Ein Trainingsbesuch bei den Kart-Slalom-Fahrern des AMC Asendorf Der Bleifuß allein reicht nicht

Asendorf·Martfeld. Auf den ersten Blick sehen die Jungspunde aus, als könnten sie keiner Fliege etwas zu Leide tun. Können sie vermutlich auch nicht, aber wenn sich die Nachwuchsfahrer der Kartabteilung des AMC Asendorf den Helm aufsetzen und in ihr 5,5-PS-starkes Fahrzeug klettern, ist es endgültig mit der Zurückhaltung vorbei. Mit quietschenden Reifen und hohem Tempo zischen sie durch den anspruchsvollen Slalom-Parcours - beinahe wie an der Schnur gezogen. Und wie gut sie in ihrer Disziplin sind, haben sie erst kürzlich durch mehrere starke Platzierungen in regionalen Wettbewerben aber auch bei den Norddeutschen sowie Deutschen Meisterschaften unter Beweis gestellt (wir berichteten).
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Der Bleifuß allein reicht nicht
Von Malte Bürger

Asendorf·Martfeld. Auf den ersten Blick sehen die Jungspunde aus, als könnten sie keiner Fliege etwas zu Leide tun. Können sie vermutlich auch nicht, aber wenn sich die Nachwuchsfahrer der Kartabteilung des AMC Asendorf den Helm aufsetzen und in ihr 5,5-PS-starkes Fahrzeug klettern, ist es endgültig mit der Zurückhaltung vorbei. Mit quietschenden Reifen und hohem Tempo zischen sie durch den anspruchsvollen Slalom-Parcours - beinahe wie an der Schnur gezogen. Und wie gut sie in ihrer Disziplin sind, haben sie erst kürzlich durch mehrere starke Platzierungen in regionalen Wettbewerben aber auch bei den Norddeutschen sowie Deutschen Meisterschaften unter Beweis gestellt (wir berichteten).

Glücklicherweise handelt es sich an diesem Tag 'nur' um eine ausführliche Trainingseinheit, da sind die sonst so bitteren Kollisionen mit einem Pylonen leicht zu verschmerzen. Statt Strafsekunden wie im Wettkampf gibt es prüfende Blicke der Betreuer, die nach einer Parcours-Umrundung sofort erste Verbesserungsvorschläge an die Piloten weitergeben.

'Was wir hier im Verein machen, ist schon einzigartig, denn wir kümmern uns intensiv um die Kinder, haben - wenn es nötig ist - immer eine Korrektur parat', erzählt Uwe Steffens, der 1. Vorsitzende des AMC Asendorf. Während seiner langjährigen Motorsporterfahrung hat er auch etliche Gegenbeispiele erlebt, wo zwar talentierte Kinder auf der Strecke unterwegs waren, ihnen die Fehler aber einfach nicht erklärt worden seien. Und beim Kart-Slalom reicht ein Bleifuß allein nicht aus, neben dem Tempo kommt es auch auf die fahrtechnischen Fähigkeiten an.

Training auf Speditionsgelände

Bei den Asendorfern, die auf einem Speditionsgelände in Martfeld um die orangefarbenen Hüttchen kreiseln, hat sich diese Methode bewährt, mittlerweile geben sogar die größeren Jugendlichen einige Tipps an den ganz jungen Rennnachwuchs weiter.

'Bei uns ist das ein Geben und Nehmen, die jüngeren nehmen anfangs natürlich noch mehr, geben aber später auch viel weiter. Das ist unsere Philosophie, außerdem haben wir so stets qualifizierte Leute dabei.' Den klassischen Besserwisser gebe es nicht. 'Hier spielt sich keiner auf, nur weil er erfahrener, schneller oder erfolgreicher ist', betont Steffens. 'Das gab es am Anfang mal, aber das haben wir sehr schnell ausgetrieben. Außerdem können die Kinder immer selbst wählen, mit wem sie erst die Strecke abgehen wollen und wer sie später beim Rennen coachen soll.'

Und das gegenseitige Vertrauen und Respektieren ist beim Training zu spüren: Obwohl jeder einzelne Pilot während des Durchfahrens der verschiedenen Kurselemente komplett auf sich allein gestellt ist, gibt es ein großes Gemeinschaftsgefühl unter den jungen Fahrer, aber auch mit den erwachsenen Betreuern. Es wird gefachsimpelt und immer wieder gescherzt.

Nach jeweils fünf Trainingsrunden wird erst einmal eine kurze Verschnaufpause eingelegt, die rastenden Fahrer stehen nun am Streckenrand und bringen die eventuell von den Vereinskollegen touchierten Pylonen wieder an den richtigen Fleck - auch so ein Aspekt des Gemeinschaftsgefühls.

Und kurz nachdem der Helm vom Kopf gewandert ist, blickt man in leuchtende Kinderaugen, eine Mischung aus Stolz, einem hohen Adrenalinspiegel und purem Spaß. 'Ich liebe den Nervenkitzel', schwärmt beispielsweise Nina Steffens. 'Sportarten mit einem Ball sind mir zu langweilig. Ich mag es, dass ich ein Lenkrad, ein Gas- und ein Bremspedal habe.' Mittlerweile schmiedet sie sogar schon Pläne für die Zukunft. 'Wenn ich in ein paar Jahren 15 oder 16 bin, möchte ich gern in den Automobilsport gehen und dann Auto-Slalom fahren.'

Doch erst einmal zählt das Hier und Jetzt. Auch für Christian Lemke, der in dieser Saison den Titel des Norddeutschen Meisters gewann, zudem beim ADAC-Bundesendlauf in einem 51-köpfigen Feld Fünfter wurde und toller Siebter bei der Slalom-DM in Hagen. 'Nach solch einem Rennen habe ich immer ein ganz großes Kribbeln', schildert er. 'Beim Bundesendlauf bin ich zum Beispiel aus dem Kart gestiegen und habe total gezittert.'

Bei Vincent Marks setzt die Nervosität dagegen vorher ein. 'Ich war dieses Mal sehr aufgeregt, weil ich das erste Mal überhaupt dabei war', meint der Youngster, der von seinem Vater Alfred gecoacht wird - mit Erfolg übrigens. 'Mein Papa gibt mir gute Tipps', erzählt Vincent schmunzelnd.

Nach rund 90 Minuten ist die Trainingseinheit beendet, und natürlich wird gemeinsam der Parcours abgebaut. Die Karts wandern schweren Herzens zurück in die Garage. Die Nachwuchspiloten müssen dem Platz am Lenkrad nun vorerst für die Rückfahrt wieder Mama oder Papa überlassen, wobei die Sprösslinge mitunter besser wissen könnten, wie in Gefahrenmomenten zu reagieren ist.

'Das ist der verkehrserzieherische Aspekt unseres Sports', erzählt Uwe Steffens. 'Ich bin davon überzeugt, dass unsere Kinder durch das Kartfahren später im Straßenverkehr besser handeln und ihr Fahrzeug kontrollieren können, wenn es tatsächlich einmal eine schwierige Situation geben sollte.'

Bis es so weit ist, geht allerdings noch einige Zeit ins Land. Zunächst dürfen es die jungen Piloten noch im Parcours krachen lassen - schließlich sind Ballsportarten einfach viel zu langweilig für sie.

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