Werders Sportchef Frank Baumann scheint auf der Suche nach dem Wunschstürmer vorangekommen zu sein Der Lösung ganz nahe

Bremen. Irgendwann lachte Frank Baumann einfach nur noch und schlug die Hände vor das Gesicht. Eigentlich hatte es während der Werder-Pressekonferenz am Donnerstag doch um die anstehende Heimpartie gegen den FC Bayern München (Sonnabend, 15.
25.08.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Der Lösung ganz nahe
Von Malte Bürger

Bremen. Irgendwann lachte Frank Baumann einfach nur noch und schlug die Hände vor das Gesicht. Eigentlich hatte es während der Werder-Pressekonferenz am Donnerstag doch um die anstehende Heimpartie gegen den FC Bayern München (Sonnabend, 15.30 Uhr) gehen sollen, doch dann musste der Sportchef eine Frage nach der anderen zur Stürmersuche und Werders gesamter
Kadersituation beantworten. Wer geht noch bis zum 31. August? Und viel wichtiger: Wer kommt noch, und welche Qualitäten bringt er mit?

„Natürlich war es unser Wunsch, den
Kader frühzeitig komplett zu haben, aber man muss sich auch mit den Tatsachen auseinandersetzen“, sagte Baumann und verwies darauf, dass nicht selten auf der Zielgeraden der Transferperiode einiges passiere. Nicht nur bei Werder, aber eben auch bei Werder. Der Sportchef erinnerte an die Vorsaison, als Robert Bauer und Serge Gnabry auf den letzten Metern verpflichtet wurden. Beide stiegen auf Anhieb zu Stammspielern auf – was Hoffnungen weckt, dass dies auch für die anvisierte Verstärkung im Angriff gelten könnte. „Wir haben immer betont, dass, wenn wir etwas machen, wir von dem Spieler überzeugt sein müssen. Das kann jemand sein, der uns sofort hilft“, meinte Baumann. „Es kann aber auch ein Stürmer sein, der uns perspektivisch hilft oder uns allein durch seine Präsenz ein anderes Element in unserem Spiel gibt. Deswegen sollte man die Erwartungen nicht ganz so hoch hängen.“

Auch bei diesen Worten lächelte Frank Baumann. Dieses Mal nicht so verzweifelt wie zuvor, sondern eher verschmitzt. Es wirkt so, als ginge es in der Tat nur noch darum, wann Werder einen neuen Mann präsentiert – und nicht ob überhaupt.„Wir sind sehr intensiv dabei, dort noch etwas zu realisieren“, versprach er. „Nichtsdestotrotz ist es mir immer wieder sehr wichtig zu betonen, dass wir auch jetzt schon einen sehr guten Kader zusammenhaben, dass wir auch im Sturm sehr gut besetzt sind.“ Fin Bartels und Max Kruse hätten schließlich bereits in der vergangenen Rückrunde bewiesen, dass sie für reichlich Tore sorgen können.

Dennoch ist Zuwachs geplant. Und sicher ist auch: Werder riskiert keinen Schnellschuss, keine Verzweiflungstat. Mit den
infrage kommenden Spielern befinde sich der Verein ebenso in ständigem Kontakt wie mit den Beratern, verriet Frank Baumann. „Wir haben schon sehr lange den Markt sondiert. Deswegen kann man davon ausgehen, dass wir denjenigen, der es dann hoffentlich wird, schon länger im Auge haben und verfolgen“, erklärte er. „Aber es gibt eben auch Situationen, wo man noch warten muss, weil die Preise zu hoch oder andere Konkurrenten vorhanden sind. Oder der andere Verein sich auch noch einmal auf der Position verstärken möchte und man warten muss, bis er einen Spieler verpflichtet hat und dort dann ein Domino-Effekt entsteht.“ Auch der Umstand, dass sich noch entscheiden müsse, ob der abgebende Klub künftig international spiele oder nicht, könne eine Rolle spielen, sagte Baumann.

Keine Rolle mehr bei Werder spielt
bekanntlich Thanos Petsos. Der Mittelfeldmann wird mit seinem Ex-Klub Rapid Wien in Verbindung gebracht, Frank Baumann bestätigte entsprechende Gespräche. Eine Vollzugsmeldung gebe es noch nicht, „da müssen wir die nächsten Stunden oder Tage abwarten“, sagte er. Ähnlich sieht es bei Ousman Manneh aus, bei dem noch immer eine Leihe angestrebt werde. Lediglich der geeignete Klub fehle weiterhin. Wesentlich gereizter reagierte Baumann auf die neuerlichen Gerüchte um Zlatko Junuzovic: „Ich weiß nicht, woher diese Informationen stammen“, monierte er. Eine offizielle Anfrage von Trabzonspor, das laut türkischer Berichte weiter um den Österreicher buhlt, gebe es jedenfalls nicht. Auch der wechselwillige Aron Johannsson ist weiterhin Bestandteil von Werders Team.

Eben jener Aron Johannsson wird somit also wohl auch gegen die Bayern zum Bremer Kader gehören. Gleiches gilt für Philipp Bargfrede, der zuletzt humpelnd das Trainingsgelände verlassen hatte und am Donnerstag komplett aussetzte. Laut Trainer Alexander Nouri kehrt er jedoch zum Spiel gegen die Münchner zurück, sodass lediglich Niklas Moisander und Zlatko Junuzovic ausfallen. Gerade diese beiden Akteure würden der Mannschaft jedoch in einer Partie wie am Sonnabend gut zu Gesicht stehen. Der Auftritt gegen den Rekordmeister ist schließlich alles andere als einfach. „Du kannst gegen jede Mannschaft gewinnen“, sagt Alexander Nouri dennoch. „Gegen solch einen Gegner musst du nur über dich hinauswachsen und bis ans Limit oder darüber hinaus gehen“.

Und vielleicht auch ein bisschen „unangenehm“ sein, wie es der Coach ausdrückte. Als er diese Worte sprach, saß ein grinsender Robert Bauer direkt neben ihm. Er ahnte den Auftrag, um dann zu relativieren: „Unabhängig vom Gegner versuchst du,
direkt ein Zeichen zu setzen“, sagte der Verteidiger. „Man darf sich auch nicht von schlechten Aktionen oder Gegentoren einschüchtern lassen, sondern muss weitermachen und immer an sich glauben.“ Trainer Nouri bekräftigte dann auch, dass ein unangenehmes Auftreten nicht direkt mit einer unfairen Spielweise gleichzusetzen sei. Allein schon, weil Fouls zu Standardsituationen führen würden – und in dieser Disziplin seien die Bayern ja nicht eben die untalentierteste Mannschaft.

Da die Münchner bekanntlich auch in allen anderen Teilbereichen über eine außergewöhnliche Klasse verfügen, dürfte auf Werder beim Heimauftakt viel Arbeit warten. Nach der jüngsten Niederlage gegen Hoffenheim droht zudem ein klassischer Fehlstart. Ganz egal, wie gut die Leistungen der Bremer letztlich gewesen sein mögen. Robert Bauer bleibt dennoch optimistisch. „Wir wollen zeigen, was für ein geiles Team wir sind“, sagte er selbstbewusst. Ein Sieg sei für ihn daher auch nicht ein viel zitiertes Wunder. „Das ist ein zu großes Wort dafür, Wunder sind andere Dinge.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+