Christof Herbec wechselt zum SV Atlas Der lange Weg zurück

Delmenhorst. Christof Herbec hat sich dem SV Atlas Delmenhorst nicht wegen des großen Namens oder der glorreichen Vergangenheit angeschlossen. Nach der langen Verletzungspause denkt der 30-Jährige außerdem in kleinen Schritten.
15.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Der lange Weg zurück
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Es war ein eher unspektakuläres 1:1 zwischen dem TuS Heidkrug und dem TuS Obenstrohe, doch Christof Herbec erinnert sich noch immer genau an jenes Bezirksliga-Spiel am 6. Mai 2011.

"Ich war gut drauf, wir standen kurz vor der Meisterschaft, und dann kam diese eine blöde Situation", blickt der Defensivspieler zurück. Ein Gegner lief mit dem Ball am Fuß an Herbec vorbei, der Heidkruger machte einen Schritt zur Seite, blieb dabei jedoch im Rasen hängen und stürzte – in jenem Moment riss das Kreuzband im Knie, wie sich später bei einer Kernspintomografie herausstellen sollte. Die verhängnisvolle Szene liegt inzwischen über ein Jahr zurück, auf dem Fußballplatz gestanden hat Herbec seitdem nicht mehr.

"Mir fehlte einfach die Zeit für ein richtiges Aufbautraining, denn ich bin derzeit beruflich in der Nähe von Magdeburg tätig", erklärt der 30-Jährige, der mit Frau und Kind in Delmenhorst wohnt, aber während seines laufenden Trainee-Programms bei einem großen Unternehmen in verschiedenen Baumärkten eingesetzt wird. Obwohl Herbecs Freizeit demnach knapp bemessen ist, plant er seine Rückkehr in der kommenden Saison.

Der SV Atlas Delmenhorst vermeldete die Verpflichtung des Ex-Heidkrugers in der vergangenen Woche. Herbec hat sich dem neu gegründeten Traditionsverein jedoch nicht wegen des großen Namens oder der glorreichen Vergangenheit angeschlossen: "Mein bester Kumpel Timo Zimmermann gehört zu den Spielern, die von Eintracht Delmenhorst zu Atlas gehen. Über ihn kam der Kontakt zustande, und ich möchte gerne mit Timo zusammenspielen." Mit Team-Manager Thomas Hebgen, den er aus seiner Heidkruger Zeit ebenfalls bestens kennt, machte Herbec schließlich den Wechsel zum SVA perfekt. "Christof bringt viel Erfahrung mit und kann bei uns Führungsspieler werden", ist Hebgen überzeugt.

Herbec selbst jedoch denkt nach seiner langen Leidenszeit in kleinen Schritten: "Mein Ziel muss es erst einmal sein, wieder Fußball spielen zu können. Ob ich in der kommenden Saison eine tragende Rolle übernehmen werde, lässt sich jetzt noch nicht sagen." Derzeit steht regelmäßiges Lauftraining auf dem Programm des 30-Jährigen. Probleme mache das Knie dabei nicht mehr, doch wie es auf die Belastungen beim Fußball reagiert, müsse man abwarten, sagt Herbec.

Beim ersten Training des SV Atlas will er Anfang Juli einen Versuch wagen. "Wenn es gut laufen sollte, wäre die 1. Kreisklasse sicherlich die richtige Liga, um wieder hineinzufinden", glaubt der Defensivspieler, der als Libero oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann. Für Herbec hat die Atlas-Mannschaft um Trainer Michael Müller das Zeug dazu, auf Anhieb in die Kreisliga aufzusteigen: "Das muss das Ziel sein. Die einzige Gefahr ist, dass die jungen Spieler übermotiviert an die Aufgabe herangehen und zu viel auf einmal wollen. Nur wenn wir als Team funktionieren, können wir Erfolg haben." Was seine persönliche Zeitplanung angeht, hat Herbec sich ebenfalls schon Gedanken gemacht: "Vielleicht lässt sich ein Verein finden, bei dem ich an meinem Arbeitsort unter der Woche trainieren kann. Zu den Spielen am Wochenende komme ich nach Delmenhorst."

Auch wenn der 30-Jährige sich nach der langwierigen Verletzung betont vorsichtig gibt, lässt er an einer Sache keinen Zweifel: Er will unbedingt auf den Platz zurückkehren. "Dass ich so lange nicht auflaufen konnte, ist eine mittelgroße Katastrophe. Der Sport war immer ein wichtiger Ausgleich für mich. Ich träume jetzt sogar schon vom Fußballspielen", beschreibt Herbec seine Leidenszeit. In der vergangenen Saison stand er zwar im Kader des Bezirksligisten VfL Stenum, bestritt aber keine Partie. Die eine Spielzeit in Heidkrug ausgenommen, war Herbec seit der B-Jugend stets für den VfL aktiv. "Stenum ist mein Heimatklub", betont der 30-Jährige. "Ich kann mir vorstellen, dort irgendwann als Jugendtrainer zu arbeiten." Erst einmal will Herbec jedoch beim SV Atlas als Spieler angreifen, damit ihm jene verhängnisvolle Partie zwischen Heidkrug und Obenstrohe nicht auch noch als letzter Auftritt der Karriere in Erinnerung bleiben muss.

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