Auch im Alter von 45 Jahren denkt Grüppenbührens Shooter noch lange nicht ans aufhören – ganz im Gegenteil Der ewige Ohlebusch

Er hat seiner Mannschaft durch ein Tor kurz vor Schluss schon mal den Abstieg aus der Landesliga erspart und führte sie später zum Aufstieg in die Verbandsliga. In nur einem Spiel sind ihm mal 17 Treffer gelungen, an nur einem Wochenende stand er sogar in drei Partien auf dem Platz. Mit dem, was der Handballer Ralph Ohlebusch in Diensten der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg erlebt hat, ließe sich problemlos ein Buch füllen. Am Dienstag ist der Ganderkeseer 45 Jahre alt geworden – Gedanken ans Aufhören verschwendet er deswegen aber nicht.
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Von Daniel Cottäus

Er hat seiner Mannschaft durch ein Tor kurz vor Schluss schon mal den Abstieg aus der Landesliga erspart und führte sie später zum Aufstieg in die Verbandsliga. In nur einem Spiel sind ihm mal 17 Treffer gelungen, an nur einem Wochenende stand er sogar in drei Partien auf dem Platz. Mit dem, was der Handballer Ralph Ohlebusch in Diensten der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg erlebt hat, ließe sich problemlos ein Buch füllen. Am Dienstag ist der Ganderkeseer 45 Jahre alt geworden – Gedanken ans Aufhören verschwendet er deswegen aber nicht.

Nur noch drei Sekunden, und plötzlich ist er da, einer dieser Momente, in denen es nur noch zwei Möglichkeiten gibt: Ja oder nein, drin oder nicht drin – Abstieg oder Klassenerhalt. Am letzten Spieltag liegen die Handballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg mit 20:21 hinten. Gegen TuRa Marienhafe benötigt das Team aber mindestens einen Punkt, um in der Landesliga zu bleiben. Dann gibt es Siebenmeter, dann kommt Ralph Ohlebusch. Der Rückraumspieler wird später zugeben, „dass ich Schiss hatte zu versagen“, behält aber die Nerven. Und trifft. Der Rest ist längst in die Grüppenbührener Vereinsfolklore eingegangen. Sieben Jahre liegt das Marienhafe-Spiel nun schon zurück, und Ohlebusch ist immer noch da. Inzwischen läuft der 45-Jährige für die dritte Mannschaft in der Weser-Ems-Liga auf. Von 25 Siebenmetern hat er in der laufenden Saison 25 verwandelt. Er ist generell, wie eigentlich schon immer, der beste Torjäger seiner Mannschaft.

Wie viele Treffer es im Laufe der Jahre waren, kann Ohlebusch nicht sagen. Er ist keiner, der akribisch Buch führt. Keiner, der für sich innerhalb der Mannschaft eine Sonderrolle beansprucht. Seine traumwandlerische Treffsicherheit von der Siebenmeterlinie hat trotzdem schon so manchen Teamkollegen abergläubisch werden lassen. „Marc Hische sagt immer: Wenn du einen verwirfst, dann verlieren wir das Spiel“, berichtet Ohlebusch, dessen Erfolgsrezept im ersten Moment zu simpel klingt, um wahr zu sein: „Ich versuche einfach, dass der Torwart den Ball nicht hält.“ Der Routinier bedient bei seinen Versuchen alle Ecken des Tores, verfügt zudem über einen großen Variantenreichtum. Aber vielleicht ist diese innere Ruhe, diese fast teilnahmslos wirkende Körpersprache sein eigentliches Geheimnis. „Ich weiß es nicht“, sagt Ohlebusch, verrät aber immerhin, dass er sich vor den Strafwürfen stets spontan für eine Art der Ausführung entscheidet. „Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht“.

Seit dem Kindesalter läuft der Ganderkeseer – mit Ausnahme von zwei Jahren beim Oberligisten TV Neerstedt – durchgehend für seinen Heimatverein Bookholzberger TB auf, dessen Handballabteilung sich 2003 mit der des TSV Grüppenbühren zusammenschloss. Im Laufe der Zeit hat Ohlebusch unzählige Spiele bestritten, noch viel mehr Tore erzielt und dürfte jedem Nachwuchsakteur im Verein ein Begriff sein. Da gibt es zum Beispiel diese Geschichte vom Auswärtsspiel in Aurich, als dem Grüppenbührener Angriff auf gespenstische Weise nahezu alles gelang. 42 Tore standen am Ende auf der Anzeigetafel. Dass auch der Gegner 35 Mal getroffen hatte – geschenkt. Trainer Jan-Bernd Schwepe hielt hinterher fest: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ 17 der 42 Rekordtreffer hatte Ohlebusch markiert, fünf davon per Siebenmeter. Bei fünf Versuchen.

2007, kurz nach dem dramatischen Saisonfinale gegen Marienhafe, äußerte der Rückraumschütze erstmals Gedanken ans Aufhören. „Eigentlich steht mein Entschluss fest. Ich will in der kommenden Saison höchstens noch in der zweiten oder dritten Mannschaft spielen“, sagte er. Den Verantwortlichen um Trainer Schwepe gelang es allerdings, den damals 37-Jährigen von einer weiteren Saison in der Ersten zu überzeugen. Am Ende wurden es zwei, und im Jahr 2009 hatte Ohlebusch seinen Verein zum Aufstieg in die Verbandsliga geführt. Im entscheidenden Relegationsrückspiel gegen Bützfleth/Drochtersen musste Grüppenbühren mit mindestens fünf Treffern Vorsprung gewinnen, was beim 32:27 auch gelang. Während der Partie bekam das Team drei Siebenmeter zugesprochen, und Ohlebuschs Quote lag einmal mehr bei 100 Prozent. Erst danach zog sich der Torgarant in die Reserve zurück, gab 2010 – an einem Wochenende, an dem er auch für die zweite und dritte Mannschaft auflief – aber ein kurzes Comeback. Beim 33:21 gegen Schüttorf erzielte er in der hektischen Schlussphase einen Treffer. Trainer Frank Mehrings stellte danach fest: „Ralph ist im Verein eben eine Ikone.“

Ohlebusch selbst betont beim Blick zurück: „Der Aufstieg in die Verbandsliga war ein Höhepunkt meiner Laufbahn.“ Auch heute noch, mit 45 Jahren, wäre der Routinier bereit, in der Ersten auszuhelfen: „Wenn sie mich fragen, bin ich da“, schmunzelt er, „so lange die Knochen noch mitmachen, spiele ich weiter“.

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