade stoppte. Der Rest der ersten Halbzeit war ein einziger Sturmlauf der Gäste.

Der Geräuschpegel und die Hoffnung nahmen zu, als Kato Tavan einen an Mario Gloger verursachten Foulelfmeter in den Winkel schlenzte (23.). Die variablen Gäste spielten oft über die Außen, wo Philipp Kraus und zunächste Alexander Blank agierten, aber auch durch die Mitte, wo André Mantai, Lars Cordes und Davut Kilinc die Hoheit über den Gegner hatten. Kurz vor dem Pausenpfiff langten die Etelser dann nochmal zu. Fast hätten die alleine auf das Tor zustürmenden Mario Gloger, Davut Kilinc und Mirko Radtke die Mega-Chance verdaddelt, doch Kilinc spitzelte den Ball im dritten Versuch über die Linie.

'Ich habe in der Halbzeitpause meine Spieler beschworen, dass mehr als nur ein Sieg drin ist', sagte Oberbörsch, der nun minütlich mehr an die Sensation glaubte. Und seine Spieler nährten diese Hoffnung. Zwar scheiterte Kraus mit einem strammen Fernschuss, doch Tavan auf Vorlage von Kilinc (54.) und Lars Cordes mit einem Schuss aus 13 Metern (58.) erhöhten schnell auf 5:0. Weitere drei Minuten später verlängerte Gloger einen Kilinc-Freistoß aus dem Halbfeld ins Tor. Dann, als Schiedsrichter Nikolas Wilckens nach einem Trikotzupfer an Gloger zum zweiten Mal auf Strafstoß entschied, traf Kato Tavan erneut aus elf Metern (72.).

Den Schlusspunkt in dieser einseitigen Partie setze Davut Kilinc mit seinem dritten Treffer. Erneut war es ein Foulelfmeter, nachdem Torwart Robert Cohrs den auf ihn zulaufenden Mirko Radtke unseriös gebremst hatte. Diesmal übernahm Kilinc die Verantwortung und verlud den Moisburger Keeper (79.). Weil sie aber zu diesem Zeitpunkt noch ein neuntes Tor benötigten, drängten die Etelser weiter mit Macht. 'Mit dem 8:0 haben wir eine Punktlandung gemacht', lautete das Resümee des erschöpften und glücklichen Trainers.

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