Björn Müller stand jahrelang im VSK-Tor – in Heeslingen wird er ab Sommer wohl endgültig ins Trainerteam wechseln Der alte Mann und die 40

Heeslingen. Nein, sein großes Ziel wird er wohl nicht ganz erreichen. Mit 40 Jahren, das hatte Björn Müller immer wieder betont, wolle er noch irgendwo im gehobenen Leistungsfußball im Tor stehen.
28.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Der alte Mann und die 40
Von Tobias Dohr

Nein, sein großes Ziel wird er wohl nicht ganz erreichen. Mit 40 Jahren, das hatte Björn Müller immer wieder betont, wolle er noch irgendwo im gehobenen Leistungsfußball im Tor stehen. Im August wird der langjährige Ex-Torwart des VSK Osterholz-Scharmbeck 37 Jahre alt – und spätestens im Sommer wird Müller ins dritte Glied rutschen und sich stattdessen vermehrt als Torwarttrainer beim Heeslinger SC engagieren.

„Das wird wohl leider nicht ganz klappen mit der 40“, sagt Björn Müller mit einem Augenzwinkern. Enttäuscht ist er deswegen aber keinesfalls. Warum auch? Der Fußball hat ihm viel gegeben, durch sein Hobby hat er eine ganze Masse erlebt. In Heeslingen fußballerisch groß geworden machte Müller in seinen ersten Herrenjahren als Oberligatorwart des Rotenburger SV schnell auf sich aufmerksam. Ein gewissen Günter Hermann hatte das große Torwarttalent an die Wümme gelotst. Mehrere Vereine aus dem Profigeschäft klopften damals an, unter anderem auch Werder Bremen, Hannover 96 oder der FC St. Pauli. Ein Wechsel kam jedoch nie zustande.

Also führte Müllers Weg über den TSV Neuenkirchen und den SC Weyhe schließlich im Jahr 2005 zum VSK Osterholz-Scharmbeck. Dort hatte mittlerweile Günter Hermann das Sagen, auf der Suche nach einem Ersatz für den nach Bornreihe abgewanderten Florian Leschnik erinnerte sich der Ex-Profi an seinen jungen Torwart aus Rotenburger Zeiten. Der Kreis schloss sich – und für Björn Müller begannen sechs überwiegend erfolgreiche Jahre bei den Grün-Weißen.

„Ich hatte wirklich eine schöne Zeit beim VSK“, erinnert sich Müller. „Deshalb war ich am Ende auch etwas enttäuscht und traurig, dass ich so ausgebootet wurde.“ Nach einer Knieverletzung im Sommer 2010 hatte Florian Urbainski die Gunst der Stunde genutzt und Müller mit starken Leistungen verdrängt. „Im Februar, März 2011 teilte man mir dann damals mit, dass man nur noch als Nummer zwei mit mir plant.“ Aber Nummer zwei konnte er auch in Heeslingen sein.

Mit dem eindeutigen Vorteil, dass die Fahrtwege damit deutlich reduziert werden würden. Müller wohnt in Zeven, arbeitet in Rotenburg. Da passte Heeslingen deutlich besser ins Profil. In „acht Minuten“, so Müller, ist der Ex-VSK-Torwart nun am Trainingsplatz. Ein Vereinswechsel kommt deshalb wohl auch nicht mehr in Frage. Müller hat einen siebenjährigen Sohn und eine dreijährige Tochter. „Als ich das mit den 40 Jahren gesagt habe, da war ich ja selbst noch 30 und hatte keine Kinder“, sagt er. Seine Rolle als Nummer zwei hinter dem erst 21-jährigen Stammkeeper Jannis Trapp hat er mittlerweile akzeptiert. „Im Training haben wir uns richtig gehabt und gebissen, das hatte sportlich richtig Niveau. Aber Jannis hat sich das dann auch wirklich verdient.“ Ein halbes Jahr hatte Müller sich zwischenzeitlich noch mal den Nummer-1-Status erkämpft, mittlerweile aber ist die Jugend am Zug.

Auch am Sonntag, wenn der VSK Osterholz-Scharmbeck im Heeslinger Stadion antritt, wird es deshalb wohl kein Müller-Comeback geben. „Natürlich ist das immer noch etwas Besonderes, gegen den alten Klub zu spielen“, sagt Müller. Aber bis auf Remigius Wild und Wolfgang Stöhr, bei dem Müller im vergangenen Jahr auch zum 60. Geburtstag eingeladen war, gebe es eigentlich keine Berührungspunkte mehr in die damalige Zeit. Die Entwicklung seines langjährigen Ex-Klubs verfolgt Müller gleichwohl noch sehr genau: „Ich schaue schon regelmäßig, wie der VSK gespielt hat.“

Vor allem im Hinspiel gegen Heeslingen hatte Müller eine Live-Kostprobe von den Fähigkeiten des vom Abstieg bedrohten Ex-Klubs erhalten. Mit 4:1 siegte der VSK im vergangenen September. „Die waren richtig, richtig gut, haben aufopferungsvoll gekämpft“, erinnert sich Müller. Auch deshalb konnte er aus der Distanz nicht nachvollziehen, warum der Klub sich im Winter von Dominik Voglsinger getrennt habe. „Der hat aus der Truppe doch mehr als das Maximum herausgeholt.“ Auf der anderen Seite weiß Müller auch: „Das Hinspiel war wohl die schlechteste Leistung, seit ich hier in Heeslingen bin.“

Immer wieder stehe sich seine Mannschaft selbst im Wege. Wie auch am vergangenen Wochenende beim 2:3 in Hagen. „Wir hatten viele Chancen und machen die Dinger nicht rein.“ Ein Hauch von Arroganz würde da manchmal mitschwingen – deshalb habe der Heeslinger SC eben auch schon einige Punkte liegen lassen. Dennoch bleibe der Aufstieg das klare Ziel. Allerdings hat Müller diesbezüglich auch den SV Blau-Weiß Bornreihe auf dem Zettel. „Die haben bei den ersten 13, 14 Mann definitiv unser Niveau und werden uns sicher im Nacken bleiben.“

Apropos Bornreihe. Mit großem Stolz und etwas Wehmut erinnert sich Björn Müller an die Osterholzer Derbys vergangener Tage. „Da haben wir Bornreihe regelmäßig die Ohren lang gezogen“, sagt der Keeper. Doch die Zeiten haben sich eben geändert. Und deshalb kann Björn Müller auch mit bald 37 Jahren mittlerweile gut mit dem Wort „Karriereende“ umgehen.

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