TuS Heidkrug Den Bezirksliga-Aufstieg im Blick

Heidkrug. Mit einer komfortablen Ausgangsposition geht der TuS Heidkrug heute in das entscheidende Relegationsspiel beim STV Voslapp. Dem Vizemeister der Kreisliga reicht ein Unentschieden, um den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt zu machen.
12.06.2013, 05:00
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Den Bezirksliga-Aufstieg im Blick
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Die Geschichte taugt zum Märchen. Sie beginnt damit, dass der umjubelte Torjäger seinen Verein in die Fußball-Landesliga schießt. Dann übernimmt er das Traineramt, doch wird von seinen Spielern hinterrücks verraten und vom Hof gejagt.

Also sucht der tapfere Held sein Glück anderswo, kehrt schließlich aber zu seinem Klub zurück, den er mit wichtigen Toren zu alter Stärke führt. Fertig ist das Märchen vom unerschütterlichen "Schoko". Die Hauptrolle spielt Ralf Faulhaber, auf den der Kreisliga-Vizemeister TuS Heidkrug heute im entscheidenden Relegationsspiel um den Bezirksliga-Aufstieg beim STV Voslapp (19 Uhr, Flutstraße) erneut setzt.

Am letzten Kreisliga-Spieltag tauchte der 42-Jährige plötzlich wieder im Heidkruger Kader auf, am vergangenen Sonntag traf er in der ersten Relegationspartie gegen den SV Ofenerdiek nach seiner Einwechslung doppelt. Heidkrug gewann mit 5:0, nachdem Voslapp gegen Ofenerdiek lediglich einen 1:0-Sieg verbucht hatte. Somit reicht den Delmenhorstern heute in Voslapp schon ein Unentschieden zum Aufstieg. Rechtzeitig vor der Fahrt nach Wilhelmshaven rief Matthias Trätmar seinen alten Kumpel Faulhaber an. "Ich habe ihn eingeladen, und er hat angenommen", berichtet Heidkrugs Trainer.

Die Idee, den Torjäger zu reaktivieren, kam Trätmar, als die personelle Situation in der Schlussphase der Saison immer angespannter wurde. ",Schoko’ hat die nötige Ruhe vor dem Tor und ist immer für einen Treffer gut", beschreibt der Coach die Stärken des erfahrenen Angreifers. Faulhaber überlegte nicht lange, als er um Unterstützung gebeten wurde: "Ich helfe gerne." Er tue das für die Mannschaft, die sich den Aufstieg durch eine starke Saison verdient habe, und für seinen guten Freund Matthias Trätmar.

Sollte Faulhaber mit seinem Team tatsächlich den Sprung in die Bezirksliga schaffen, wäre er das Symbol der Heidkruger Wiederauferstehung. Im Oktober 2011 stand er dagegen noch sinnbildlich für den Niedergang des Klubs. Trotz einer ordentlichen sportlichen Bilanz wurde Faulhaber als Trainer entlassen, weil die Mehrheit der Spieler ihn nicht mehr wollte. Danach brach am Bürgerkampweg das Chaos aus, der Verein zog seine erste Mannschaft im März 2012 nach diversen Eskapaden aus der Landesliga zurück. Faulhaber übernahm in der folgenden Saison den Bezirksligisten VfL Stenum, musste jedoch auch dort vorzeitig gehen. Parallel lief er stets für die Heidkruger Ü40-Mannschaft auf, trotz seines unrühmlichen Abgangs als Trainer hegte Faulhaber nie Groll gegen seinen Verein. In der kommenden Saison wird er Heidkrugs B-Junioren trainieren – und wenn er gebraucht wird, ist er da. So wie jetzt. "Ich trainiere nicht mehr so oft wie vor zwei Jahren, aber ich bin relativ fit", betont Faulhaber und fügt an: "Wo das Tor steht, weiß ich sowieso."

Zwei Tore in sieben Minuten

Für die heutige Partie in dem Wilhelmshavener Stadtteil Voslapp ist der ausgebuffte Stürmer als Joker eingeplant. "Vielleicht werden es 20 Minuten, vielleicht auch nur zehn", sagt er. Gegen Ofenerdiek reichte ihm sogar ein siebenminütiger Einsatz, um zwei Tore zu erzielen und einen Elfmeter herauszuholen. Erst einmal lässt der Routinier aber den Jüngeren den Vortritt. "Ich stehe nicht im Vordergrund, sondern helfe nur aus. Die Mannschaft hat sich die Aufstiegschance erarbeitet", betont Faulhaber. Auf wen Heidkrug genau setzen kann, ist noch unklar. Jesper Müller-Nielsen und Sebastian Schroth sind verletzt. Schlussmann Florian Poppe und Andre Wohnig befinden sich mit der Bundeswehr im Hochwassereinsatz. "Wir müssen abwarten, ob sie dabei sein können", sagt Coach Trätmar. Als Ersatz für die Torhüterposition steht der gelernte Stürmer Tim Osterloh bereit. In jedem Fall will Trätmar auf Sieg spielen, auch wenn ein Remis ausreicht. "Es ist nicht unsere Art, uns nur hinten reinzustellen. Das wäre auch sehr gefährlich."

Der Gegner Voslapp hat in der Kreisliga IV eine eindrucksvolle Saison mit nur drei Niederlagen hinter sich. In Joannis Chrissochoidis verfügt die Mannschaft über einen Angreifer, der ähnlich erfahren ist wie Faulhaber und 21 Tore auf dem Konto hat. Sturmpartner Lukas Wysiecki bringt es sogar auf 37 Treffer. Trätmar gibt sich trotzdem selbstbewusst: "Wir sollten dort mit breiter Brust hinfahren. Wir wollen unbedingt in die Bezirksliga." Bleibt also nur eine Frage: Kann Heidkrug im Falle des Aufstiegs weiter mit dem Torjäger Faulhaber planen? "Das musste ja kommen", lacht der 42-Jährige. "Wenn Not am Mann ist, helfe ich. Voll einsteigen werde ich aber nicht. Das tue ich mir nicht mehr an."

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