TSG Osterholz-Gödestorf - TuS Sudweyhe II 1:7 Der Gegner im Kopf

Bei der deutlichen Niederlage gegen den TuS Sudweyhe II wird klar: Die TSG Osterholz-Gödestorf hat nicht nur mit dem Gegner zu kämpfen, sondern vor allem sich selbst.
28.10.2018, 20:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Osterholz-Gödestorf/Sudweyhe. Karsten Köitsch war ratlos. 1:7 (0:4) stand es für die von ihm trainierte TSG Osterholz-Gödestorf nach den 90 Minuten gegen den TuS Sudweyhe II in der Fußball-Kreisliga. Wieder war es eine klare Abtreibung. Nach wie vor zählt sein Team erst drei Punkte auf der Habenseite – nach zwölf Partien.

„Wir machen einfach zu viele individuelle Fehler“, beklagte Köitsch. Damit lade sein Team die Gegner förmlich zum Toreschießen ein. So auch die Bezirksliga-Reserve des TuS Sudweyhe: In der zehnten Spielminute marschierte Hannes Lüdeke nach einem Ballgewinn im Mittelfeld weitgehend unbedrängt bis in den Strafraum der Gastgeber durch und traf aus 16 Metern zum 1:0 für seine Mannschaft.

Eben solche Momente lassen den Übungsleiter ratlos zurück. Woher diese Defizite rühren, kann er sich auch nicht so recht erklären. In der Vorsaison traten sie immerhin noch nicht in diesem Ausmaß auf und solche Mängel lassen sich auch nicht mit den Ausfällen mehrerer Stammkräfte erklären. Das brachte den Coach ins Grübeln: „Vielleicht fehlt auch einfach die Klasse. Im Moment sieht es so aus.“ Doch diese Aussage will sich Köitsch eigentlich selbst nicht eingestehen und sucht danach, sie zu widerlegen. In der zweiten Halbzeit gegen St. Hülfe-Heede sei das Potenzial schließlich aufgeblitzt. Aus den Trainingseinheiten zeigte er sich auch überzeugt, dass sein Team die richtige Grundeinstellung mitbrachte. „Aber nicht auf dem Platz“, rätselte er.

Die Ursachen der schwachen Leistung mögen unklar bleiben, die Analyse der Gegentore fällt da leichter. Beim 2:0 der Sudweyher etwa: Da fand sich Justin Pakleppa nach langem Freistoß frei vor Gerrit Schmidt wieder und netzte ein (21.). „Da stimmt die Zuteilung nicht“, kritisierte Köitsch. Unglücklich war dagegen 0:3, beim Luft-Zweikampf im Strafraum foulte Omar Atris Pakleppa und verletzte sich dabei selbst. Den Strafstoß verwandelte Daniel Koch (23.).

Ein individueller Fehler mehr, da stand es dann schon 0:4. Auch, weil sich die Gödestorfer Mannschaft nicht aufraffte, um ihren unglücklichen Teamkollegen zu unterstützen und der sich anschließend ebenfalls nicht viel aktiver zeigte. Da hatte Pakleppa wenig Mühe mit seinem zweiten Treffer (34.). „Wir stehen da wie Statisten“, monierte der TSG-Trainer.

Wie einfach das alles ging, davon war auch Sudweyhes Co-Trainer Henrik Schmidt überrascht: „Wir haben häufig schnell das Mittelfeld überbrückt und auch mal über die Seite gespielt.“ Und das, obwohl der TuS in den vergangenen Wochen nur auf Kunstrasen gespielt hatte und sich erst einmal an den unebenen, tiefen Boden gewöhnen musste. Auch mit der Zuordnung war Schmidt nicht durchweg einverstanden. Die deutliche Pausenführung verleitete dann zum Hochmut. „Wir haben uns eine 30-minütige Auszeit genommen“ , beschrieb er die Leistung der zweiten Hälfte.

In der Folge ließen die Gastgeber den Ball etwas besser laufen. Sie kamen jedoch kaum gefährlich vors Tor. Nur nach einem Freistoß von Mike Bockfeld schaffte es Malte Garlich, den Ball über die Linie zu stochern (73.). Dieser Ehrentreffer stachelte die Gäste noch einmal an, bis zum Schlusspfiff schenkte Eike Dziuba dem Vorletzten der Tabelle noch einen Hattrick ein (78., 82., 85.). Auch wenn diese Tore nicht sonderlich spektakulär herausgespielt wurden, zeugten sie doch von der Effizienz, die die Sudweyher an den Tag legten.

So war es auch nicht einmal unbedingt die Zahl der Gegentore, die TSG-Trainer Köitsch so ratlos zurückließen, sondern der Auftritt seines Teams an sich. Dass Sudweyhe nicht der Kragenweite seiner Elf entspricht, war bereits vorab klar. Doch einfacher werden die Aufgaben auch nicht, am kommenden Spieltag geht es gegen den TuS Wagenfeld – den Tabellendritten. Und drei Punkte sind eine denkbar schlechte Ausgangslage für den erhofften Klassenerhalt. Seine Tochter Milena habe schon eine Idee geäußert, erzählte Köitsch: Einen Mentaltrainer engagieren, „um den Kopf freizubekommen“. Denn es scheint auch eine Negativspirale zu sein: Hohe Niederlagen erhöhen die Unsicherheit in der Mannschaft. Aus dieser resultieren dann die Fehler, die wiederum zu Gegentoren führen. Das zu durchbrechen, dürfte Köitschs schwierigste Herausforderung diese Saison werden.

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