Geld, Macht, Amigo-Geschäfte: Wie Real Madrids Boss Florentino Pérez im Fußball regiert Der König der Königlichen

Madrid. Europas mächtigster Baulöwe Florentino Pérez scheint ein goldenes Händchen zu haben: Erst machte der Ingenieur aus einer bankrotten Baufirma unter der Marke ACS einen der größten Baukonzerne der Welt, der heute auch bei dem deutschen Riesen Hochtief das Sagen hat. Dann übernahm der Herr der Steine die Macht beim traditionsreichen Fußballklub Real Madrid und begann, aus dem spanischen Rekordmeister mit der Königskrone im Wappen einen Weltfußballkonzern zu modellieren – und das offenbar mit Erfolg.
01.06.2017, 00:00
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Der König der Königlichen
Von Ralph Schulze

Madrid. Europas mächtigster Baulöwe Florentino Pérez scheint ein goldenes Händchen zu haben: Erst machte der Ingenieur aus einer bankrotten Baufirma unter der Marke ACS einen der größten Baukonzerne der Welt, der heute auch bei dem deutschen Riesen Hochtief das Sagen hat. Dann übernahm der Herr der Steine die Macht beim traditionsreichen Fußballklub Real Madrid und begann, aus dem spanischen Rekordmeister mit der Königskrone im Wappen einen Weltfußballkonzern zu modellieren – und das offenbar mit Erfolg.

Am Sonnabend, im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin, will Florentino, wie der 70-Jährige in Spanien kurz gerufen wird, wieder einmal zeigen, wer im europäischen Fußball regiert. Wenn seine Galaktischen um den vierfachen Weltfußballer Cristiano Ronaldo triumphieren, wäre es der zwölfte Titel in der Königsklasse, dem wichtigsten europäischen Wettbewerb im Klubfußball. Das hat noch kein Verein geschafft.

Klub-Präsident Pérez liebt die Superlative: Der Milliardär formte aus Madrid den reichsten Fußballklub der Welt. Er kauft am liebsten die besten und teuersten Spieler der Welt, wie Ronaldo oder Gareth Bale, für die er jeweils annähernd 100 Millionen Euro hinblätterte. Ganz nach seinem Motto: „Große Spieler sorgen für große Einnahmen.“ Und er zahlt, selbstverständlich, auch die höchsten Siegprämien im Klubfußball: Wenigstens 600 000 Euro Belohnung bekommt jeder Real-Kicker, wenn sein Team sich am Sonnabend gegen Juventus die Krone aufsetzt.

„Real Madrid ist der beste Klub der Welt“, behauptet der Boss gerne. Und zwar sportlich, wirtschaftlich und in Hinsicht auf seine große Anhängerzahl: Mehr als 100 Millionen Fans haben die Königlichen. Auch das ist ein Weltrekord. Die Liebe zum Verein hat freilich ihren Preis und ist nichts für Arme: Die Eintrittskarten für das Bernabeu-Stadion zählen zu den teuersten in Spanien und in ganz Europa.

Der eher unscheinbar wirkende Pérez, der schon einmal von 2000 bis 2006 Klub-Chef war und dann 2009 wieder die Vereinsspitze eroberte, hat Real Madrid ganz nach dem Muster seines Bauimperiums ACS aufgezogen: Maximale Kommerzialisierung, gepaart mit spektakulären Zukäufen, durch welche sich die Marketing-Einnahmen vervielfachen lassen.

Mit diesem schlichten, aber knallharten Rezept wurde aus Real Madrid eine Geldmaschine. Das Sportunternehmen wird inzwischen vom US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ mit knapp 700 Millionen Dollar Einnahmen (in 2016) als florierendster Fußballklub der Welt eingeordnet, und ihm wird ein Rekord-Marktwert von mehr als 3,6 Milliarden Dollar zugeschrieben.

Der 70-jährige Pérez, uneingeschränkter Herrscher seines Bau- und Ball-Imperiums, gilt als Meister bei der Verquickung von Fußball und wirtschaftlichen Interessen: In der großzügigen VIP-Loge in der Real-Arena trifft sich alles, was in Spanien Rang und Namen hat. „Dort werden die Fäden Spaniens gezogen“, lästerte Gerard Piqué, Verteidiger beim ewigen Liga-Konkurrenten FC Barcelona. Eine Behauptung, die der Boss überhaupt nicht gerne hört und als Klischee abtut: „Hier wird nur über Fußball gesprochen, nicht über Geschäfte.“

Insider sehen das anders. Die Ehrenloge im Bernabeu-Stadion sei eine „Welt der Kontakte und der Einflussnahmen“, glaubt Alfredo Relaño, Chefredakteur des Blattes „As“, der zweitgrößten Sportzeitung der Nation. Die Ehrentribüne habe sich unter Pérez „in einen Dunstkreis der Macht verwandelt“. Regierungschefs, Minister, Abgeordnete und Bürgermeister werden regelmäßig eingeladen. So schafft man sich ein Netz von Amigos, die für gute Geschäfte hilfreich sein könnten. Tatsache ist jedenfalls, dass in fast allen großen Schmiergeldskandalen des spanischen Königreichs in den Ermittlungsakten auch Pérez’ Bau- und Mischkonzern ACS auftaucht. „Die Ehrenlogen unserer Stadien sind ein Hort der Korruption“, schlussfolgert Pablo Iglesias, Chef der spanischen Protestpartei Podemos.

Pérez weist diesen Verdacht zurück und zieht es vor, über angenehmere Dinge zu reden. Zum Beispiel über den spektakulären Umbau des Bernabeu-Stadions, der nach dem Sommer anlaufen soll. Die in die Jahre gekommene riesige Betonarena für 80 000 Zuschauer, die aber immer noch mit dem Charme eines Parkhauses daherkommt, soll nun in einen modernen Fußball-Freizeit-Palast mit Schiebedach und einer futuristischen silbrigen Außenhaut verwandelt werden.

Rund 400 Millionen Euro will der Real-Boss für das architektonische Lifting springen lassen, das drei Jahre dauern und den Spielbetrieb nicht stören soll. Auch dieses Projekt soll, wie alles im Leben von Pérez, wieder ein Superlativ werden. Nach der Sanierung, verspricht der große Klubvorsitzende ganz unbescheiden, werde „die beste Mannschaft auf dem Globus“ dann „das beste Stadion der Welt“ besitzen.

„Hier wird nur über Fußball gesprochen, nicht über Geschäfte.“ Florentino Pérez
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