Stützen an der Bahn (6)

Der Herr des Mülls

Die Sixdays hinterlassen ihre Spuren. Hubert Stieglbauers Job ist es, die Relikte der Nacht wieder verschwinden zu lassen. Er ist der Herr des Mülls.
16.01.2018, 21:53
Lesedauer: 2 Min
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Der Herr des Mülls
Von Nico Schnurr
Der Herr des Mülls

Der Mann, der für eine saubere Halle sorgt: Hubert Stieglbauer.

Christina Kuhaupt

Dienstag, 11 Uhr, der letzte Morgen. Fünf Nächte sind die Sixdays alt, und die Bürgerweide macht daraus kein Geheimnis. Vor der ÖVB-Arena streiten sich Tauben und Krähen um die essbaren Relikte der vergangenen Nacht. Sie haben ein paar runzelige Pommes entdeckt, die unter einem Haufen verformter Plastikbecher hervorlugen. Den Eingang zur Halle pflastern Konfetti-Krümel und Kippenstummel. Die Sixdays haben ihre Spuren hinterlassen, wieder mal.

Hubert Stieglbauer, 61, nimmt es gelassen. „Wo die Leute feiern, machen sie Müll – so läuft das eben.“ Würde es anders laufen, wäre das schlecht für ihn. Stieglbauer ist der Herr des Mülls in der ÖVB-Arena. Als Reinigungskraft fing er einst an in der Stadthalle. Seit mehr als 25 Jahren verantwortet er nun schon das Saubermachen.

Auf Anti-Müll-Mission

Stieglbauer sorgt dafür, dass die Spuren der Nacht wieder verschwinden. Noch bevor die letzten Gäste aus der Halle gewankt sind, beginnt die Anti-Müll-Mission seiner Mannschaft. „Nicht immer klappt es, dass wir noch in der Nacht mit dem Dreck fertig werden“, sagt er.

Was erinnert an diesem Morgen noch an den vergangenen Sixdays-Abend? Die knittrigen Zigarettenschachteln, die Klatschpappen, die Bierpfützen. Der Boden klebt, schlürfend bewegt man sich durch die Hallen 3 und 4, wo der Abbau längst läuft.

„Je später der Sixdays-Abend wird, desto mehr verschütten die Leute.“ Donnerstagabend ginge es noch, sagt Stieglbauer. „Danach wird es heftig.“ Schrubbmaschinen kurven umher, Bürsten scheuern über den Boden. Zitrus-Putzmittel soll verhindern, dass die Halle auch am Tag danach noch nach Rauch riecht.

Ein notwendiges Übel

Wann die Halle sauber ist, entscheidet Stieglbauer. Während der Sixdays streift er stundenlang durch die Gänge. „Meine Augen sind geschult, ich sehe genau, wenn es irgendwo dreckig ist“, sagt Stieglbauer. Hat der Job sein Verhältnis zum Müll verändert? Wie feiert einer wie er, der täglich sieht, was von der Nacht übrig bleibt? Bedachter?

Er feiere gar nicht mehr, sagt Stieglbauer. Nicht wegen des Mülls, wegen des Alters. Und nein, auch nach mehr als 25 Jahren im Geschäft sei Müll für ihn immer noch einfach nur: Müll. Ein notwendiges Übel, etwas, das nun mal da sei und weggehöre.

Insignien der Nacht

Im Fall der Sixdays hat Stieglbauer bis Donnerstag Zeit. Dann muss die gesamte ÖVB-Arena so aussehen, als wäre nie etwas gewesen. Als wären die Sixdays spurlos an der Halle vorübergezogen.

Wenn die Sieger geehrt und das Lametta von der Decke gerieselt ist, beginnt Stieglbauers Team, die Insignien der Nacht zu vernichten. Er wird sie dabei beobachten. „Ich bin seit Jahrzehnten in dieser Halle zuhause – sie ist mein Wohnzimmer“, sagt Stieglbauer. „Niemand will, dass sein Wohnzimmer dreckig ist.“

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