Zverev verpasst die Daviscup-Sensation und verliert am Ende gegen Berdych in fünf Sätzen / 1:1 gegen Tschechien Debüt ohne Happy End

Hannover. Es war das größte Match seiner Karriere – und Alexander Zverev sorgte dafür, dass eine Sensation in der Luft lag. Tomas Berdych musste schon seine ganze Klasse, all seine Routine auspacken, um am Freitag noch den so wichtigen 1:1-Ausgleich für Tschechien zu sichern.
05.03.2016, 00:00
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Debüt ohne Happy End
Von Ruth Gerbracht

Es war das größte Match seiner Karriere – und Alexander Zverev sorgte dafür, dass eine Sensation in der Luft lag. Tomas Berdych musste schon seine ganze Klasse, all seine Routine auspacken, um am Freitag noch den so wichtigen 1:1-Ausgleich für Tschechien zu sichern. Nach fünf spannenden und hochklassigen Sätzen gewann Berdych die zweite Partie im Erstrundenduell des Daviscups zwischen Deutschland und Tschechien nach mehr als vier Stunden mit 7:6, 1:6, 4:6, 6:3, 6:4 gegen den fantastisch aufspielenden Debütanten Zverev. Zuvor hatte sich Philipp Kohlschreiber in einem eher mäßigen Spiel zum Fünf-Satz-Sieg 3:6, 6:3, 6:4, 2:6, 6:3 gegen Lukas Rosol gekämpft.

Die Sensation, vielleicht doch mit 2:0 in Führung zu gehen, sie war für die deutsche Mannschaft greifbar. Der erst 18-jährige Zverev brachte den Weltklassespieler Berdych an den Rand einer Niederlage – aber eben nur fast. Umso größer war die Enttäuschung beim Hamburger, als er schließlich doch als Verlierer den Platz verließ. „Das ist echt bitter heute“, sagte Zverev, „freuen kann ich mich nicht über mein Spiel– zumindest jetzt nicht.“ Doch obwohl sein Auftritt ohne Happy End blieb, so hat er doch bewiesen, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, wann er sich endgültig in die Weltspitze spielt.

Zverevs sagenhafte Coolness

Das sah auch sein Bezwinger Tomas Berdych so. Er lobte Zverev als „eines der größten Tennis-Talente zurzeit auf der Tour. Er hat das Potenzial für einen Nummer-Eins-Spieler.“ Nicht allein, dass der junge Deutsche Tennis der Extraklasse im Daviscup gezeigt hat – er begeisterte zudem mit unermüdlichem Kampfgeist und hoher Konzentration. Er ließ Berdych kaum Luft zum Atmen, spielte mit viel Mut und Risiko, gleichzeitig aber auch mit großer Spielübersicht – das können nicht viele in seinem Alter. Lediglich im entscheidenden fünften Satz unterlief Zverev ein leichter Fehler, der, so bitter es an diesem Abend war, die Führung für Routinier Berdych zum 4:3 bedeutete. Und diese Führung gab der Weltranglisten-Siebte nicht mehr aus der Hand. Also dann doch Spiel, Satz und Sieg Tschechien.

Boris Becker hatte es bei seinem Besuch in Hannover prophezeit: „Ich habe das Gefühl, Tennis kommt wieder in Deutschland.“ Da musste der beste deutsche Tennisspieler aller Zeiten schon längst an Zverev gedacht haben. Denn der Daviscup-Debütant beeindruckte Zuschauer wie Gegner – mit dieser Leistung des Deutschen hatten die Tschechen nicht gerechnet. Zverev überzeugte mit einer sensationellen Aufschlagstärke, selbst den zweiten servierte er zum größten Teil mit mehr als 190 Stundenkilometern. Dazu kam eine atemberaubende Länge in seinen Grundschlägen: Sie sind präzise, hart und unglaublich schnell. So stand unter dem Strich, dass Partie gegen Berdych ein Duell auf Augenhöhe war. Dass Zverev den ersten Satz verlor, lag nur an einer winzigen Unaufmerksamkeit, als er sich für den falschen Ball entschied. Mehr war es nicht.

Neben den spielerischen Qualitäten beeindruckte der Youngster vor allem aber auch mit sagenhafter Coolness. So wollte der erfahrene Daviscup-Akteur Philipp Kohlschreiber Zverev am Vorabend noch ein bisschen beruhigen vor dessen erstem Auftritt. Musste er aber nicht. „Er hat mir gesagt, dass er keinerlei Anspannung spüre“, erzählte der Augsburger.

Und genau so trat der neue deutsche Hoffnungsträger in Hannover auf. Die 6000 Zuschauer waren völlig aus dem Häuschen, als Zverev auftrumpfte, Berdych im zweiten Satz mit 6:1 gar düpierte – und dem besten Daviscup-Spieler der vergangenen Jahre im dritten Satz sofort wieder den Aufschlag abnahm. Zweifelsohne: Wenn es mit dem deutschen Herrentennis wieder aufwärts geht, dann mit diesem Alexander Zverev.

Dagegen tat sich die deutsche Nummer eins ziemlich schwer beim Sieg über Lukas Rusol. Es war eine fast schon zermürbende Achterbahn-Partie, die Kohlschreiber bot. Am Anfang ziemlich nervös, verlor er sofort sein erstes Spiel – was am Ende dann auch entscheidend für den Satzverlust war. Der Deutsche agierte zu defensiv, haderte mit den harten und präzisen Aufschlägen des Gegners und ließ jede Aggressivität vermissen. „Ein klassischer Fehlstart. Ich war einfach noch zu starr in meinem Spiel“, gab Kohlschreiber zu. Im zweiten und dritten Satz kam er deutlich besser ins Spiel. Ihm gelangen großartige Returns, die seinen Gegner mächtig unter Druck setzten. „Da habe ich dann gut gespielt“, zeigte sich Kohlschreiber zufrieden. Er fand in der Tat besser ins Spiel und gewann verdient 6:3 und 6:4. Kohlschreiber war der bessere Spieler, ohne jedoch wirklich zu glänzen.

Dass der fünfte Satz die Entscheidung bringen musste, lag dann erneut an Unkonzentriertheiten des Deutschen im vierten Satz. Wollte Kohlschreiber das Match gewinnen, war klar, dass er endlich Gas geben musste. Und das tat er dann auch. Deutlich aggressiver breakte er den Tschechen unter dem Jubel der Zuschauer zum 4:3 – und war nicht mehr zu stoppen. „Im fünften Satz habe ich mal die Eier gehabt, etwas zu riskieren“, erklärte Kohlschreiber nach seiner fulminanten Schlussoffensive, die dem deutschen Daviscup-Team die so wichtige 1:0-Führung bescherte.

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